Der Morgen kam mit lautem Donnern und Getöse. Ein Sturm zog mit seinen eisigen Winden von der kalten Ebene herauf.
Jart wachte zusammengerollt in einem Schlafsack auf. Verschlafen sah er sich um und begann sofort zu frieren. Noch war der Sturm nicht bei ihnen angekommen, aber die Vorläufer waren eisig genug, dass sie hier draußen bald erfrieren würden, wenn sie nicht in Bewegung blieben.
Nach Thazy’ria Ausschau haltend, pellte sich Jart aus dem Schlafsack und stellte fest, dass er nicht mehr dieselbe Kleidung wie am Vortag trug. Die fremde Twi’Lek hatte ihm wärmere Kleidung angezogen, während er schlief. Er trug nun eine graue Uniform, die Raumfahrer trugen, um an Bord eines Raumschiffes nicht zu frieren.
Aber es reichte nicht. Die Kälte kroch bereits Jarts Beine herauf, schnell rollte er den Schlafsack zusammen und legte ihn zu den anderen Sachen, die nahe an einem herunter gebrannten Lagerfeuer lagen.
Anscheinend hatte seine Retterin ein Feuer entzündet, nachdem er unter Tränen eingeschlafen war. Jart dachte zurück an die letzte Nacht, in der er sich in den Armen der Fremden seinen Gefühlen ergeben hatte.
Es war seltsam gewesen, dass er sich einer Fremden so öffnen konnte. Aber als ihn die Emotionen eingeholt hatten, war ihm alles egal und sie erinnerte ihn an seine Mutter – nur viel Jünger und blauer.
Beim letzten Gedanken musste Jart schmunzeln.
Sie hatte ihm etwas zu Essen da gelassen. Trockenes Fleisch und etwas Brot. Es reichte für ihn um wieder zu Kräften zu kommen. Jart wusste gar nicht, wie lange er wirklich geschlafen hatte, bevor er aus seinem Alptraum erwacht war. Im Moment war es wohl wirklich besser gewesen, wieder klein anzufangen.
Während er aß und auf das verkohlte Holz starrte, dachte Jart darüber nach, wie er seine Schwester finden konnte. Er hatte immer noch kein Schiff und der Weg bis zur nächsten Stadt war zu gefährlich. Er musste sich etwas anderes überlegen.
„Gut, dass du aufgewacht bist, die Zeit drängt. Der Sturm wird heftig und bis zu meinem Schiff brauchen wir fast einen halben Tag.“
Thazy’ria hatte sich bereits zu ihm gesetzt. In seinen Gedanken verloren, hatte er sie gar nicht bemerkt.
„Wir? Du meinst, du nimmst mich mit zu deinem Schiff?“, Jarts Verwunderung war deutlich in seinem Gesicht zu sehen.
„Warum sollte ich das nicht tun? Dich hält hier nichts mehr und etwas Gesellschaft an Bord kann ich gut gebrauchen.“, sie lächelte Jart an.
Es war wieder dieses vertraute Lächeln, wie er es von seiner Mutter her kannte. Jart nickte.
„Gut! Dann sollten wir keine Zeit verlieren. Ich habe die Umgebung bereits ausgekundschaftet, wir haben Glück. Der Sturm wird uns wahrscheinlich nicht erreichen, bevor wir da sind. Dann sollte es auch nicht lange dauern, bis wir auf Tatooine sind. Ich muss Teile des Raumgleiters austauschen und die Vorräte aufstocken. Dann geht es weiter nach Naboo.“
Jart stockte kurz, als Thazy’ria von Naboo sprach. Er hatte von dem Planeten gehört. Seine Wiesen und Seen waren wunderschön. Wenn er die Bilder in seinen Büchern sah, hatte er sich oft dorthin geträumt, weit weg von diesem Leben im Untergrund. Er war über die Wiesen gelaufen, hatte sich vom warmen Wind beflügeln lassen und war ins klare Wasser gesprungen. Ob sie auch ihn dorthin mitnehmen würde?
Jart schüttelte den Kopf. Naboo war kein Ort, an dem er nach seiner Schwester suchen konnte. Tatooine würde seine beste Anlaufstelle werden, um etwas über den Aufenthaltsort seiner Schwester oder über die Piraten heraus zu finden.
Er musste in kleinen Schritten denken und durfte sein Ziel nicht aus den Augen verlieren.
Nachdem Jart aufgegessen und sich noch etwas ausgeruht hatte, packten die beiden Twi’Leks ihre Sachen zusammen und machten sich auf den Weg zum Raumschiff.
Sie sprachen unterwegs nicht viel. Thazy’ria versuchte das eine oder andere Mal ein Gespräch über ihn oder den Angriff anzufangen, aber Jart blockte stets ab. Er wollte nicht darüber reden. Er hatte ihr alles erzählt, wozu er bereit war zu erzählen. Seine Pläne, was die Rettung seiner Schwester anging, gingen sie noch nichts an. Er musste erst einmal feststellen, ob er ihr wirklich vertrauen konnte.
Früher kannte Jart diese Art von Misstrauen nicht. Der Verrat unter den Clans und der Tod seines Vaters hatten einen tiefen Schlund in sein Inneres gerissen.
Nach einer gefühlten Ewigkeit, kam das Schiff in Sicht. Es war ein roter Jäger. Jart hatte noch nie ein so kleines und dennoch riesiges Raumschiff gesehen. Er erkannte, dass seine Bauform für extrem wendiges und schnelles Fliegen gedacht war. Dennoch schien es genügend Platz zu bieten, um ihm und der anderen Twi’Lek genügend Platz zu bieten.
Fröhlich lächelnd beschleunigte Thazy’ria ihren Gang.
„Komm, wir haben es gleich geschafft und können dieses Schneegestöber hinter uns lassen! Wer zuletzt da ist, muss steuern!“
Jart schaute sie entsetzt an. Er und fliegen? So schnell er konnte rannte er los und versuchte sie zu überholen.
Lachend liefen sie nebeneinander und für einen kurzen Moment schien es, als könnte er gewinnen. Er konnte sich davor bewahren, einen Jäger zu fliegen und sie beide eventuell ins nächste schwarze Loch zu manövrieren.
Aber auf einmal stimmte irgendetwas nicht. Er hängte Thazy’ria ab und bemerkte fast zu spät, dass sie stehen geblieben war. Sie starrte in die Richtung des Raumjägers.
Jart folgte ihrem Blick mit einem mulmigen Gefühl im Bauch. Neben der geöffneten Einstiegrampe stand eine Gestalt. Es war ein Mann in einem Kapuzenumhang. Man konnte seine Glatze und seine dunkle Haut von weitem erkennen, da er die Kapuze nicht trug. In seiner rechten Hand schien er etwas zu halten.
Jart stockte der Atem, als er erkannte, dass es ein Sith war, der sein Lichtschwert bereit hielt und den beiden mit einem grimmigen Grinsen entgegen sah.
Thazy’ria zog Jart sofort hinter die nächste Deckung und fluchte leise: „Verdammt, er hat mich gefunden“
Jart betrachtete den Sith vorsichtig, indem er hinter dem Felsen hervorlugte. Es schien ein Mensch zu sein, mit breiten Schultern und einem schwarzen Umhang.
„Wer ist das?“, fragte Jart Thazy’ria.
In ihren Augen spiegelte sich Angst wieder.
„Er ist der Grund, warum ich hier landen musste. Ich weiß nicht warum, aber er verfolgt mich schon eine ganze Weile. Als er im Weltraum das Feuer auf mich eröffnete, musste ich hier Notlanden. Eigentlich hatte ich gehofft ihn im Asteoridengürtel abgehängt zu haben, aber das war wohl ein Irrtum. Er ist mir immer einen Schritt voraus.“, seufzte sie.
„Er ist ein Sith, nicht wahr? Ich meine, was sollen wir tun? Sollen wir gegen einen Sith kämpfen?“, auch Sith waren nur etwas, worüber Jart bisher gelesen hatte. Aber ihre Absichten waren nie gut und ihre Art, ihren Willen durchzusetzen stets tödlich. Sich mit diesem Mensch anzulegen, würde beiden das Leben kosten. Er war Machtsensitiv, sie beide jedoch nicht. Der Sith würde beide wie Banda-Fliegen erschlagen. Jart bekam Angst.
„Wir könnten versuchen, den Sturm zu nutzen, um uns zu verstecken. Aber er wird uns trotzdem finden.“, Thazy’ria schüttelte mit dem Kopf. „Nein, das hat keinen Sinn, ich werde mich ihm stellen, du wartest hier.“
Jart wollte etwas einwenden, aber sie hatte bereits ihren Rucksack abgeworfen und ging mit gezogenem Blaster auf den Hünen zu.
Jart fiel nichts anderes ein, als das zu tun, was Thazy’ria von ihm verlangt hatte. Aber er wollte näher heran. Es gab in der Nähe des Jägers genügend Dünen, hinter die er kriechen und dem Kampf dennoch von nahem zusehen konnte. Vielleicht konnte er ihr ja aus dem Hinterhalt beistehen.
Der Plan gefiel ihm und Jart schlich sich in einem großen Bogen an den Jäger heran. Hinter einer Düne, die ihm genügend Schutz vor den Blicken des Sith bot, versteckte er sich und versuchte zu lauschen.
Der Sith war Thazy’ria entgegen gekommen und stand nun etwas vom Jäger entfernt mit gezogenem Lichtschwert da. Die Twi’Lek hielt ihn zwar auf Abstand, sah ihm aber gespielt unbeeindruckt in die Augen.
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