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Ix: Girl, you’ll be a woman soon (Prolog)

Stimmung

Carlos betrachtete skeptisch den dürftig hingekritzelten Plan auf der Holzkiste. Das Papier war mit Bierflaschen und Pistolen an den Ecken befestigt, damit es sich nicht wieder aufrollte. Eine Kerze stand in der Mitte darauf, um die dort gezeigte Szene zu erhellen. Doch hell war hier nichts, dunkle Mienen blickten auf die Straßenschluchten, die dort aufgemalt waren und die Pistolenkugeln, welche mit der Spitze nach oben auf dem Papier aufgestellt waren und die Männer der Guerillagruppierung darstellten, die sich um diese Holzkiste versammelt hatten. Dazwischen lagen Kronkorken, um die Militärfahrzeuge zu zeigen. Es war eine Falle, wenn sie heute Nachmittag dort durch kamen, hatten sie keine Chance, trotz der Wahrscheinlichen Überzahl der Soldaten. Es hatte Monate gedauert, sie in diese Route zu zwingen.

„Einwände?“, fragte Carlos nun mit Nachdruck. Ein zögerliches Kopfschütteln war die Antwort. Das halbe Dutzend Männer hatte zumindest verstanden, worum es ging und was jeder zutun hatte. Aber Carlos wusste auch, dass ihm jetzt sowieso niemand mehr widersprechen würde. Nicht ein paar Stunden vor Durchführung. Der Zug war abgefahren.

Eine Hand schob sich durch die Dunkelheit zu dem Plan und deutete an eine leere Stelle auf dem Papier. Enriqué hob den Blick anschließend zu Carlos: „Was ist damit? Sollten wir da nicht noch einen Scharfschützen platzieren?“

„Wir haben nur einen.“, erwiderte Carlos. Die blicke hefteten sich nun an ihn.

„Was ist mit deiner kleinen Freundin?“, der kleine Spanier klang fordernd und es sah beinahe so aus, als strecke er sich absichtlich, um etwas größer zu wirken als sonst.

Anjel schüttelte mit dem Kopf: „Sie ist noch nicht so weit.“

Enriqué ignorierte ihn und blickte stur zu Carlos: „Oder traust du ihr nicht?“

„Ich werde diese Aktion nicht aufs Spiel setzen, nur weil du der Meinung bist den Plan umwerfen zu müssen. Wir sitzen seit einer Woche daran und dir fällt erst jetzt auf, dass uns ein Scharfschütze fehlt?“, Carlos machte zwei Schritte nach vorn, zu dem provisorischen Tisch hin. Der Spanier stand direkt hinter der Kiste vor ihm und schüttelte mit dem Kopf: „Es ist mir eben halt erst aufgefallen. Besser wir besetzen den Posten als das Militär.“

„Ich denk drüber nach.“, Carlos machte eine wegwischende Handbewegung „Und jetzt los, ihr habt alle mehr als genug zutun.“

Es war klar, dass er nicht drüber nachdenken würde, aber die Gruppe löste sich rasch auf und bereitete sich vor. Bis auf Anjel, den Griff Carlos sich vorher noch: „Seit wann trainierst du sie?“
Anjel hob unsicher einen Mundwinkel: „Sie hatte… Argumente.“
Carlos blick wurde finster, Anjel hob abwehrend die Hände: „Nicht so wie du denkst. Sie wollte nützlicher sein… du weißt am besten, wie sie ist.“
Er schnaubte und ließ Anjel wieder los. „Ja.“

~ 4 Stunden später ~

Carlos zog sich die Ladefläche hoch und blieb fast in der Bewegung stecken, als er sah, dass diese leer war. „Kann mir das einer Erklären?“

Er schlug die Plane wieder zur Seite und blickte auf die zwei Männer herunter. Dabei bemerkte er, dass Anjels Weste sich mit Blut voll gesogen hatte. Carlos sprang wieder von der Ladefläche herunter und packte den Freund an den Schultern. Enriqué erklärte die Situation, da von Anjel nur ein Schmerzenslaut als Antwort kam: „Die haben auf uns gewartet, wir mussten abbrechen. Anjel wurde angeschossen und…“

Carlos unterbrach ihn jäh: „Woher wusste das Militär davon?“

Er half Anjel, die Weste los zu werden und fluchte, als er erkannte, dass dessen Schulter durchlöchert war. Dann schrie er Enriqué an: „Ich will wissen, warum die Waffenlieferung zerschlagen wurde!“

„Jemand muss uns verpfiffen haben…. und ich weiß nur eine Person, die mit dem Lieferanten gesprochen hat.“, ihren Namen aus zu sprechen hielt er nun wirklich für keine gute Idee. Aber Carlos schaltete auch so und griff sich den kleinen Spanier am Kragen, schleuderte ihn halb auf die Ladefläche, sodass nur dessen Oberkörper darauf lag und drückte ihm die Pistole in den Mund. Enriqué riss panisch die Augen auf und hob abwehrend die Hände. Widersprechen konnte er in keiner Form mehr.

„Deine Intrigenspielchen kannst du dir gleich wieder abgewöhnen. Der Einzige, der hier im Verdacht steht, uns verraten zu haben bist du!“

Anjel saß mittlerweile auf dem Boden: „Hast du das Geld gefunden?“

Enriqués Mimik veränderte sich noch zu einem ‚Oh, shit‘-Ausdruck, bevor Carlos dies als letzte Bestätigung sah und abdrückte.

Danach half er Anjel auf und schleppte ihn in den Unterschlupf. „Jetzt brauche ich zwei Ersatzleute.“, grummelte er und gab Anjel die kleine Geldkasette in die Finger.

„Was ist mit den Waffen?“, fragte der Scharfschütze.

„Ich hab noch woanders welche, du glaubst doch nicht etwa, dass ich für so eine Aktion keinen Plan B habe?“, er wischte sich die Überreste von Enriqués Kopf aus dem Gesicht und verband die Schulter von Anjel notdürftig. „Aber jetzt muss ich mich sputen, sonst überfallen wir den Konvoi nachher mit Kronkorken. Du kommst klar?“

„Sicher, zieh Leine.“

Published inRollenspiel-Storys

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