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Letzter Akt

Basil blickte auf seine Fußspitzen. Der Boden unter ihm existierte nicht. Er stand zwar auf irgendetwas, aber er blickte in gähnende Leere. Seine eigene Erscheinung war verschwommen, aber das tat er als typisches Zeichen eines Traumes ab.

Langsam hob er seinen Blick und schaute sich um. Vor ihm war ein abgestorbener Baum. Hier hatte er sie zuletzt gesehen. Er hatte es genossen. Die Zeit mit ihr war angenehm gewesen. Jetzt war er wieder einsam. Sie war aus dem Traum erwacht.

Dies war in der letzten zeit öfter vorgekommen. Aber dieses Mal würde sie nicht zurückkehren.

Hoffentlich hatte ihr neuer Gefährte Erfolg. Basil würde es schwer treffen, wenn sie sterben würde. Um sein eigenes Wohl sorgte er sich dabei nicht.

Er schwenkte mit dem Blick herum und betrachtete die knochige Säule aus Blut und Fleisch. Er hatte den Nephandi-Thron schon einmal gesehen. Damals stellte Xantcha ihn vor die Wahl. Er erzählte ihm, dass Kathleen unschuldig war. Das es Basils alleinige Schuld war, dass sie sterben musste. Das ihre Seele für immer beschädigt sei. Alles dank Basil.

Er hatte ihm genügend Gründe gegeben, sich selbst zu verachten und ihm dann die Möglichkeit erläutert, wie er letztendlich doch etwas aus sich machen konnte.

Damals hatte Basil es nicht verstanden. Damals… dachte er an Aufgabe, an Selbstmord oder an Rache.

Basil schmunzelte, als er daran dachte, wie Vivlest ihm den Kopf gewaschen hatte. Aber auch er hatte es damals nicht verstanden.

Xantcha wollte keinen „Komplizen“ in den Reihen der Nephandi. Er brauchte keine Verstärkung oder Unterstützung… er brauchte jemanden für das Gleichgewicht. Xantcha selbst war lediglich die Gegenseite zu den „guten Mächten“ auf der Erde. Die Drachenritter, die Phoenixkrieger, die Avatare, die Engel, große Teile der Menschheit, die Gläubigen und auch die anwesenden Weltenwanderer zählten dazu.

Es gab kein Gegenstück. Zwar waren ein paar Avatare gefallen, aber durch die Nichtgefallenen glich sich dies wieder aus. Außerdem wurden andere vernichtet, sodass die Avatare sich die Waage hielten.

Basil streckte sein doppeltes Flügelpaar aus und hob nach etwas Anlauf von dem „Boden“ ab.

Xantcha war der Wyrm in seiner Ursprungsform oder verkörperte zumindest einen teil von ihm. Dessen war sich Basil bewusst geworden, als er Karras mit einem Stück des Seelenspiegels zu ihm schickte. Als er gemeinsam mit ihm hindurchblickte, wurde alles klar.

Mit ein paar Flügelschlägen flog Basil um die Todessäule herum, um langsam an Höhe zu gewinnen. Senkrechtes hinauffliegen war einfach nicht möglich.

Wenn Xantcha also das Gleichgewicht zu den großen Mächten auf Gaia war, hieße dies, dass all diese Mächte gigantische Kräfte besaßen.

Dadurch, dass nun auch Zhadran vernichtet wurde, wuchs Xantchas Kraft noch mehr, da er das Gleichgewicht erhalten musste. Jeder „Bösewicht“, der vernichtet werden würde, stärkte Xantchas Armeen. Die Nephandi-Welt spiegelte den Gegenpart zu Gaias Wesen dar. Wenn Khazador getötet werden würde, bekäme diese Welt Unmengen von nachwuchs.

Wäre Basil damals zum Nephandus geworden, hätte Xantcha sich wohl zurückziehen können. Das Gleichgewicht wäre vorerst gewahrt gewesen…

…bis irgendjemand Basil vernichtet hätte.

Als er das dachte, stellte Basil sich vor, wie Neneliel ihm den Kopf abschlug. Durch das geforderte Gleichgewicht wäre sie daraufhin an seinen Platz auf den thron gesprungen…

Basil brach durch die dunklen Wolken und erschien vor dem „Thron“. Ein Podest aus Knochen und Fleisch. Lebende Personen und gefangene Seelen. Er stellte sich auf das kleine Treppchen vor dem Thron und machte eine leichte Verbeugung vor Xantcha, welcher im Thron saß und auf die Welt blickte.

Xantcha’s Blick schweifte in der Ferne, aber er klärte sich bald und schaute Basil an.

„Ich bitte dich, mein Bote zu sein. Erzähle ihnen vom Gleichgewicht des Universums. Ich bin nicht länger gewillt, sie manuell zu vernichten. Sie müssen gehen. Aber sie müssen auf das Gleichgewicht achten. Jeder Gott, jeder Halbgott, jedes mächtige Wesen, jeder Glaube, jedes Volk fordert einen Gegenpart. Das ist das Gleichgewicht, der Wyrm, das Schicksal, die zeit… alles. Wie auch immer ihr es nennen wollt.“ Xantcha sprach ruhig und irgendwie Weise.

Basil bekam bei diesen Worten eine Gänsehaut. Er prägte sich den genauen Wortlaut ein, um ihn ebenso wiedergeben zu können.

„Wie könnte ich diese Bitte ausschlagen? Ich bin ebenso Teil des Ganzen.“, damit erhob sich Basil wieder und löste sich langsam auf. Seine Seelenwanderung war vorüber…. Nun musste er die großen Mächte vom Gleichgewicht überzeugen. Er musste ihnen erzählen, dass der Preis für „Macht“ die Verbannung war…

Wenn die Menschen wieder in Friedern leben sollten, mussten sie mit einem Gott mit vielen Namen und einem Gegenpart mit vielen Namen zufrieden sein…

Hier war kein Platz für Möchtegerngötter oder Göttern mit Asyl…

Hier war auch kein Platz für Phoenixengel…

Published inRollenspiel-Storys

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