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Die Erste „Nacht“

Mit einem Ruck richtete sich Markus im Bett auf nur um von der gleichen Schwärze empfangen zu werden die er schon während des Schlafs gefühlt hatte.

Blind tastete er umher. Er befand sich nicht in seinem Bett, das wusste er. Doch wo war er dann?

Die Erinnerungen an den letzten Abend waren so verschwommen. Hatte er es auf der Bühne übertrieben? War er wieder bei einem der Groupies versackt?

Aber nein, so weit war es doch gar nicht gekommen… dieses Mädchen war da gewesen.

Er stand unsicher auf, immer noch nichts sehend und mit einem flauen Gefühl im Magen. Er hatte Hunger, großen sogar…

„FUCK!!!“ schrie er aus voller Lunge heraus als die Erinnerungen wie ein Wasserfall plötzlich auf ihn einstürzten. Ungehalten stürmte er vorwärts, mit den Fingern über seine Zähne fahrend. Er lief direkt gegen die eiserne Tür die gegenüber vom Bett war. Ein tiefer metallischer Klang hallte durch den Raum, wurde aber von einem Schwall von Flüchen unterbrochen.

Neben der Tür fand er einen Lichtschalter und betätigte ihn während er sich immer noch die Nase rieb und vor sich hin fluchte.

Ein mechanisches Summen war zu hören als sich irgendwo ein Generator anschaltete und wie ein schnelles Gewitter krochen Lichtblitze durch die Neonröhren an der Decke. Die plötzliche Helligkeit blendete Markus und er hob die Hand von seiner Nase zu seinen Augen um die Schmerzen zu mildern die durch sein Gehirn schossen.

Nach ein paar Sekunden öffnete er die Augen blinzelnd und drehte sich um, um den Raum genauer in Augenschein zu nehmen. Kahl wäre eine Beschönigung für das gewesen was sich ihm bot. Neben dem Bett auf dem er geschlafen hatte befanden sich noch ein einfacher Schrank, ein schmuckloser Schreibtisch und ein angerosteter Bürostuhl im Zimmer. Keine Fenster.

Er ließ die Arme hängen, legte den Kopf schief und wiederholte es noch einmal, dieses mal leiser und resignierter.

„Fuck!“

Es war doch kein Traum gewesen. Eher ein lebendig gewordener Alptraum. Die kleine Süße aus dem Club hatte ihn gebissen und mitgenommen. Die Nacht kam ihm wie ein Rausch aus Farben und Erfahrungen vor. Wie ein richtig schlechter Trip fühlte sich das ganze an, nur ohne die körperlichen Nebenwirkungen. Erstaunt, aber nicht wirklich erheitert stellte Markus fest, dass es ihm körperlich wirklich ganz gut ging. Bis auf diesen Hunger. Er konnte sich denken was das bedeutete, schließlich hatte er all die schlechten und guten Filme gesehen. Es war Zeit was zu essen.

Er drehte sich zur Tür und drückte den schweren Hebel herunter, sodass das eiserne Ungetüm ausgerastet wurde und ihm entgegen schwang. Verblüfft schaute er seine Hand an, die sich nicht verändert zu haben schien, auch an sein Bizeps war nicht breiter geworden. Er zuckte mit den Schultern. Nutzte ja sowieso nix sich über solche Kleinigkeiten Gedanken zu machen. Vampir…

Auch der Flur war unbeleuchtet, doch diesmal fand er den Lichtschalter schneller. Wie es aussah war die „Wohnung“ relativ groß, doch es war viel wahrscheinlicher dass er sich in einem alten Nazibunker befand. Direkt neben seinem Zimmer war ein zweites, ohne Tür. Er warf einen Blick hinein, doch was er sah brachte seine Stimmung nicht gerade zum überlaufen. Zwei abgesessene Ledersofas, ein alter Fernseher, ein großer Tisch und sechs Stühle, mehr sah er nicht.

Er wandte sich um und öffnete die erste Tür zu seiner Rechten. Hier schien er richtig zu sein. Das fade Neonlicht beleuchtete weiße, doch angelaufene Fliesen und ein weiteres im allgemeinen schmuckloses Zimmer. Der einzige Anhaltspunkt dass es sich hierbei um eine Küche handelte war abgesehen von der Spüle ein großer Kühlschrank dessen Aggregat wummerte als wäre es in der gleichen Zeit entstanden wie der Bunker.

Die Tür des Kühlschranks quietschte als Markus sie zu sich zog und das Angebot an Speisen überraschte ihn nicht. Säuberlich aufgereiht präsentierten sich Blutpakete ohne Etiketten. Etwas zögerlich griff er hinein und holte eins heraus, dann schloss er die Tür wieder. Er blickte sich um, konnte auf den ersten Blick aber kein Glas ausmachen. Dieser Hunger…

Ohne lange weiter zu überlegen riss er die Verpackung auf. Unvorsichtig, so dass einige Tropfen auf dem weißen Boden landeten. Dann führte er den Beutel an seine Lippen, zögerte kurz und stürzte sich dann den roten Saft die Kehle herunter.

Es war ein wundervolles Gefühl. Wie als würde man an einem heißen Tag das perfekte kühle Bier trinken das einem alle Kräfte wieder zurück gäbe. Er konnte nicht genug kriegen. Gierig nahm er große Schlucke, das Blut rann seine Mundwinkel herunter und von da über seine Brust, bis es von seiner zerrissenen schwarzen Jeans aufgesogen wurde. Er schüttelte alles aus dem Paket heraus, bis auf den letzten Tropfen leckte er das Plastik ab. Den leeren Beutel ließ er auf den Boden fallen, als er keuchend da stand und nicht genau wusste was er fühlen sollte. Mit einer Hand wischte er sich über den Mund, doch das brachte bei der Menge an Blut das daneben gegangen war nicht viel. Dann hielt er in seinen Bewegungen inne.

War er wirklich der einzige hier? Es gab noch genug andere Räume. Er war allein gewesen als er hergekommen war, daran konnte er sich erinnern. Aber wann war das gewesen?

Er machte einen Schritt aus der blutbespritzten Küche heraus und stand auf dem Gang, so als würde er darauf warten dass sich die anderen Türen von alleine öffneten und ihm zeigten wer dahinter wohnte.

Published inRollenspiel-Storys

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