Beiträge in ‘Kurzgeschichten’

06. Jul 2011

In alten Geschichten wird oft von Einhörnern berichtet. Prächtige Geschöpfe, die einem Pferd ähneln und denen ein Horn auf der Stirn wächst. Es heißt, dass diese Wesen mit ihrem Horn Wunden heilen können. Manche werden sogar mit riesigen Flügeln beschrieben, mit denen sie einst über unsere Wälder und Berge geflogen sind – immer auf der Suche nach anderen, schwächeren Geschöpfen, denen sie helfen können.

So ein Einhorn wäre Jasi bestimmt gerne gewesen. Dann könnte sie davon fliegen und die Welt sehen. Jasi dachte sich, dass es bestimmt ein tolles Gefühl wäre den Wind in den Flügeln zu spüren. Bestimmt  würde es kitzeln. Die weiten Wälder von oben zu betrachten… sie stellte es sich geheimnisvoll vor.

Veröffentlicht durch Roland R. Posny

14. Mai 2006

Es war mein erstes Meeting mit den höchsten Tieren der Firma. Oh mein Gott, war ich aufgeregt, ich, als stellvertretender Marketingmanager, sollte tatsächlich meine eigenen Konzeptentwürfe für das kommende Jahr vorstellen! Ich war hin und weg.
Gleich am selben Morgen, als der Anruf von Herrn Wachtel kam, mit dem er mir mitgeteilt hatte, dass er wegen einer Geschäftsreise verhindert wäre, packte ich all meine Zettel, auf denen sich mehrere Mind-Maps zugleich befanden, zusammen und fuhr los.
Unrasiert und beinahe noch ohne Hose.

Veröffentlicht durch Roland R. Posny

14. Mai 2006

Schon seit Stunden lagen die düsteren Blicke des Ritters auf jenem Paar, im Schlossinnenhof. Von seiner Position auf einem der Balkone, von dem er ebenfalls den Tanzsaal des Palastes gut im Blick hatte, es sollte ihm niemand in die Quere kommen, beobachtete die Beiden.
Er wartete auf den Augenblick, in dem sie sich trennen würden. Thelos unterzog sich der Folter ihrer zärtlichen Küsse, nur um sich seiner Sache sicherer zu werden. Er brauchte dieses Gefühl, auch wenn es schmerzte und sein Herz sich anfühlte, als würde es brennen, so vertrieb es die Angst.

Veröffentlicht durch Roland R. Posny

13. Mai 2006

1.Tag

Es begann eigentlich alles ganz harmlos. Ein ganz normaler Routineausflug sollte es werden. Besorgen sie Bodenproben und Proben des Vulkangesteins rund um das Tschersker Gebirge, hatte man uns aufgetragen. Doch wir konnten ja nicht ahnen, dass unser Pilot ein solcher Schwachkopf war und sich selbst in den Tod stürze wollte.

Veröffentlicht durch Roland R. Posny

04. Dez 2005

Die Abenddämmerung zog über das Land, und die untergehende Sonne tauchte die weiten Wiesen und sanft geschwungenen Hügel in ein feuriges Rot. Es schien, als würde der Himmel am Horizont in Flammen stehen. Feuerrot züngelten sie am Firmament entlang, so voller Vorfreude auf das bevorstehende Ereignis.

An eine einsame Trauerweide gelehnt und geschützt von den träge herabhängenden Ästen, saß Irania auf einem Hügel, einige hundert Fuß vom Hinrichtungsplatz entfernt und sah hinab auf den Galgen. Ein seltsames Gerät – so schien es ihr jedes Mal aufs Neue – war der Galgen. Ihr Volk bevorzugte es schon seit seinem Bestehen, den Feind mit eigener Hand zu töten – mit dem Pfeil, den sie frei ließ. Dies war noch etwas Persönliches; nicht so stumpf und qualvoll wie das Erhängen.

Veröffentlicht durch Roland R. Posny

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© 1998-2012 Nadine J. Posny & Roland R. Posny