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Broken Mirrors

Das Umbra hatte sich verändert und das nicht unbedingt zum Guten. War das Umbra bei ihrer Ankunft noch beinahe unberührt gewesen, schien es jetzt wesentlich dunkler zu sein. Das Mondlicht, welches diese Spiegelwelt sonst immer einen Schimmer des Friedlichen gegeben hatte, war blasser geworden. Der Glanz an Hausfassaden und auf den anderen Oberflächen fehlte. Dafür zogen die Weberinnengeister fröhlich ihre Bahnen und überall begann sich die Stadt auch hier ihrem Bild im Tellurischen anzupassen. Der Asphalt war inzwischen auch hier gerissen und von der einstmaligen Blüte dieser Stadt war nichts mehr übrig geblieben. Nicht einmal das Umbra erinnerte sich noch an die Glanzzeit dieser Oase mitten in der Wüste.

 
Er hatte Anastasia stehen lassen, weil sie ihn wieder einmal nicht allein gehen lassen wollte. Zum Glück hatte ihr Handy in diesem Moment geklingelt. So musste er sich nicht noch mehr einfallen lassen, um sie dazu zu überreden nicht mitzukommen. Solange sie Schwanger war, und das würde sie lange bleiben, war jegliche Unternehmung eigentlich zu gefährlich. Schon ein Tritt in den Magen konnte das junge Leben auslöschen.Allein deswegen war es besser Dschingis alleine aufzusuchen. Der Technokrat, als was er sich nun geoutet hatte war gefährlicher als es den Anschein hatte. Das war weniger auf seine Fähigkeiten, denn auf sein Geld und sein Einfluss, sowie seine Kontakte.  Vor allem, nachdem er Anastasia an die Technokraten ausgeliefert hatte und ihn verraten hatte, war das eine mehr als nur persönliche Sache. Da wollte er niemanden dabei haben. Das hier war fast genauso schlimm wie das was Teshi getan hatte. Nur war Teshi Zwiegespalten gewesen und Dschingis wusste ganz genau was er tat.

Der Weg zu Dschingis Wohnung war nicht wirklich schwer zu finden, denn er musste eigentlich nur der Stadtmitte ausweichen. Dort waren im Moment zu viele Weberinnengeister, um sich sicher zu bewegen, denn sie versuchten die Zerstörung wieder in Ordnung zu bringen, die der  Schwarze Kristall angerichtet hatte. Auch in ihrem Haus würden sie bald herumschwirren und da war es gut das sie umzogen.

Plötzlich blieb er wie angewurzelt stehen, denn in der Straße, in der Dschingis wohnte patrouillierte ein Geist. Er hob die Augenbrauen, denn das war kein Technologiegeist, wie er vermutete, sondern ein Geist der beständig seine Form wechselte. Das war kein Geist den ein Technokrat hier platziert hatte. Sicher auch kein Euthanatos, der über das Umbra Bescheid wusste. Es gab also noch jemanden in der Stadt der ein Interesse an dieser Gegend hatte und durchaus mit der Geisterwelt interagierte. So ein Geist fand man selten innerhalb der Städte, denn das hier war ein Phantasiegeist. Ein Umbrageborener der sich sicher nicht gern in der Nähe eine strukturierten Denkers aufhielt. Nein irgendwas war hier ziemlich faul, er konnte nur den Geruch noch nicht genau orten.

Aufmerksam sah er sich um, aber er konnte nichts entdecken. Hier gab es einige Villen, die Häuser, also auch die mit Wohnungen, waren immer mit Stahltoren gesichert. Einige sogar noch extra Dick, andere eher Filigran. Alles war durchweg Nobel, denn hier wohnten nur die Reichen. Seufzend drehte er sich wieder um und erschrak, als er den haarigen Riesen sah, der plötzlich hinter ihm aufgetaucht war. Eine Kriegsgestalt schoss es ihm durch den Kopf. Es gab hier also noch einen….im selben Moment musste er auch schon ausweichen, um dem Hieb des Wandlers zu entgehen. Die Pranke schmetterte in den Asphalt und riss ein großes Stück daraus hervor. Gambit lies seinen Stab wirbeln und ging in eine Verteidigungsposition. Wirklich weglaufen konnte er vor dem Wandler ohnehin nicht, also musste er kämpfen. Seine Augen weiteten sich, als die Gestalt vor ihm einfach verschwand. Er rollte sich zur Seite und dort wo er eben noch gestanden hatte, schlug wieder die Pranke ein. Er war schnell. Er war verdammt schnell.

Die nächsten zwei Prankenhiebe wehrte er mit dem Stab und einem Kräfteschild ab, aber er musste auch angreifen, sonst würde er diesen Kampf irgendwann verlieren. Nur war das Magikwirken in dieser Umgebung schwerer, als bisher. Hier schien ein anderes Paradigma vorzuherrschen oder zumindest im Entstehen zu sein. Wieder zwei Hiebe, ein Biss, Gambit warf sich zu Boden und während er aufschlug katapultierte er sich mit Hilfe der Schwerkraft wieder in den Himmel. Der zweite Biss ging dadurch ins Leere und er betrachtete den Wandler unter ihm. Die riesige Katze ging leicht in die Hocke und sprang ihm nach. Ein Grinsen erschien auf Gambits Gesicht. Darauf hatte er gewartet. Mit einer lockeren Handbewegung fing er die Katze in einer Schwerkraftblase. „So leicht mache ich es dir nicht Mistviech!“ flüsterte er, bevor er die Blase, inklusive Inhalt, zu Boden schmetterte. Eine Staubwolke wurde aufgewirbelt, als die Crinoskatze durch den Asphalt brach. „180 G mein Lieber.“ knurrte Gambit, als er neben dem Krater landete und wieder eine Augenbraue hochzog. Im Krater lag keine Katze. Auch niemand sonst den er erwartet hatte, aber trotzdem blickte ihm etwas entgegen was ihm eine Gänsehaut über den Rücken jagte. „Was machst du denn hier?“ keuchte er.

Blaze schaute ihn mit einem wissenden Lächeln an. „Das weißt du ganz genau Geliebter. Ich hoffe ich komme nicht ungelegen.“ Gambit schluckte. Das war doch unmöglich! „Du bist tot…“ Die Maga grinste wieder und leckte sich über die Lippen, während sie aus dem Krater stieg. „Geliebter du weißt doch das jeder für seine Fehler bezahlen muss oder? Auch du…du nur ein wenig später, aber wir haben ja viel Zeit nicht wahr?“ Gambit kniff die Augen zusammen. Das sollte nicht sein verdammt! „Verstecken und Leugnen hilft da nichts Liebling. Du wirst ein wenig damit Leben müssen. Du kennst doch die Konsequenzen, wieso hast du es gemacht?“
„Ach lass mich in Ruhe Blaze. Ich habe zu tun.“ knurrte er und machte sich auf den Weg zur Wohnung von Dschingis. Seinem ehemaligen Freund. Blaze lies sich nur nicht so leicht abwimmeln. Sie kam einfach hinter ihm her. „Nervensäge!“ meinte Gambit mit einem Seitenblick auf die Ekstatikerin. „Naja Strafe muss sein. Vergiss nicht, es hätte dich schlimmer treffen können.“ Gambit verdrehte die Augen. So wahnsinnig viel Schlimmeres fiel ihm eigentlich nicht ein. Das Thor vor der Wohnanlage wurde scheinbar nicht einmal mehr bewacht. Ein Blick durch den Sturm verriet ihm das, dass Häuschen neben dem Tor leer war.

Mit einem tippen am Tor im Umbra weckte er den Geist des Tores. Eine kurze Unterhaltung und das Tor bewegte sich zur Seite. Torgeister waren meistens dumm wie Stroh und diesem hier ging es nicht anders. Neben Blaze betrat er die abgeschlossene Wohnungsgemeinschaft. Hier gab es zwar mehrere Wohnungen, aber der Sicherheitsdienst schien gefeuert worden zu sein. Was wiederum Praktisch und gleichzeitig Verdächtigt. Aber im Moment war sein Ziel Dschingis. Seine Wohnung mit der Nummer 34 lag im ersten Stock hinter einer massiven Kunststofftür. Auch diesen Geist weckte er und auch dieser lies ihn herein. Die Wohnung war allerdings leer. Im Umbra schienen die Weberinnen hier noch nicht gewesen zu sein. Gut das machte das Suche zwar nicht leichter, aber so sollte es dann eben sein. Er ging durch den Kurzen Flur in das riesige Wohnzimmer. Auch auf der Empore stand noch kein Sofa. Er durchschritt die Wohnung einmal im ganzen, nur um dann direkt auf der Empore zwischen den Sofateilen zu erschienen.
„Er ist Gut oder?“ bemerkte Blaze, als sich Beide Dschingis gegenübersahen, der mit einem kalten Bier auf dem Sofa saß und nicht im geringstem Überrascht aussah.

„Ich habe dich schon erwartet Troucha. Ich dachte echt du bist schneller.“ Gambit grinste. „Dann weißt du ja auch sicher was ich will oder?“ „Natürlich weiß er das Liebster, aber will es nicht wahrhaben. Schau doch wie betrunken er ist.“ Tatsächlich sah der Russe nicht so aus, als wäre das sein erstes Bier diese Nacht. Er hatte dunkle Ringe unter den Augen, sein Bart war seit Tagen nicht rasiert worden und auch sein Hemd hatte er sicher ein paar Tage lang nicht gewechselt. „Du musst mich ja richtig vermisst haben.“ konstatierte Gambit. „Wenn du dich schon so zulaufen lässt.“ Dschingis grinste breit. „Nein….ich habe nur auf dich gewartet…seit ein paar Tagen, weil ich dachte du brauchst nicht so lange dich endgültig an mir zu rächen.“ Gambit zuckte mit den Schultern. „Ich hatte anderes zu tun.“ „Was du da zu tun hattest wirst du mir auch noch erklären müssen,“ grinste Blaze neben ihm, aber Gambit ignorierte sie. Das wiederum führte dazu das sie einen Schmollmund zog. „Ich habe indessen etwas für dich vorbereitet. Das wird dir gefallen!“ Dschingis schnippte mit der rechten Hand und hinter Gambit erklang ein lautes Knurren.

Erschrocken fuhr der Traumsänger herum und sah gerade noch zwei glühende Augen auf ihn zuspringen. Darunter erkannte er blitzende Zähne und Pfoten. Er reagierte instinktiv und hob beide Hände. Die Energie floss wie selbstständig durch seine Finger und blaue Blitze zuckten um Blaze herum, als die elektrische Energie in die Biodrohne einschlug und sie zum platzen brachte.

Mit einem dumpfen Aufprall trafen die Überreste dann den Magus und ließen ihn zu Boden  gehen. Sein Hinterkopf traf auf die Seitenlehne eines der Sofas, ein stechender Schmerz ging durch seinen Hals und dann wurde alles dunkel.

Er wusste nicht wie viel Zeit vergangen war, aber als er die Augen langsam wieder aufschlug kniete Blaze neben ihm und sah ihn besorgt an. „Geht es dir gut Geliebter? Hast du dich schwer verletzt?“ Ohne auf ihre Frage weiter einzugehen erhob er sich und rieb sich den Schmerzenden Nacken. Er sah sich um und entdeckte nur noch Überreste der Drohne, die größtenteils aus Metall bestanden hatte und nur wenig Fleisch, um sie zu tarnen. Deswegen war sie auch nicht weiter zerplatzt. Sein Blick wanderte über die Schweinerei, die das Blut und das Maschinenöl angerichtet hatten. Nicht nur mit dem Teppich, sondern auch mit ihm. „Ich würde dich ja bitten hier sauber zu machen, aber leider wirst du mir das wohl kaum abnehmen hm?“
Blaze lachte leise. „Du weißt doch, das dass nicht geht.“ Gambit schüttelte nur den Kopf. Dschingis war ihm entwischt und hatte sich aus dem Staub gemacht. Leise fluchte er und machte sich dann auf den Weg ins Bad. Blaze folgte ihm und grinste, als er begann sich auszuziehen. „Du hast dich ja schon ewig nicht mehr für mich entkleidet Süßer. Bist du immer noch…“ in diesem Moment schloss er auch schon die Duschwand und drehte das Wasser auf. Danach musste er telefonieren.

Published inRollenspiel-Storys

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