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16.05.2010 – 648

Schmerzen….Langsam fand ich einen Weg durch die Dunkelheit…aus der warmen wohligen Stille die mich umgeben hatte, zurück in eine furchtbare Realität, herausgerissen aus dem Frieden zerrte der Schmerz mich unbarmherzig zurück in ein Licht das keines war.

Piep…Piep….Piep… was war das? Was war passiert? Es fiel mir schwer zu mir selbst zu finden…Eindrücke von überall die ich nicht verarbeiten konnte, die einfach auf mich einprasselten und mich zerrissen.

Langsam….Ronja…Piep..Piep… regelmäßig. Genau! Das Krankenhaus, die Operation, das Piepsen war der Herzmonitor. Mit dieser Erkenntnis fiel es mir leichter durch den Nebel zu blicken, der meinen Geist umgab. Aber die Schmerzen…langsam öffnete ich die Augen. Ich befand mich in einem Aufwachraum wie schon die beiden Male zuvor. Nicht weit entfernt eine angelehnte Tür durch die ein Lichtschimmer zu erkennen war.

Was mich jedoch wirklich beunruhigte waren dieses unsägliche Brennen in meinem Bein. Die letzten beiden Male war es doch auch nicht so gewesen? Hatten sie mir keine Schmerzmittel gegeben? Doch, der Tropf stand neben mir und ein zweiter Ständer daneben, der durch den das Analgetikum auch nach der vorherigen OP verabreicht worden war. Gut…aber was zum Henker…

Es wurde schlimmer, je wacher ich wurde. Meine Hand tastete an der Seite herum, allerdings dauerte es einige Sekunden bis ich den Knopf gefunden hatte, mit dem die Schwestern gerufen werden. Ein leiser Summton ertönte im Zimmer nebenan. … Die Sekunden zogen sich…die Schmerzen wurden immer schlimmer und begannen an meinen Kräften zu zehren.

Endlich, irgendwann, es mochten Stunden vergangen sein, so kam es mir zumindest vor, hörte ich Schritte. Ein Pfleger erschien. Doch sein Blick war seltsam, selbst durch den Nebel erkannte ich seine Nervosität. Von einem Bein aufs andere tretend stand er vor mir und sah mich erwartungsvoll an. Ich fragte ihn ob ich etwas zu trinken haben könne…mein Mund fühlte sich an wie Sandpapier und wenigstens das wollte ich behoben haben. Er nickte und brachte mir Wasser. Dabei setzte er sich halb aufs Bett um mir aufzuhelfen. Dies war auch bitter nötig, denn mein erster Versuch mich aufzusetzen scheiterte bereits an dem Gedanken, der zweite an der Ausführung. Sobald ich mich bewegte schoss ein Stechen durch meinen Unterschenkel und es kostete mich alle Mühe nicht laut aufzuschreien. Sobald der Becher an meine Lippen gesetzt war und die kalte Flüssigkeit meine Kehle hinunter rann, gelang es mir für kurze Zeit meine Umgebung zu vergessen. Ich fühlte nichts weiter als den Tropfen kalten Wassers und kostete jeden Augenblick davon aus. So süß, so kostbar…doch eine Bewegung des hinter mir Sitzenden brachte mich jäh in die Realität zurück. Als ob es nicht schon nervig genug war ständig auf andere angewiesen zu sein, jetzt raubte er mir auch noch diese Freude. Hass wallte in mir auf…doch ich schluckte ihn hinunter.

Im Anschluss stand der Pfleger wieder auf.

Ich wollte nichts mehr von ihm nur noch die Beantwortung der Frage ob die OP gut verlaufen war. Der Angstschweiß auf seiner Stirn perlte glitzernd im schwachen Schein der Beleuchtung und war bis hierher zu riechen. Etwas stimmte nicht…natürlich nicht. Die Situation war so untypisch gewesen, es konnte schlichtweg nicht alles in Ordnung sein und seine Reaktion auf meine Frage gab mir die Gewissheit. Ausweichend wollte er wissen ob ich Schmerzen hätte, was meine Ungeduld nur noch schürte. Würde ich mich nicht so schummrig fühlen, würden mich die Schmerzen nicht soviel Kraft kosten….

Letztlich rückte er jedoch mit der Sprache raus. Tatsächlich waren Komplikationen aufgetreten, verheerende Komplikationen und aller Wahrscheinlichkeit nach würde ich mein Bein nie wieder richtig benutzen können. Erst mit der Zeit drang zu mir durch was er gesagt hatte. Nie wieder…diese Worte hallten nach wurden lauter, kreischten durch meinen Kopf…NIE WIEDER…und mit einem Mal traf es mich wie ein Schlag. Es sollte doch…NIE WIEDER….eine einfache OP noch und alles würde wieder in Ordnung sein…NIE WIEDER…durch die Wälder, über die kleinen Flüsse. NIE WIEDER…einfach laufen und sehen, hören, genießen, das Leben um mich herum. All das sollte vorbei sein. Am liebsten hätte ich ihn angeschrien, er sollte jemanden her schaffen, der an der ganzen Sache beteiligt sei. NIE WIEDER!!!!! Seine Ausreden wollte ich nicht hören, kein Wort mehr, er sollte gehen und mir jemanden bringen, der dafür verantwortlich ist. Darauf hin ging er, er täte was er kann….NIE WIEDER…dieser Hohn.

Ein Wunsch regt sich in mir. Rote Rinnsale, der Pinsel des Zufalls, auf weißer Haut, die Symphonie der Angst. Doch nicht jetzt, es fehlt der Darsteller. Der Verantwortliche wäre würdig. Er sollte der Glückliche sein, der die Hauptrolle in meiner Symphonie des Blutes spielen darf. Dies wird ein wunderbarer Moment werden, in meinem Kopf reihen sich Bild an Bild, Möglichkeit an Möglichkeit, wie das Meisterwerk des Zufalls letztlich aussehen könnte, und doch weiß ich, dass nichts von dem, dem Ergebnis nahekommen wird, denn es ist noch gewaltiger, noch schöner, noch perfekter als ich es mir auch nur ausmalen könnte.

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Published inRollenspiel-Storys

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