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Adhen

Dies ist die Geschichte zum Charakter Adhenaus der Welt von Garten der Engel. Sie beschreibt den Werdegang Adhens zwischen dem 4. und dem 5. ZeitalterTierranas. Wenn es mal einen Roman zur Geschichte geben sollte, dann ist dies eine Brücke zwischen zwei Geschichten, die mir im Kopf herumgeistern 😉

Rot. Der Himmel war einfach nur rot. Ich lief über den weichen Sand der Wüste, der bereits in einem dunklen Ocker glänzte und betrachtete den Himmel. Der Solar, die Sonne die als Zweite aufgeht und als Letzte unter, stand nur noch einige Fuß über dem Horizontstreifen, vom Westen her, kam eine angenehm kühle Brise und der Wind kühlte meine heißen Wangen. Ich war nicht auf der Flucht, auch wenn man es so meinen würde, wenn man meinen schnellen Gang und die hastigen Artikulationen berücksichtigte.

Nein.

Es war nicht meine Absicht gewesen zu fliehen. Ich wollte nicht gehen, doch nun sind sie hinter mir her. Sollen sie mich doch einfangen, wobei ich bezweifle, dass sie mir bis hierher in die endlose Wüste gefolgt sind.

„Du bist ein Narr“, sagte Tia zu mir, als ich aufbrach, um meine Freiheit wieder zu finden.

„Ein Narr, der sein Ende in der Wüste finden wird! Wie willst du an Nahrung kommen, wie deine Kräfte aufrechterhalten?“ hatte sie gefragt. „Die Wüste ist leer, es gibt dort keine Tiere, keine Menschen. Und wenn du Glück hast, auch keine Poger!“

Da hatte sie allerdings Recht. Einem dieser Elefantenbestien zu begegnen, wäre wohl mein Ende gewesen.

Nach einem weiteren Tag des langen Marsches, spürte ich, wie endgültig ein die Schwäche sich meiner bemächtigte, die lange Reise hatte meinen Körper sowie meinen Geist schon zu sehr strapaziert, eine gähnende Leere machte sich bereits in meinem Kopf breit

Wenn nicht Anteriel gewesen wäre, ich wäre wohl eingegangen.
Dieser kleine Mensch, mit seinen zerzausten braunen Haaren und dem ungepflegten Bart. Oftmals bereute ich es, ihn aus den Verließen des Bluttempels befreit zu haben, denn er war ein Unglücksboote.
Überall stießen wir wegen seiner Tollpatschigkeit nur auf Unglück. Ein Erdloch, die ganze Wüste bestand nur aus Sand und verkrustetem Boden. Kein Wasser, kein Leben, aber Anteriel musste natürlich in die verlassene Behausung eines Höhlentrolles stürzen.

Hier draußen in der Wüste.

Aber ich konnte ihm nicht den Kopf abreißen, obwohl ich es manchmal gerne getan hätte. Er hatte mir geholfen zu fliehen -nun nahm ich diesen Gedanken doch an-, doch auch ihn plagten Sehnsüchte, aber sein Gesang, diese gemeinsamen Stunden vor dem Feuer, wenn die Sonne bereits unterging und der Wind uns kühlte, gab er mir ein Stück Lebensmut zurück Der kleine Mann saß einfach da und sang in seiner lieblichen weiblich klingenden Stimme von seiner Familie, dem Schicksal der einfachen Menschen, oder einfach nur von der Liebe.

Dann sah er aus wie ein kleiner Junge, der mich mit seinen treuen blauen Augen ansah und um einen Keks bettelte. Vielleicht, wenn er den Bart nicht gehabt hätte, hätte er ihn auch bekommen, den Keks.

Nein, ich hätte ihn nicht töten können, niemals, auch nicht nur einen Tropfen seines Blutes trinken. Ohne ihn wäre selbst dieser Weg zu einer Qual geworden und mein Leben hätte mir von Sekunde zu Sekunde mehr als Laster auf den Schultern gelegen.

Wir schlugen unser Lager am Fuß einer Düne auf. Sie war groß und keiner von uns wusste, was sich hinter ihr verbarg. Vielleicht noch mehr Wüste, vielleicht auch der Anfang der Steppen und bald die Wälder? Oder ein weiteres Lager von Wanderern.

Wir wussten es nicht und wir brauchten es auch nicht zu wissen, denn wir waren nun einmal hier und Anteriel sah müde aus, ich wollte ihm den Schlaf gönnen. Wir hatten noch einen weiten Weg vor uns, selbst wenn wir bald das Ende der Wüste erreicht hätten, unser Ziel lag noch fern.

Nein, nicht unser Ziel, mein Ziel. Anteriel würde ich beim nächsten Menschendorf zurücklassen. Er hatte nichts mehr damit zu tun, Anteriel war von Anfang an nicht eingeplant gewesen, es war nicht mehr seine Welt gewesen. Der Ort an den ich zu gelangen ersuchte, war kein Ort für einen Menschen. Das ewige Eis von Igala sollte das Ende meiner Reise sein.

Ich hatte genug, genug von dieser Welt, genug von dem ständigen Gedanken an das Töten. Seit der Krieg vorbei war, hatte ich meine Tage damit verbracht den Menschen beim Aufbau ihrer Städte zu helfen. Zandia bot einen schrecklichen Anblick… dies alles war meine Schuld gewesen, meine ganz allein. Ich hatte diesen Krieg entfesselt, in meiner blinden Wut gegenüber den Raman und mir selbst.

Ich hatte einen Krieg erweckt, der sich über die ganze Welt zog und niemand war verschont geblieben. Nicht einmal das geweihte Volk konnte ich schützen, doch wenigstens habe ich dafür gesorgt, dass ihr kleines Geheimnis auch eines blieb… bis zum nächsten Krieg.

Nun wollte ich dem Allen ein Ende setzen, ich wusste, wenn ich meinem Leben ein Ende setzen würde, dann würde es vielen Raman nicht mehr gelingen ihre Kräfte zu entfalten. Ich hatte etwas ausgelöst, dass sich bis tief in die Venen der Wesen setzte und sich verankerte. Eine Blockade, einen Schutz vor sich selbst, und dies Alles nur durch die Musik. Und darum mochte ich Anteriel so sehr, denn er liebte die Musik ebenso wie ich. Das war ein guter Gedanke.

„Hier, ihr habt noch nichts gegessen Meister“. Ich dachte schon längst, er wäre eingeschlafen, doch plötzlich stand er mit einem Stück Brot, belegt mit altem vertrocknetem Käse, vor mir. Seine Blicke waren derartig herzerweichend, wie immer wenn er sang, er flehte beinahe darum, dass ich aß.

Ich wusste mir einfach keinen Rat mehr. Ich hatte dem kleinen Mann schon oft genug erklärt, dass ich keine Nahrung wie die Menschen aufnahm und -was mir am unangenehmsten war- er brauchte mich nicht Meister zu nennen. Jedes Mal, wenn er mich so nannte, spürte ich diesen zerreißenden Schmerz in meiner Brust, mein Herz wehrte sich gegen diesen Titel, zu viele schreckliche Erinnerungen kamen dabei zum Vorschein. Nur aus dem Grund nicht mehr Meister genannt zu werden, entfesselte ich doch diesen absurden Krieg. Nur weil ich wieder frei sein wollte und diese Freiheit auch für die Menschen erlangen wollte.

Anteriel sah mich weiter, nun aber etwas freundlicher, an und er hielt mir das Brot hin, dann lächelte ich ebenfalls, doch er wich zurück. Wahrlich, ich lächelte nicht oft und das mag wohl der Grund gewesen sein, warum der Anblick meiner Fänge für ihn ein weiteres Mal ein so erschreckender Anblick gewesen sein musste, aber es schmerzte wieder.

Durch seine Reaktion wurde ich bestärkt in dem Vorhaben, meinem Dasein ein Ende zu setzen.

„Anteriel, du weißt doch, ich esse kein Brot…“, der kleine Mann sah ein wenig fragend drein, hatte er denn wirklich kein Gedächtnis, war er ein so dummer Mann? Aber wie konnte er mir dann den Weg aus meinen eigenen Mauern weisen, vorbei an den Wachen meines Feindes, meines eigenen Bruders?

„Aber Meister, was soll ich noch tun? Ich habe bereits mein Blut angeboten, doch ihr wolltet nicht trinken. Ich habe Euch Essen und Trinken übrig gelassen, doch ihr rührtet es nicht an. Meister! Ihr werdet sterben, wen ihr nicht esst!“ Anteriel sah mich bedrückt an und in seinen Augen spiegelte sich Entsetzen wieder, er hing an mir, das sah man sofort, ich fragte mich nur, wie ich ihm beibringen sollte, dass sich unsere Wege bald trennen würden.

„Ich habe mit Sicherheit nicht einem bereits Toten, aus den Verließen von Insania geholfen, nur um mit ansehen zu müssen, wie er vor meinen Augen ein weiteres Mal stirbt!“

Tränen schossen ihm in die Augen und er machte auch keine Anstallten sie zu verbergen. Anteriel schien es zu merken, er musste spüren was in mir vorging, manchmal dachte ich, das er kein normaler Mensch sein konnte… er hatte etwas, ja, von mir… als ich noch… aber das war nicht so wichtig.

Auf jeden Fall war er etwas Besonderes und nur um ihm einen Gefallen zu tun, aß ich. Auch wenn es mir nur Magenschmerzen bereitete und auch nach gar nichts schmeckte. Doch während ich auf dem Brot herumkaute und aufpassen musste, mir nicht die Fänge dabei in meinen Kiefer zu rammen, tat ich so, als würde es mir besonders gut schmecken und stöhnte genießerisch. Nur allein die Tatsache, das Anteriel wieder lächelte, hielt mich davon ab, das Brot wieder auszuspucken.

Die Nacht verging ohne weitere Vorkommnisse, nachdem Anteriel sich mit seinem Leinenhemd zugedeckt hatte und das Feuer bereits abgebrannt war, machte ich mich auf, die Landschaft hinter der Düne zu erkunden. Manchmal sehnte ich mich noch nach der Zeit, in der ich mich abends hinlegte und meine Augen schloss um dann am nächsten Morgen mit frischem Lebensmut zu erwachen. Denn eine Nacht konnte so unendlich lang und langweilig sein, wenn man nicht schlafen konnte.

Ich bestieg die Düne und wendete mich noch einmal Anteriel zu, der mal wieder im Schlaf redete. Die letzten beiden Nächte tat er dies ununterbrochen, es musste die unendliche Freude und Sehnsucht bei dem Gedanken sein, seine Familie wieder zu sehen.

Denn er rief ständig den Namen seiner Frau, Nevana, aus. Ich konnte ihn verstehen, ich wusste, wie es war, einen geliebten Menschen eine solch lange Zeit nicht sehen zu können, doch das Begehren nach Liebe war schon lange verebbt. Nicht aber bei dem Calas, seine Hose beulte sich und an seinem Gesichtsausdruck konnte ich erkennen, wonach er sich am meisten sehnte.

Anteriel war wohl zwei Jahre gefangen gewesen, als Kriegsgefangener in den Verließen des Bluttempels. Unter der Fittich von Olep, dem Henker, war er ein Anwärter für das große Blutfest gewesen, bei dem er als Opfer und Lieferant frischen Blutes gedient hätte. Auf unserem langen Weg durch die Wüste erzählte er ständig von seinem Dorf, hinter den Bergen an den Grenzen von Wesedoor und Igala, seiner Familie, seiner Frau, der kleinen Tochter und dem zahmen Wolf, Belle.

Besonders stolz war der kleine Mann auf seine schwere Arbeit mit den Maisfeldern gewesen, die er mitten in der Steppe angelegt hatte und ganz Wesedoor mit seiner Ernte belieferte.

Oft erzählte er voller Elan von all den Dingen, die er so sehr vermisste, dabei glänzten seine Augen freudig, dann war es wie das das Strahlen eines frühen Sommermorgens, an dem der blaue Himmel noch mit matten Wolken behangen war und das Land zu neuem Leben erwachte.

Ich betete jeden Tag zu den Göttern, dass es der letzte Tag für diesen armen Menschen in dieser traurigen Gegend sein würde und sein Leiden in der Wüste ein Ende haben sollte.

Für mich selbst war es nicht die Wüste, die mich leiden ließ. Ich litt mit Anteriel, ich wollte diesem Menschen sein Glück wiedergeben, welches ich ihm genommen hatte, ich wollte mit ansehen können, wie er seine Frau und seine Tochter in den Armen hält und wieder Tag ein Tag aus, auf seinen Feldern arbeiten konnte. Er sollte wieder tun können was ihn glücklich machte.

Doch war es nur ein verkrusteter, eintöniger Boden der sich hinter der Düne erstreckte und mir die Hoffnung nahm, den Menschen lebend nach Wesedoor zurückzubringen.

Ein schwaches Leuchten am Horizont erweckte meine Aufmerksamkeit. Ich dachte nicht, hier in der Wüste auf Leben zu treffen, aber allem Anschein nach, handelte es sich um ein Feuer, ein Lagerfeuer, womöglich gemacht von Menschen.

Das war die Idee.

Wenn ein Zug Menschen dort befunden hätte, hätte sich Anteriel ihnen anschließen können und wäre einfach mit ihnen mitgezogen. Sie hätten ihn bestimmt auf sicherem Wege aus der Wüste gebracht. Ich war dazu nicht in der Lage, ich war bereits stark der Annahme gewesen, ich würde wirklich sterben, so wie es der kleine Mann sagte. Aber ich kannte die Wüste, ich wurde in ihr geboren, ich war ein Sohn des Sandes, ein Sohn des Feuers, mein Vater war Schmied und ich der Junge einer angesehenen Familie. Die Wüste war meine Heimat, so wie Wookror die Heimat vieler geplagter Wesen wurde, während meiner Herrschaft.

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