Zum Inhalt

Grant: This should’ve never been granted to him (Prolog)

David blickte aus dem Fenster in den Nachthimmel, und seufzte, als er ins Telefon sprach: „Schade, sowie es aussieht können wir nichts daran ändern… aber wir wiederholen das, versprochen.“ Seine Schwester konnte hören, wie enttäuscht er war. Aber sie wusste nicht, was noch alles dahinter steckte.

„Das werden wir. Pass auf dich auf.“, sie klang durchaus besorgt.

Er wandte sich vom Fenster ab und ging durch sein Wohnzimmer mit dem tragbaren Telefon am Ohr. „Keine Sorge, ich werde einen großen Bogen um den Flughafen machen.“ Bei der Kommode angekommen, zog er eine der Schubladen auf und betrachtete die vier Eintrittskarten für den Zirkus. Es war nicht irgendein Zirkus, er war teuer und meistens ausverkauft. Aber David hatte sich besondere Logenplätze besorgt, welche einen Eintritt garantierten. Das letzte halbe Jahr hatte er dafür Geld zur Seite gelegt. Aber das war nicht der einzige Grund, warum ihn das so schmerzte. Es ging nicht ums Geld oder irgendeine der unzähligen Sensationen, die dieser Zirkus zu bieten hatte. Es ging um den sentimentalen Wert.

Nach dem Gespräch stand David noch eine Weile so da und dachte nach, was er nun mit der frei gewordenen Karte anstellen sollte. Joes Tochter würde vielleicht nie wieder diese Gelegenheit bekommen und David wollte ihren Geburtstag nicht mit einem Fremden kaputt machen. die Karte einfach weiter zu verkaufen, war also keine Option.

Joe’s Tochter. Das gut gehütete Geheimnis. Niemand wusste, dass er eine Tochter hatte. Er sprach nie davon. Da war nur dieser eine Abend gewesen. David war voller Tatendrang ins Büro gekommen und hatte Joe dort sitzen sehen, wie – ja wie noch nie zuvor. Der sonst so voller Selbsthumor strotzende Mann war ein grausiges Abbild seiner Selbst gewesen. Er hatte auf diese Postkarte geblickt, welche offensichtlich selbst beklebt war mit braunem Tonpapier auf blauem Hintergrund. Ein paar eckig ausgeschnittene Kreise, dazu ein mit Wachsmalstift gemalter Kreis und zwei Striche, welche die Pedale an dem Einrad darstellen sollten. Der Bär darauf hatte noch ein Wackelauge im Gesicht kleben. Die Buchstaben waren sehr verwackelt und wohl von einer ungeübten Hand geschrieben worden.

„Hey, geh nach Hause.“, hatte David gesagt, obwohl er nicht genau wusste worum es ging.

„Die Kleine geht jetzt in die Schule.“, hatte Joe geflüstert. Seine Stimme war brüchig und mit einem Mal hatte David das Gefühl, dass das Problem nicht die Postkarte war, sondern etwas anderes, tiefgreifenderes.

„Ich wusste nicht, dass du…“, David wollte eigentlich schon wieder raus, Joe’s Privatleben bei ihm lassen und sich nicht in die Sorgen einmischen.

„Svea ist sieben, sie wohnt mit ihrer Mutter drüben in New Orleans.“, Joe starrte weiterhin auf die Postkarte und strich mit einem Daumen über das Tonpapier. „Sie hat Blutkrebs…“

Was sagt man in so einer Situation? David drückte dem älteren Mann die Schulter und beharrte einfach darauf: „Geh nach Hause. Wir schaffen das heute auch ohne dich.“

David fühlte sich irgendwie schlecht, dass er keine Hilfe gewesen war. Er bekam später heraus, dass Joe nie damit fertig geworden war, seine Tochter verlassen zu müssen. Das er eigentlich davon träumte, sie irgendwann bei sich wohnen lassen zu können und das sie Bären liebte. Sie war richtig vernarrt in diese und ihr allergrößter Traum war es, mal einen echten Tanzbären zu sehen, der auf einem Einrad fahren kann.

Da nun unbestimmt war, ob sie ihren achten Geburtstag noch erleben würde, setzte David alle ihm möglichen Hebel in Bewegung und stieß irgendwann auf den „Circus Highway“, der mit besonderen Attraktionen warb. Da Svea nun totgeweiht war, ließ ihre Mutter es auch zu, dass die Kleine ihren Vater noch mal besuchen durfte und machte sich sogar die Mühe, sie selbst zu Joe zu fahren.

Es war alles geplant, morgen abend sollte es losgehen. Davids Schwester wollte auch kommen und es wäre ein bemerkenswertes Treffen geworden.

Warum musste ausgerechnet jetzt ein Terroranschlag auf den Flughafen verübt werden, sodass Davids Schwester Yin gar nicht erst losreisen brauchte? Diese Karten waren so schwer zu besorgen und dann sowas. David war frustriert.

Also lenkte er sich ab, indem er zurück zum Restaurant fuhr und das tat, was besser lief als dieser Wünsche-erfüllen-Plan: Er kochte.

Published inRollenspiel-Storys

Schreibe den ersten Kommentar

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.