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Kaminari – Hinterhalt

Die Drei standen im Schatten einer kleinen Gasse und vor ihnen lag ein kleiner, vom Mondschein erhellter halbrunder Platz, an dessen flacher Seite ein großes Lagerhaus stand. Der rechteckige Flachbau wurde von zwei dunklen Gassen flankiert, die auf der einen Seite von der Stadtmauer und von der Anderen durch eine ausgebrannte Ruine begrenzt wurden.
„Das gefällt mir nicht“, bemerkte Tao leise „es ist viel zu ruhig hier!“
„Wir sind am Stadtrand. Und das Viertel ist tot. Was erwartest du?“ fragte Ayoun gereizt. „Zumindest ein paar Bettler oder Ratten. Ich weiß auch nicht, aber nicht diese Totenstille.“
antwortete Tao genervt.
„Ich weiß was du meinst“, warf Kyo ein. „Mir stellen sich auch die Nackenhaare auf, aber wir können schlecht auf das Honorar verzichten. Außerdem will ich unseren Auftraggeber auch kennen lernen“, stellte Kyo fest. „Mich würde nämlich interessieren, wer ihm unseren Aufenthaltsort verraten hat, weil außer uns und Miri kennt das Haus doch keiner oder?“
„Irgendwo hat er ja Recht. Mich interessiert das genauso“, sagte Tao nachdenklich. „Auch, wenn ich nicht glaube das uns überhaupt einer verraten hat. Der müsste uns ja dann dort gesehen haben“, fügte er murmelnd hinzu und ging Kyo hinterher. Ayoun folgte den Beiden leise.

„Ich bin dafür wir gehen nicht durch das Haupttor. Zumindest nicht, wenn es noch einen anderen Eingang gibt“, sagte sie, während ihr Blick den Platz und die umliegenden Gebäude abtastete.
„Ich geh auch ungern durch den Vordereingang“, gab Kyo zu und bedeutete Tao mit einem Nicken sich die linke Gasse anzusehen, er selbst verschwand kurz darauf in der Rechten. Ayoun blieb in der Mitte des Platzes stehen und lauschte in die Nacht hinein. Es war still. Irgendwo in der Ferne bellte ein Hund, aber das umgebende Viertel war absolut still, als ob sogar die Ratten in Angst vor einer Gefahr geflohen wären, der nicht einmal diese Tiere gewachsen waren. Nur was konnte die Ratten, diese furchtlosen Räuber, aus ihren Verstecken vertrieben haben? Eine Katze? Wohl kaum. Ein Rudel Katzen?
Unwahrscheinlich, aber was dann? Das roch nach einer Falle.
„Hey Ayoun. Hier her!“ erklang Taos leise Stimme aus der rechten Gasse und zerstreute so ihre Gedanken. „Hier ist ein Nebeneingang“, stellte der Riese leise aber eindringlich fest. Ayoun warf einen Blick in die linke Gasse, aus der in diesem Moment Kyo geschlichen kam. Ayoun deutete auf Tao, bevor sie zu ihm hinüber lief und an ihm vorbei in der finsteren Gasse verschwand. Kyo folgte ihr auf dem Fuße, nach einem letzten überprüfenden Blick über den Platz drehte auch Tao sich um und verschwand in der Dunkelheit.
Zwischen den Stadtmauern und der Lagerhalle war es stockduster, man konnte nicht mal die Hand vor Augen sehen.
„Verdammt…“ begann Tao, wurde aber sofort von Kyo unterbrochen. „Dunkel hier. Wir wissen es“, beendete der Kleine den Satz und musste dabei ein Grinsen unterdrücken.
„Wo ist die Tür?“ zischte Ayoun, die vorausging und höllisch aufpasste nicht über irgendetwas zu stolpern.
„“Lass mich mal“, erklang Taos Stimme dicht an ihrem Ohr, bevor er sich an ihr vorbeidrückte. Ayoun war immer wieder überrascht wie leise sich der Hüne doch bewegen konnte, wenn er wollte. Ein leises Knarren und ein gemurmelter Fluch sagten ihr das Tao die Tür geöffnete hatte. „Ich dachte die blöde Tür würde weniger knarren“, murmelte Tao entschuldigend und schob zuerst Ayoun und dann Kyo durch den kleinen Spalt, der Türöffnung, bevor er sich selbst hindurchquetschte.

Im Inneren der Halle herrschte ein seltsames, diffuses Zwielicht. Sie waren zwar etwa in der Mitte der Längsseite aber viel zu sehen war nicht, da sich in der Halle dutzende Kisten bis unter die Decke stapelten und so ein Labyrinth aus schmalen Gängen bildeten, welches jegliche gute Ausleuchtung unmöglich machte.
„Ganz toll. Nun auch noch Rätselraten wo wir unser Honorar abholen dürfen?“ murrte Tao.
„So schwer dürfte das nicht sein“, erklang Kyos Stimme von weiter vorn. „Es gibt nur einen einigermaßen begehbaren Gang zwischen diesen Kistentürmen und von dort kommt auch Licht. Denke mal da müssen wir hin. Also los jetzt!“ erklärte er und verschwand um die Ecke.
Ayoun und Tao folgten ihm in sicherem Abstand, um so auf unangenehme Überraschungen besser reagieren zu können. Kyo hatte Recht behalten. Es gab wirklich nur einen Gang und am Ende dieses Durchgangs schien eine Fackel zu brennen. Vorsichtig schlichen die Drei zwischen den Kisten hindurch um schließlich kurz vor Ende des Durchlasses innezuhalten. Der Gang machte einen Scharfen Knick, bevor er in einem quadratischen, frei geräumten, Feld mündete, welches an drei Seiten von hohen Warenstapeln umgeben war. An der Mauer der Lagerhalle brannte eine einzelne Fackel und leuchtete das Quadrat aus, ohne allerdings den Schatten an der Decke zu vertreiben. In der Mitte dieses Platzes saß, eine vollkommen in Lumpen gehüllte Gestalt, auf dem Boden. Man konnte nicht sagen, ob es ein Mann oder eine Frau war, da das Gesicht im Schatten einer Kapuze verborgen war und die unförmigen Lumpen, in die ihr Auftraggeber gekleidet war, jegliche Körperkonturen verwischten. „Das gefällt mir nicht! Ganz und gar nicht!“ flüsterte Ayoun mit vor Anspannung zitternder Stimme.
„Mir auch nicht, aber ich will trotzdem wissen wer den nun dieser ominöse Mensch ist, der uns gefunden hat“, raunte Kyo zurück und trat zwischen den Kisten hervor.
„So jetzt reden wir Klartext!“ rief Kyo der Gestalt zu, während er auf diese zuschlenderte, wobei er acht gab absolut locker zu bleiben, denn Anspannung machte langsam und er wollte auf keinen Fall langsam sein, sollte sich dies hier als Falle herausstellen.
Auch Ayoun und Tao hatten die Deckung des Durchlasses inzwischen verlassen, hielten sich aber etwas zurück, während Kyo ihren Auftraggeber befragte.
„Also dann erzähl mal, wer hat dir gesagt wo du uns findest und viel wichtiger wo ist die…“, begann Kyo brach dann aber mit einem wütenden Zischen ab, denn er hatte den Lumpenhaufen, an der vermeintlichen Schulter gepackt und ihn durchgeschüttelt, wobei die Kapuze zurückgefallen war und den Blick auf ein altes, gerunzeltes Gesicht freigab. Aber das war es nicht, was Kyo so erschreckte, denn das alte Menschen existierten war ja nichts Neues. Was Kyo überraschte waren eher die gebrochenen Augen und das Messer das aus dem Rücken der alten Frau ragte.

Published inKurzgeschichten

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