Zum Inhalt

[Linus] Kein guter Tag zu sterben

Musik

Plitsch, plitsch.
Vor seinem geistigen Auge tropfte das Blut auf den Boden. Er stellte sich vor, dass der leise Nieselregen eigentlich eine rote Farbe hatte. Wie Blut. Wie all das Blut, dass er heute gesehen hatte. Wie viele Opfer waren es? Er hatte irgendwann aufgehört zu zählen. Es waren noch so viele übrig. So viele lebendig.
Plitsch Plitsch Plitsch.
Er sog den Rauch der Zigarette ein, betrachtete die Studenten um ihn herum. Sie wussten noch nicht, was passiert war. Sie waren blind gewesen wie die Anderen. Die Unterhaltung kreiste um die Erstsemester und welche Aufnahmerituale es wohl dieses Semester geben würde, ob vielleicht mal etwas neues, originelles dabei sein würde.
Plitsch.
Er wandte seine Augen in die Richtung des Geräusches, welches ja doch kein Regen war, ohne den Kopf zu bewegen. Die nassen Haare hingen tief in seinem Gesicht, aber er konnte den Studenten gut erkennen, der nun in durchnässten Socken an ihm und den anderen Rauchern vorbeiging.
Da war dieser spezielle Blick. Der junge Mann hatte diese unterdrückte Panik in den Augen, er musste etwas gesehen haben. Der Rauch der Zigarette wurde ausgeblasen, er spürte das Gewicht des Messers an seiner Seite – versteckt unter der Jacke. Kurz überlegte er, ihm zu folgen. Dieser von Bier und Regen durchnässten Gestalt, die nun so eilig weiter huschte.

Weg von dem Blut.

„Da hat wohl jemand seine Schuhe im Rausch verloren.“, mit diesen Worten durchbrach eine Studentin neben ihm seine Gedanken. Die anderen Raucher blickten nun auch zu dem sich entfernendem Plitsch-Geräusch und dem dazugehörigen Verursacher. Kichern und Schmunzeln breitete sich in der Gruppe aus. Man kannte dieses Phänomen nur zu gut.
„Ich gehe wieder rein.“, meinte ein anderer Student. Daraufhin wurden Zigaretten zu Ende geraucht oder direkt in einer Pfütze versenkt. Es fiel überhaupt nicht auf, dass er nicht mitkam.

Wenige Minuten, nachdem der junge Mann ohne Schuhe hier vorbeikam, war niemand mehr da. Der Nieselregen spielte sein sanftes Lied auf dem Campus, während im Gebäude die Blutlachen größer wurden und der Mörder über den Campus ging und dem Plitschen folgte.

Plitsch, plitsch.
Diesmal sollte es wirklich Blut sein.

Published inRollenspiel-Storys

Schreibe den ersten Kommentar

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.