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Doktor Anderson

Hypolo zog die Nadel wieder nach oben aus dem Fleisch heraus, nur um sie zielsicher wieder in dieses hinein zu stecken um es zusammen zu nähen. Ihre Hände waren getränkt von Adamas Blut und sie spürte, dass ihre Finger etwas zitterten. Früher war Blut nie ein Thema für sie gewesen, es musste an der Schwangerschaft liegen, dass allein beim Anblick der ganzen Verletzungen ihrer Begleiter das Adrenalin durch ihre Adern pulsierte. Es erforderte sie eine Menge Willenskraft sich nicht einfach ab zu wenden und sich vor diesem Gefahrengut fern zu halten.

So zuckte sie komplett zusammen, als Adama sich plötzlich aufbäumte. Er riss die Augen auf und schrie vor Schmerz. „Alexander!“, kreischte Hypolo erschrocken. „Halt ihn fest!“

Alexander Benett war mit nur einem Satz bei ihr und presste Adama wieder zurück auf den Boden. Der Junge entwickelte eine ungeahnte Kraft, er war noch nicht mal vollkommen wieder im Reich des Bewußtseins zurück, aber der Schmerz in seiner Brust war unerträglich. Hypolo hatte keine Chance ihn weiter zu zu nähen und die Nadel rutschte vom Faden herunter. Adama windete sich hin und her, stemmte sich mit den Beinen gegen den Boden, um aus dem Griff von dem Jäger heraus zu kommen. Er kam zwar nicht vom Fleck, bewegte sich aber viel zuviel.

„Adama! Hör‘ sofort auf damit! Es reißt alles wieder auf!“, Hypolos Stimme versagte ihr fast, sie war verzweifelt und aufgeregt. Ihr Herz raste, sie hatte sich ernsthaft erschrocken und konnte sich gerade einfach nicht so schnell beruhigen.

Babylon guckte durch die Tür aus dem Nebenraum heraus. Sie war bei Raziel geblieben, die sich das Ganze nicht mit ansehen konnte – und jetzt natürlich umso angespannter war. Niklas war selbst nicht bei Bewußtsein und gerade keine Hilfe. Babylon konnte den Blick nicht von der Szenerie nehmen, aber Belzebub schritt an ihr vorbei in den Raum hinein. Die Dämonin war, genau wie Babylon, auf wundersame Weise von ihren Wunden erlöst worden.

Belzebub stellte sich an Adamas Seite, gegenüber von Hypolo und betrachtete das Schauspiel nochmal ein paar Atemzüge. Dann trat sie zu. Alexander wurde selbst ganz anders bei dem Anblick von Belzebubs Stiefel in Adamas Schritt. Aber es entfaltete seine Wirkung. Die Blässe in Adamas Gesicht machte Hypolo aber nicht minder Sorgen, auch wenn er wieder Ruhe gab und sich nicht mehr bewegte.

„Willst du ihn umbringen?!“, keifte Hypolo Belzebub an. Diese zuckte verständnislos mit den Schultern: „Belzebub sorgt dafür, dass du ihn zusammennähen kannst und du beschwert dich noch. Belzebub versteht dich nicht.“ Hypolo nahm die Nadel vom Boden auf und griff anschließend zum Feuerzeug, ließ die Flamme über die Nadel streifen, bevor sie den Faden wieder hineinfädelte. Das war ein hoffnungsloser Akt, da ihre Hände nun viel zu stark zitterten.

„Kein Wunder, wenn er so schreit, wenn du ihn mit einer heißen Nadel bearbeitest.“, meinte Belzebub mit belehrendem Tonfall. Das Hypolo die Nadel einfach nur desinfizieren wollte, wusste die Dämonin anscheinend nicht.

„RAUS! ALLE!“, schrie Hypolo Belzebub an. Beim zweiten Wort hatte sie zu Alexander geschaut. Dieser guckte überrascht, stand aber auf und griff sich Belzebub, um sie mit hinaus zu schleifen. Noch bevor die beiden schließlich draußen waren, legte Hypolo eine Hand auf ihr Gesicht. Sie zitterte am ganzen Leib vor Anspannung und machte sich nun mit Tränen Platz. Ihre Hormone spielten verrückt, das wusste sie. Also zwang sie sich, ihre Arbeit zu beenden.

„Komm schon, das hast du schon tausendmal gemacht, das kannst du im Schlaf, Carmen.“, sprach sie zu sich selbst. Bevor sie die Nadel wieder ansetzte, fühlte sie Adamas Stirn, prüfte seine Atmung und den Herzschlag. Eine der Tränen tropfte an ihrem Kinn herab, als sie ihm durchs Haar strich und flüsterte: „Keine Sorge Kleiner, Doktor Anderson bekommt dich wieder hin, versprochen.“ Sie hatte einfach das Bedürfnis dies auszusprechen, um es für sich selbst geltend zu machen.

Wenn das hier alles vorbei war, würde sie Kinderärztin werden. Man brauchte Ziele für die Zukunft, die einen motivierten.

Published inRollenspiel-Storys

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