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Der Ball der Camarilla

Endlich war sie gekommen, die Nacht des Balls, auf dem ich auch dem Prinzen und vieler anderer begegnen sollte. Die Nacht, die für mich und mein weiteres Dasein entscheidend sein sollte. Lange hatte ich überlegt, ob es wirklich das Richtige war, doch ich galt hier als vogelfrei und ich fühlte mich langsam wie ein Vogel in einem goldenen Käfig. Bei Marc war es schön, seine Wohnung ist riesig im Vergleich zu dem, was ich einst behauste, aber ich konnte nirgends sonst mir einmal die Beine vertreten. Das musste ein Ende haben, sei es nun mit der Zustimmung des Prinzen, oder mit dem endgültigen Tod.

Auch Marc merkte ich an, dass dieser Tag entscheidend war. Es stand einfach viel auf dem Spiel, für uns beide. Ich wusste nicht, wie es für ihn laufen würde, wenn andere Vampire ihm es übel nehmen würden, dass er einer Tzimisce Unterschlupf gewährt hatte. Zumindest beim Sabbat hätte man ihn garantiert einen Kopf kürzer gemacht, hätte er zu ihnen gehört und beispielsweise einen Tremere versteckt. Nicht auszudenken.

Ich schlüpfte in ein schönes, neues Kleid, welches passend zu Marcs Kleidung ausgesucht worden war. Alles hier, bis auf das, was ich in meinem Rucksack von L.A. mitgebracht hatte, gehörte ihm. Ich seufzte und blickte gedankenverloren in den Spiegel. Sollte ich es wirklich tun?

Marcs ruf holte mich wieder heraus aus meiner Trance und ich blinzelte verwirrt, trug schnell noch etwas Makeup auf und steckte die Haare schön zusammen. Ich wusste gar nicht, wie lange ich im Bad zugebracht hatte, doch Marc schien ungeduldig zu warten, also wahrscheinlich wirklich lange.

Ich griff mir meinen Block und einen Stift und schrieb: „Sorry!“ Er schüttelte nur sachte mit dem Kopf und hielt mir die Tür auf. So gingen wir beide hinaus in die kühle Nachtluft und hinein in den Wagen, der uns zum Schloss bringen sollte.

Ich war ziemlich aufgeregt und völlig angespannt. Wäre ich noch ein Mensch, würde man mich wohl trotzdem für einen Vampir halten, durch die Kreideblässe, die ich an den Tag gelegt hätte. Die Fahrt dauerte etwas und ich sah hinaus. Die Autos und Bäume glitten am Fenster vorbei und meine Gedanken zogen mit ihnen. Immer wieder suchte ich Sätze und Worte, die ich dann sagen könne. Ich überlegte mir, ob Marc nicht für mich sprechen sollte. Doch ich musste auch Selbständigkeit beweisen. Sonst wäre ich doch sicherlich ein Witz der Vampirgesellschaft. Hoffentlich verstand irgendwer Englisch. Dass jemand Gebärdensprache verstehen würde, war schliesslich sehr unwahrscheinlich.

Mich riss das Klacken der Tür aus diesem Traum der Gedanken und ich stieg hastig aus, die Gedanken hoffentlich im Auto belassend. Mein Geist fühlte sich so verdammt unaufgeräumt an. Ganz anders, als es normalerweise sonst gewesen war. In L.A. war noch vieles anders gewesen.

Das Schloss war riesig und mir klappte erst einmal die Kinnlade runter. Ein schönes Gebäude. Es war wahrlich ein toller Ort, um einen Ball dieser Schöngeister abzuhalten. Doch das Reinkommen erwies sich dann als etwas schwieriger, als von Marc vorgesehen. Dieser eine Türsteher wollte uns nicht einlassen. Standen wir etwa nicht auf der Gästeliste? Marc jedenfalls schien empört zu sein und ich verstand nur ein Drittel von dem, was er dem anderen an den Kopf warf. Es hatte aber gewirkt, so wie es schien, denn der eine ging nach Drinnen. Wir warteten, Marc etwas ungeduldiger als ich. Das wurde ja schon zu Beginn verdammt kompliziert. Ich rechnete mir schon aus, wie gut meine Chancen standen die Nacht zu überleben und irgendwie sank diese Wahrscheinlichkeit immer mehr. Vielleicht wusste man schon, dass ich zu den Tzimisce gehörte? Vielleicht waren jetzt gerade alle möglichen Vampire vorgewarnt und würden gleich hier erscheinen, um mich schnell zu töten? Mich packte etwas die Angst, das mulmige Gefühl wuchs und wuchs.

Welch Erlösung war es dann, als dieser Mann wieder kam, sich bei Marc entschuldigte und uns ein lies. Ich war dankbar, lächelte freundlich und nickte diesem dankend zu.
Drinnen erschlug mich dann erst einmal der prunk des Schlosses. So riesig, so hell und so reich ausgestattet. Der helle Wahnsinn.

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Published inRollenspiel-Storys

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