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…Frieden!

Ich starrte ins Feuer während um mich die Auswirkungen dieses Angriffes wuselten. Ronja ging es schlecht, Ben ging es schlecht… Eve konnte sich heilen, sonst hätte sie genauso ausgesehen. Nur mich hatte er nicht angegriffen. Er hätte schießen können – längst bevor ich gestolpert war. Ich war nicht sein Ziel – warum auch. Er war nicht blöd.

Aber so wie ich ihn unterschätzt hatte, galt das wohl auch umgekehrt. Mir war alles so klar wie noch nie. Sogar, dass alles auf einmal zurück kam war irgendwie nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte. Dadurch, dass es Erinnerungen waren und ich die Emotionen nicht jetzt erst erlebte, konnte ich viel besser damit umgehen. Ja, ich liebte Ronja und ich wusste auch, dass sie durch das Seelenband nie das zurückgeben konnte, was ich verlangen würde – alles das wa sich ihr geben wollte. Aber es war okay. Ich verstand, dass es wehgetan hatte… und das ich Ryuo dadurch erschuf. Nicht erst, als ich die Kugel berührte. Schon viel früher hatte er eine Form bekommen, wenn auch keine körperliche. Ich war dazu fähig ein Monster zu schaffen… aber ich war selbst keines. Niemals wäre ich in der Lage gewesen meine Freunde zu töten. Dafür bedeuteten sie mir viel zu viel. Mehr noch als all die schlechten Gefühle die in mir entstanden waren. Keine Wut war groß genug diesen Schritt zu gehen – sonst wäre ich ihn gegangen, als es soweit war. Die Kräfte der Kugel waren einfach zum falschen Zeitpunkt aktiviert worden. Tage später..oder vielleicht sogar schon am nächsten morgen, wäre das alles schon gar nicht mehr so schlimm gewesen.

Er hatte sich als das entpuppt, für was ich ihn gehalten hatte… und das war sein Fehler. Er hatte nicht auf mich geschossen, ich hingegen würde nicht ruhen, bis er ungefährlich war – was höchstwahrscheinlich seinen Tod vorraussetzte. Nein, Ryuo – die Kraft der Kugel war nicht für dich bestimmt gewesen, das musste ich wieder geradebiegen. Ich find an analytisch zu denken, begann verschiedene Jagdpläne und strickte sie immer wieder um. Er hatte uns… nein Ronja und Eve zu seiner Beute auserkoren – ich holte ihn gedanklich von seiner Position als Jäger. Hatte sich mein Zorn in Hass gewandelt? Ich musste an Umekos Worte denken: Hass ist kalt und berechnend. Nein, es war kein Hass. Er hatte meine Freunde fast umgebracht, ich wollte Rache – aber es war kein wilder Zorn, ich war sogar erstaunlich ruhig. Ich war wieder eine Maschine, die einen Plan ausheckte sich selbst zu vernichten… ja es war nichts anderes. Ich musste über meine eigenen Schwächen und Fehler nachdenken um einen Anhaltspunkt zu bekommen, ihn zur Strecke zu bringen.

Ronja gesellte sich zu mir und legte ihre Hand auf meine. Ich hielt sie fest, ich fühlte das Adrenalin noch immer in mir – ich konnte sie auch nur kurz ansehen, denn ich sah nur ihre Wunde. Es zog sich alles in mir zusammen als ich daran dachte wie nah sie dem Tod war. Hätte er sich nicht gerade die Deckung des Sturms ausgesucht, hätte er die Kugel wahrscheinlich zwischen ihre Augen oder direkt in ihr Herz jagen können. Er hatte sich mit beiden Werbären angelegt – zwei Personen für ein Ziel. Egal ob Ben oder Ronja, er hätte sein Ziel erreicht… trotz der Fähigkeiten der Beiden waren sie nichts weiter als Kanonenfutter gewesen. Das war beunruhigend.

Irgendwann wanderte mein Blick auch zu Eve. Sie war die Stärkere von uns Beiden – in Sachen Magick. So war es kaum verwunderlich, dass sie besser davon gekommen war. Sie hat sich eingemischt, selbst wenn sie bisher kein Ziel war, so war sie es jetzt. Denn das war kein Auftrag den er abarbeitete, es war etwas ziemlich persönliches… und er würde wissen, wie er Eve verletzt… mit mir. War ich ein guter Köder für Eve und Ronja? Genauso gut wie Ronja oder Eve selbst Köder waren, die Anderen würden immer nachziehen… Jede Unterkunft von uns war also ein Ziel für ihn…

Adrian sprach mich direkt drauf an. Auf der einen Seite ärgerte ich mich darüber, ihm überhaupt davon erzählt zu haben – auf der anderen Seite stellte ich fest, dass der Kerl sich tatsächlich Sorgen machte. Der Trupp wollte helfen, wollte den Reifenstecher erledigen. Adrian hatte recht, mit dem sollte man sich nicht alleine anlegen. Als ich mir die Zustimmung der Anderen ansah musste ich daran denken, dass dies immer der Weg zum Sieg für die „gute Seite“ war: Zusammenhalt. Während unsere Feinde ihre Macht auf Angst, Hass, Bestechung und anderen verwerlichen Dingen aufbauten, war unsere Stärke die Gemeinschaft. Vertrauen und Zusammenhalt, dass war es was Ronja, Eve und mich hatte überleben lassen. Jetzt, da der Feind quasi aus den eigenen Reihen kam, mussten wir das Ganze ausweiten. Es war wie ein Pakt und ich konnte Adrian nicht wiedersprechen. Warum der Motorradfahrer es auf mich abgesehen hatte war unmöglich zu erklären, alles was zählte war, das er es tat und die Bezeichnung Psychopath hörte sich, einmal ausgesprochen, gar nicht so verkehrt an. Jeder hatte so seine Abgründe, ich hätte aber nie gedacht, dass aus meinen mal so ein Monster wird.

Die erste Tat des Paktes war eine Wachverteilung. Es hätte ja sein können, dass Ryuo wiederkommt. Besser war es also vorbereitet zu sein. Ich glaubte nicht dran, das wäre ziemlich blöd von ihm. Der Überraschungseffekt würde ihm nicht nochmal so gelingen… aber man konnte ja nie wissen. Das Adrenalin hielt mich die ganze Nacht wach und auch am nächsten morgen war es immer noch da. Das machte es einfach weiterhin Pläne zu schmieden. Außerdem entschied ich etwas für mich. Ich wollte das beste aus meiner Wiederfindung der Emotionen machen. Natürlich war es okay sich Sorgen um Ronja und Eve zu machen… oder um Ben oder Blaze. Es war auch unbestreitbar, dass ich ein besonderes Band zu den beiden Frauen aufgebaut hatte – aber für Ronja und Eve musste ich mich ebenso an gewisse Grenzen halten, damit dies auch so blieb. Sie hatten den Zugang zu meinem Herzen und ich hoffe, dass mein Schatten ebenso beeinflussbar von ihnen war – und das der eigentliche Grund sei, warum er sie töten wollte. Damit er nicht mehr verletztlich war.

Denn das war es, was mich gegen Ronja angestachelt hatte als ich so wütend war: Die Gewissheit, dass sie mich aus dem Konzept bringen konnte und der Wille sich von niemandem aus dem Konzept bringen zu lassen. Ich verstand es jetzt. Doch, wenn man sich nicht von seinen Freunden auf die Finger hauen lässt, wer soll dies sonst tun?

Ich hatte mein Herz noch jemandem geöffnet. Auf eine andere Art. Ich würde das beste daraus machen…

Published inRollenspiel-Storys

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