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Kaminari – Gedanken

Mit einem letzten kräftigen Schlag zerteilte Tao das Holzscheit und legte beide Hälften auf den Stapel, den er schon geschlagen hatte, bevor er die Axt an den Gürtel hängte und sich das Holzgestell auf den Rücken wuchtete. Er ächzte unter dem Gewicht, lief aber trotzdem schwankend los. Nach kurzer Zeit hatte er eine Haltung gefunden in der er das Holz bequem tragen konnte und dabei einen recht Schnellen Schritt am Leibe hatte.
Während er durch das Wäldchen stapfte aus dem er Holz für Miris Wintervorrat geholt hatte, dachte er über die letzten Zwei Tage nach.

Sie hatten einen anonymen Brief erhalten mit dem Auftrag eine Räuberbande im Camaro- Wald auszuschalten. Der Auftrag hörte sich leicht an und angesichts der Ausstehenden Belohnung hatten sie nicht lange gezögert und waren früh aufgebrochen. Die Banditen auszuschalten war auch kein das Problem gewesen aber, als sie ihre Belohnung abholen wollten war alles furchtbar schief gelaufen, es war eine Falle gewesen. Irgendwer hatte ihren Aufenthaltsort herausgefunden und wollte das, auf sie ausgesetzte, Kopfgeld einstreichen. Das er dabei Hilfe von der Kaiserlichen Armee bekam war noch beunruhigender, als die Tatsache das man sie überhaupt aufgespürt hatte, denn sogar der Kaiser hatte schon ihre Dienste in Anspruch genommen.
Glücklicherweise lag Miris Haus nur eine Stunde von Tik entfernt in einer kleinen Talsenke am Rande des Tals in dem in die Falle getappt waren. Sie hatten schon wahnsinniges Glück gehabt, dass die Pfeilsalve sie nicht voll erwischt, sondern nur ein Pfeil Kyos Oberschenkel durchbohrt hatte. Dafür war Ayoun gegen einen voll gepanzerten Kämpfer gerannt, der plötzlich aus einer Kiste aufgetaucht war, als sie fliehen wollten. Der Kerl hatte selbst ihn noch um einen Kopf überragt und füllte den ganzen Gang aus und, wenn nicht in diesem Moment die Speerträger um die Ecke gebogen wären, hätte er Ayoun vielleicht vor dem Schlag warnen können. So aber hatte er sich um die Idioten kümmern müssen, was Ayoun zum Verhängnis wurde, denn als er sich das nächste Mal umdrehte, lag Ayoun auf dem Boden und spuckte Blut. In diesem Moment hatte er Rot gesehen, hatte die Speerträger ignoriert, sich umgedreht und dem Gepanzerten, der sich gerade über Ayoun beugte, seinen Fuß gegen den Helm gehämmert. Durch die schiere Wucht war der Mann zurückgetaumelt und hatte dann durch das Gewicht seiner Rüstung das Gleichgewicht verloren. Während er zusammen mit einem ganzen Stapel Kisten einbrach war er mit Ayoun und Kyo über den Schultern aus der Lagerhalle geflohen.
Zum Glück hatte der Gepanzerte einen ganzen Kistenstapel zum Einsturz gebracht, so dass ihm niemand hatte folgen können. Sonst hätte die Zeit niemals gereicht einen langen Balken, aus der Ruine an die Stadtmauer zu lehnen und dann, erst mit Kyo, und dann mit Ayoun über die Mauer zu klettern. Sein weiteres Glück war das auf der Anderen Seite der Mauer ein recht großes Gebüsch wuchs, welches den Sprung von der fünf Meter hohen Mauer recht gut dämpfte.
Am Boden angekommen hörte er gerade noch wie die Soldaten aus dem Lagerhaus stürmten und begannen das Viertel nach ihnen zu durchsuchen, bevor er sich im Schutze der Dunkelheit bis zu der Senke durchschlagen und seine beiden Freunde bei Miri in Behandlung geben konnte.

Seufzend setzte er das schwere Holz ab und stapelte es an der Rückwand des kleinen Pfahlhauses, welches umgeben von einer grünen Naturbelassenen Wiese und gar nicht weit vom Waldrand stand.
Nachdem das Holz sorgfältig aufgeschichtet und mit einer Lederplane abgedeckt war betrat er Barfuß das Haus.
Im Inneren gab es eigentlich nur einen Raum, welcher allerdings durch Papierwände unterteilt war. Er trat durch die Schiebetür in den Teil, in dem Ayoun lag. Kyo saß neben ihr. Sein Bein war bandagiert und er konnte nicht laufen aber ansonsten ging es ihm blendend.
Ayoun hatte es da schlimmer erwischt. Laut Miris Diagnose hatte sie eine Gehirnerschütterung und einige angeknackste Rippen.
„Wie geht es ihr?“ fragte Tao mit einem besorgten Blick auf die still daliegende Ayoun.
Sie schläft, seit sie dir heute Morgen in die Eier getreten hat“, antwortete Kyo leise.
„Gut so, sonst würde ich sie erwürgen“, lachte Tao ebenso leise, dann setzte er sich zu seinem Freund.
„Sag mal Kyo was denkst du wer uns verraten hat? Ich meine wir hätten stutzig werden müssen, als wir den Brief hierher bekamen und nicht zum geheimen Ort.“
„Du hast recht das hätten wir aber der Auftrag schien so leicht zu sein und ach verdammt!“ Kyo schlug auf den Boden. „Wie konnte das passieren?“
„Das kommt davon, wenn man zu gierig ist“, erklang plötzlich eine sanfte Stimme von der Tür her. „Und nun seid still oder verschwindet in den Wald. Ayoun braucht Ruhe und kann keine zwei Streithähne gebrauchen, die sich neben ihrem Bett den Kopf über vergangenes zerbrechen“, zischte sie während sie sich mit einem Teetablett neben Kyo und Tao niederließ. Sie füllte drei Teeschalen mit dem leicht würzigen Tee und reichte Tao und Kyo jeweils eine. „Trinkt ihr beiden und schweigt!“
Schweigend tranken die drei den Tee.

Published inKurzgeschichten

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