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181 – [06.05.2014] Ankunft Atlanta

Es war ein verregneter Tag im Mai, die Scheibenwischer des Wagens quietschten bei jeder Bewegung und aufgrund der Dunkelheit der Nacht konnte Matt nur spärlich die Straße überblicken. Glücklicherweise waren sie allein darauf unterwegs. Sarah hatte sich auf der Beifahrerseite mit dem Kopf gegen das Fenster gelehnt und blickte verträumt hinaus.

Matt kam nicht ohnehin, immer wieder zu ihr zu blicken. Irgendetwas war seit ein paar Tagen anders, faszinierender an ihr geworden. Obwohl die beiden jetzt bereits zwei Jahre zusammen durch die Staaten zogen, nahm Matt eine bisher ungeahnte Schönheit an Sarah wahr. Er fragte sich, wie er das bisher übersehen konnte – und fühlte sich seltsam, das er diese Steigerung bisher nicht für möglich gehalten hatte. Vielleicht war es auch einfach diese ungewohnte Ruhe, die sie ausstrahlte, obwohl sie heute noch gar nicht zur Spritze gegriffen hatte.

„Meinst du, es wird so bleiben?“, durchbrach ihre nachdenkliche Stimme die Stille.
„Was meinst du?“
„Das es immer so einfach bleibt, so gut für uns ausgeht…“, sie richtete sich in ihrem Sitz wieder auf und schaute Matt direkt an. „Das wir einfach so davon kommen.
Matt runzelte die Stirn: „Wie kommst du jetzt darauf?“
„Ich…“, Sarah wurde mit einem Mal sehr blass. „Uh… halt mal schnell an.“ und sie hielt sich die Hand vor den Mund.
Matt reagierte schnell, auch wenn es keine Vollbremsung war. Kaum stand der Wagen, riss Sarah die Beifahrertür auf und beugte sich nach draußen, um sich zu übergeben.
„Oh, verflucht.“, kommentierte Matt die Würgegeräusche und stieg seinerseits aus dem Wagen aus, umrundete diesen schnell im strömenden Regen und half Sarah beim abschnallen und anschließendem Aussteigen aus dem Auto. Sie hockte sich an die Böschung und übergab sich weiter. So blass hatte er sie bisher noch nicht gesehen – dabei hatte sie es durch die Heroindosis oft genug geschafft sich in ein echtes Wrack zu verwandeln.
„Hey, mach kein Scheiß.“, entgegen der Wortwahl klang Matt eher besorgt, während er Sarah über den Rücken strich. Diese war dann aber auch schon wieder fertig und verzog das Gesicht: „Mir ist total schlecht.“
„Willst du noch ein wenig hier draußen bleiben?“
Sarah überlegte kurz und schüttelte dann sacht mit dem Kopf: „Nein… ich mag schlafen. Wie weit ist es noch bis Atlanta?“
„Ungefähr eine halbe Stunde bis zu dem Motel… hältst du es solange durch?“
„Bekomme ich schon irgendwie hin.“, war ihre Antwort. Deshalb half Matt ihr zurück ins Auto. Sie kam ihm mit einem mal so unglaublich zerbrechlich vor. Mehr als sonst.

Irgendwas war anders.

Published inRollenspiel-Storys

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