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17.05.2010 – 649 – Teil 3

Der Tag brach an. Die Sonne, die zu Beginn meines Marsches noch fahl am Himmel gestanden hatte, halb verdeckt vom Morgendunst des Frühlings, begann nun ihre wahre Kraft zu entfalten und mit ihr erwachte ach die Stadt. Die Straßen füllten sich mit immer mehr Autos, immer mehr Lärm und Gestank. Und mit ihnen kamen die Menschen. Zuerst die Hundebesitzer mit ihren Tieren. Überall halb verschlafene Roboter die sich von ihren vierbeinigen Besitzern spazieren führen ließen. Alle Formen und Farben. Ich habe immer einen recht guten Bezug zu Hunden gehabt, zu Tieren allgemein. Mit ihnen konnte ich weit mehr anfangen als mit ihren Besitzern. Oft war es so, dass mich ein Tier umso mehr mochte, je stärker sein Besitzer mich verabscheute. Diese Korrelation ist seltsam aber vorhanden, ich hab es schon oft beobachtet. Diese kleinen Viehcher, die sich Hunde schimpfen, sind jedoch nicht mein Fall. Kleine Kläffer ohne Sinn und Verstand.

Als ich noch bei meinen Eltern gewohnt hatte, bzw. in den Semesterferien dort gewesen war, hatte ich des öfteren den Schäferhund der Nachbarn in Pflege, wenn sie verreist waren. Selim. Ein toller Hund, der zu mir ein besseres Verhältnis hatte als zu seinen Besitzern.

Wenn ich mit ihm in den Wäldern unterwegs war, herrschte eine Art gegenseitiges Einverständnis. Ich nahm ihn mit, lies ihm seine Freiheiten, sah davon ab ihm ständig hinterher zu brüllen,wie seine Besitzer es taten, dafür entfernte er sich nicht zu weit und hörte wenn ich ihn denn rief und wollte dass er bei mir blieb, aufs Wort. Tagelang waren wir so unterwegs gewesen, gerade in den letzten Wochen kurz vor meinem Umzug nach Berlin. Von nun an würde er ein Leben an der Leine führen müssen, dabei war er gerade mal zwei Jahre alt. Am vorletzten Tag, hatte ich ihn noch einmal mitgenommen, es war ein schöner Tag gewesen, wolkenlos, leichter Dunst stieg auf in den Morgenstunden und das Licht der aufgehenden Sonne fiel durch die dunklen Fichtennadeln, verwandelte den Waldboden in ein gold-grünes Meer aus Moos und Kräutern, als Selim plötzlich einige Meter vor mir wie angewurzelt stehen blieb. Ich verlangsamte meinen Schritt und beobachtete ihn. Er wirkte angespannt. Jeder einzelne Muskel zitterte und sein Nackenfell sträubte sich langsam. Dann sah ich den Grund für seine Erregung. Halb verdeckt von einer der Zahlreiche Bäume stand ein Wildschwein, ein Eber und starrte uns an. Eine dunkle Flüssigkeit lief seine Schulter herab und er schien Mühe zu haben sich auf den Beinen zu halten. Er schnaubte…so etwas kann gefährlich werden, sehr sogar, gerade verletzte Wildtiere neigen zu aggressivem Verhalten.

Drohend kam das Tier auf uns zu und machte gerade Anzeichen anzugreifen, als Selim sprang, dem Tier direkt an die Kehle. Alles passierte in Sekundenbruchteilen. Ein Aufkreischen des Ebers, ein Jaulen des Hundes und dann war alles still. Der Eber tat seinen letzten gurgelnden Atemzug und es war vorbei. Blut Tropfte von Selims Lefzen, als er dort stand. Ich nickte ihm zu und er verstand. Es war seine Beute und er sollte sich seinen Teil davon holen. Das es verboten war einen Hund wildern zu lassen, war mir vollkommen klar, doch die Situation…und es war niemand hier. Er hatte es sich verdient. Nach einer viertel Stunde rief ich ihn und wir gingen. Glücklicherweise schien der Hund nur leicht am Vorderbein verletzt zu sein, denn er humpelte leicht. Wenige hundert Meter weiter floss ein Bach. Dort kühlte ich das Bein und beseitigte die Spuren des Zwischenfalls.

So gedankenverloren wanderte ich durch die Straßen Berlins. Etwa zwei Stunden später erreichte ich mein Ziel. Die Haupteingangstüren waren geöffnet und es herrschte schon Betrieb. Warum auch nicht, den Kranken war es egal was hier sein Unwesen trieb, sie wussten nichts… Süße Unschuld…Ich lächelte ein wenig in mich hinein. Was wohl passiert wäre wenn sie gesehen hätten was ich sah, was hinter diesen Mauern so alles passierte und wer bzw. was hier sein Unwesen trieb? Panik…Ja das war es wohl…Panik würde ausbrechen. Verleugnung und Panik. Trotzdem hier Menschen waren, hatte ich doch den Eindruck, dass es zu leer war. Vereinzelt liefen hier Pfleger, Ärzte und Besucher herum, doch ich hatte die Vormittagsstunden immer als hektisch empfunden, davon war allerdings nichts zu spüren. Allerdings war ich nicht wieder hierher gekommen, um die Auslastung der Klinik zu analysieren, dafür waren andere zuständig. Abmelden und nach Hause.

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Published inRollenspiel-Storys

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