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Befreiung

Stimmung

Die Villa lag still im morgendlichen Dunst Berlins vor ihnen. Klaas lud die Maschinenpistole durch, die mit Weihwassermunition geladen war. Die anderen drei hatten ebenfalls halbautomatische Waffen und außerdem Pflöcke, sowie metallene Rüstungen, die sie zwar nicht leise machten, aber gegen die Bisse immunisierten. Von der Rasenfläche stieg leichter Nebel auf und verhüllten das Gebäude, in welchem sich ihr Zielobjekt befand, beinahe vollständig.Allerdings war das nicht weiter wichtig. Sie erwarteten hier draußen keinen Widerstand. Mit einem lautlosen Fingerzeichen gab er den anderen zu verstehen das sie vorrücken sollten. Die vier Männer rannten auf die Villa zu welche mit seinen großen, hohen Fenstern, vor ihnen aufragte, zu und positionierten sich links und rechts neben der Tür.

Im Inneren war nichts zu hören. Was in soweit gut war das dort wohl keinerlei Ghule im Haus waren. Mit den Fingern zählte er von drei bis null herunter. Dann trat er die Tür ein und stürmte in die dämmrige Eingangshalle. Diese war geschmackvoll eingerichtet mit einigen Pflanzen in den Ecken, einem Sofa und niedrigem Tisch. Darauf lagen einige Zeitungen. Die breite Treppe führte in den zweiten Stock. Eine Kellertreppe gab es hier ganz offensichtlich nicht. Mit weiteren Fingerzeichen dirigierte Klaas sein Team, zur Aufteilung. Mit eingeübter Präzision verschwanden zwei seiner Teamkollegen in den zweiten Stock, während er mit Ralf in die unteren Räume eindrang. Dir Türen hier waren aus massiven Holz, allerdings nicht abgeschlossen. Zuerst erreichten sie eine große Küche und gleich darauf einen Salon, in dem wohl gegessen wurde. „Wozu brauchte eine Vampirin ein Esszimmer?“ schoss es ihm durch den Kopf. Egal weiter. Die Räume waren alle soweit sauber. Kein Anzeichen von irgendwelchen Vampiren oder Ghulen. Waren die Informationen von ihrem Auftraggeber etwa falsch? Unwahrscheinlich. Wäre das erste Mal in sieben Jahren das sich da etwas als falsch herausstellen würde.

„Zweiter Stock sauber!“

vernahm er eine rauschende Stimme in seinem Ohr. Die Mikrofunkgeräte waren einfach spitze. Ermöglichten einfache Kommunikation in Gebäuden und waren dabei so Schall isoliert das man die Stimme des Sprechers nur in seinem Ohr hören konnte. Da auch Ralf und er nichts gefunden hatten richtete Klaas sich auf und entspannte sich ein wenig.

„Gut wir treffen uns in der Eingangshalle. Hier ist auch alles sauber.“

„Roger that!“

kam die Antwort des zweiten Teams und Ralf machte sich mit Klaas zurück auf den Weg in Halle. Hier herrschte immer noch seltsames Zwielicht, obwohl die Sonne inzwischen höher gestiegen war. Die Schritte, welche die Treppe herunterkamen waren von ihren Kameraden. Wieso hatte das Haus eigentlich keinen Keller?

„Checkt mal die Wände!“

befahl Klaas und begann sogleich selbst mit dem Abtasten der Wände. Seine Teammiglieder stutzten zwar erst beteiligten sich aber schließlich an der Suche. Die Wände waren glatt verputzt und nicht tapeziert, sondern gestrichen. Hier musste doch etwas sein… Seine Hände fanden allerdings nur nackte Wände Auch hinter den aufgehängten Bildern war nichts auffälliges zu entdecken. Plötzlich war ein Schrei zu hören. Alle drei verbliebenen wirbelten herum. Ralf war verschwunden. Die Halle war übersichtlich aufgeräumt. Er konnte also schlecht irgendwo außer Sichtweite sein. Im Umkehrschluss hieß das, dass er entweder den Keller gefunden hatte, oder sich soeben in Luft aufgelöst hatte. Letzteres war unwahrscheinlich.
Wo war er eben gewesen? Er lief hinüber und seine Hände tasteten die Wände dort ab, wo Ralf eben noch gewesen war. Stein, Stein, Stein, Nichts…
Seine Hand steckte in der Wand, welche so massiv aussah, wie der Rest des Gebäudes. Aber hier war zweifellos Luft und kein Stein. Er winkte die Anderen Beiden herbei und mit erhobener Waffe trat er einen Schritt durch die Wand. Sein Fuß fand keinen Halt. Hinter dieser Illusion war ein Abgrund. Eine Schreckliche Sekunde fand er sich mit seinem Tod ab. Dann traf sein Schuh auf Widerstand. Eine Treppe direkt hinter der Wand. Seine Augen gewöhnten sich an das Licht, welches hier noch dämmriger war, als in der Halle. Die Wände in diesem Gang waren roh behauener Stein und Feuchtigkeit sammelte sich am Ende der Steintreppe auf dem Boden und bildete Pfützen. Ralf war die ganze Länge der steilen Treppe hinab gestürzt. Nur seine ghulischen Fähigkeiten hatten ihn wohl vor einem Genickbruch gerettet. Wer nicht wusste, dass direkt hinter diesem Eingang eine Treppe wartete der musste zwangsweise Knochenbrüche oder ähnliches hinnehmen, wenn er unten ankam. Klass half seinem Kameraden auf die Beine und dieser bedankte sich mit einem Nicken, bevor er die Waffe wieder an sich nahm und die vier Ghule durch den Gang vorrückten. Er war nur spärlich ausgeleuchtet, was nicht weiter verwunderlich war. Die meisten Vampire brauchten nicht so viel Licht wie ein Mensch, um sich gut zurechtzufinden. Ihr Weg führte sie noch um einige Ecken und zwei Abzweigungen an denen sie vorbeikamen enthielten zu ihrem Leidwesen nichts als Knochen. Erst ganz am Ende wurde sie fündig. Ein gemütlich eingerichtetes Zimmer mit einem laufenden Computer und einer Gestalt davor, die vollkommen regungslos dasaß. Am Eingang stoppten die vier Ghule und verschafften sich einen Überblick. Groß war die Wohnstatt wahrlich nicht. Ein Schreibtisch nahm den größten Teil des Raumes ein. Dazu ein altes Sofa und ein Tisch auf dem einige Computerzeitschriften lagen. Die beiden Monitore flimmerten noch im Stand bye Modus allerdings hatte die Gestalte sie immer noch nicht bemerkt, was nur bedeuten konnte das sie ihr Primärzielobjekt gefunden hatten.
Mit schnellen Schritten sicherten sie den Raum und Klaas jagte dem sitzenden Vampir einen Pflock in die Brust. Ein Ruck ging durch die Gestalt. Dann war er wieder in Starre. Während Klaas die Schreibtischplatte inspizierte und CDs, DvDs, externe Festplatten und sonst sämtliches Material sicherte, das von Interesse sein könnte, verpackten die Anderen drei den Nosferatu in einen schwarzen Leichensack und zogen den Reißverschluss zu.

„Ziel erreicht. Raus hier!“

„Sagt mal hört ihr das auch?“

Ralfs Stimme war angespannt. Und jetzt wo er es sagte konnte auch Klaas die Geräusche vernehmen. Ein leises knacken und klappern.

„Was ist das?“

„Keine Ahnung!“

stieß Klaas zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Aber egal was es ist. Wir schießen es zur Not über den Haufen! Also los!“

Schnell rückten die Ghule durch den Gang vor. Sie mussten nur die Grundstücksgrenzen erreichen. Zumindest hoffte er das. Doch hinter der zweiten Biegung des Ganges erwartete sie die Quelle der seltsamen Geräusche. Eine Wand aus Skeletten hatte sich dort formiert und war im Begriff vorzurücken. Waffen hatten sie keine aber auf den ersten Blick waren sie ihnen mindestens 10 zu 1 überlegen, was die Anzahl anbetraf und das war definitiv ein Problem. Ohne lange zu überlegen ließ Klaas seine MP 5 K einen Kugelhagel ausspucken, der auch direkt drei Skelette zu Boden schickte. Allerdings hielt das die Anderen nicht auf. Sie wankten einfach weiter vor. Auch, als alle Mitglieder des Einsatztrupps das Feuer eröffneten fielen zwar einige Skelette aber die zuerst gefallenen erhoben sich bereits wieder. Ein aussichtsloser Kampf.

„Zurück!“

brüllte Klaas und zog eine Handgranate aus dem Gürtel. Den Stift mit den Zähnen herausziehend zählte er bis drei, bevor er den Sprengkörper in Richtung der Knochenwand warf. Er warf sich zu Boden, als die Explosion Staub, kleine Steine und Knochensplitter durch den Gang pustete.
Hustend richteten sich drei der vier Ghule wieder auf. Von den Skeletten war nichts übrig geblieben außer einige schwarze Knochen und Splitter selbiger. Klaas lag immer noch am Boden und rührte sich nicht. Ein Knochenfragment hatte sich in seinen Rücken gebohrt. Nicole lies sich neben Klaas nieder und fühlte den Puls. Langsam schüttelte Nicole den Kopf.

„Er ist tot.“

„Er war ein treuer Teamführer.“

sagte Manni, der größte der Vierergruppe, welcher den Leichensack über der Schulter trug.

„Genau deswegen lassen wir ihn hier auch nicht zurück!“

stellte Ralf fest und hievte den schweren Körper seines toten Kameraden auf die Schulter.

„Jetzt aber raus hier. Ich habe keine Lust auf weitere unschöne Überraschungen!“

Die anderen Beiden nickten und alle Drei atmeten erleichtert aus, als sie das Grundstück verlassen hatten und im strahlenden Sonnenschein, des noch immer frühen Morgens standen. Die Straßen in diesem Villenviertel waren zum Glück nicht weiter befahren. Zumindest nicht um diese, für die Herrschaften, unchristliche Uhrzeit. Daher fielen sie auch nicht auf, als sie einen Gullydeckel mitten auf der Straße anhoben und mit ihrem Gepäck darin verschwanden. Der Auftrag war zumindest zur Hälfte erledigt und es war die wichtigere Hälfte gewesen.

Published inRollenspiel-Storys

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