Zum Inhalt

Murphys (new) Law – Prolog

Das sanfte Rauschen von Wasser durchbrach die Dunkelheit, in der Murphy sich befand. Er konnte das Wasser spüren, wie es sich zärtlich um seine Fußgelenke herumbewegte. Etwas Licht brach sich durch diese absolute Dunkelheit und spiegelte sich in dem schwarz wirkendem Wasser. Ein Hauch von Mondlicht, obwohl am Himmel kein Mond war, keine Sterne. Einfach Dunkelheit.

Um ihn herum war ein endloses Meer, kein Strand und kein Boden. Murphy blickte nach unten und erkannte, dass er nicht sehen konnte, auf was er stand. Es war, als stünde er einfach im flachen Wasser, aber darunter war noch viel mehr Wasser. Er hockte sich hin, griff in das Wasser und stellte fest, dass er mit seiner Hand tiefer hineingreifen konnte, als auf der Höhe in der seine Füße standen.

Ein schlechtes Gefühl überkam ihn, die Erinnerung daran, dass er beinahe gestorben war schob sich in den Vordergrund: Murphy war fast ertrunken. Nun von nichts anderem als Wasser umgeben zu sein wurde zu einem hässlichen Gedanken. Wie ein kleiner Gremlin, der am Rande seines Bewusstseins lauerte und nur darauf wartete sich zu Angst und Panik zu verwandeln.

Glücklicherweise erweckte etwas Anderes seine Aufmerksamkeit in dieser Dunkelheit, aus der er vielleicht nie wieder erwachen würde: Eine Gestalt formte sich aus dem Wasser. Es war, als würde das Wasser selbst zu einer Person werden. Eine Person, die einen ähnlichen Körperbau hatte wie Murphy selbst. Die Kleidung war vom Wasser durchnässt, seine Haare hingen ihm im Gesicht und tropften noch und hinzu kam, dass seine Haut totenblass aussah. Murphy war sich zuerst nicht sicher, ob dies vom Mondlicht kam, denn er selbst wirkte auch viel blasser als sonst.

Die Gestalt kam auf Murphy zu und er testete, ob das Wasser um ihn herum ihn ebenfalls tragen würde. Er traute diesem endlosen Meer nicht. Aber es trug ihn tatsächlich, also ging er vorsichtig Schritt für Schritt rückwärts, wodurch seine gesamte Bewegung recht langsam war. Die Angst einen Fehltritt zu machen, lähmte ihn fast.

Als die Gestalt bemerkte, dass Murphy vor ihr zurückwich, hob sie eine Hand zum Gruß. Murphy hoffte, dass dies ein Zeichen dafür war, dass die Person ihn nicht anfallen würde. Er blickte sich um, überall war nur dieses endlose Meer. Wo sollte er also schon hin? Also blieb er stehen und erwiderte den Gruß, indem er selbst die Hand hob. Er hatte eine Vermutung, um wen es sich handeln könnte, aber diese ganze Szenerie war dennoch gruselig.

Der junge Mann kam noch näher. So nah, dass Murphy die Person hätte berühren können. Zudem konnte er nun mehr von dem Gesicht seines Gegenübers sehen. Mit dunklen Rändern um die Augen und beinahe schwarzen Lippen sah die Gestalt nicht so schlimm aus, wie Murphy das Aussehen einer Wasserleiche erwartet hätte.  Er war definitiv tot, aber nicht aufgebläht oder anderweitig verunstaltet. Murphys Vermutung bestätigte sich, denn es handelte sich um seinen Bruder!

Murphy starrte ihn einen Moment ungläubig mit offenem Mund an, ehe er leise fragte, als könnte das bloße Aussprechen ihn wieder verschwinden lassen:

„Donovan?“

„Sully.“, antwortete sein toter Bruder sanft. Es war der endgültige Beweis, dass es sein Bruder sein musste. Nur er kannte Murphys zweiten Namen und hatte ihn damit früher oft angesprochen. Dennoch konnte er es noch nicht so recht glauben, also streckte er seine Hand nach Donovans Gesicht aus, um ihn an zu fassen. Als er seine Haut berührte, spürte Murphy eine eisige Kälte von ihm ausgehen.

„Was machst du hier?“, fragte Donovan seinen jüngeren Bruder.

„Ich… weiß es nicht.“, gab Murphy zu. Das hier war definitiv anders als sonst. Er wusste nicht, wie er hierher gelangt noch was für ein Ort das hier war.

Donovan streckte seine Hand ebenfalls aus, um Murphys Gesicht zu berühren. Wieder spürte Murphy, wie unangenehm kalt sein Bruder war.

„Ich bin schon länger hier als du. Du solltest doch gehen.“, damit sprach er das Unglück an, bei dem Donovan gestorben war und Murphy während seiner Nahtoderfahrung außerhalb seines Körpers erstmals mit Donovans Geist konfrontiert wurde. Murphy blickte sich noch einmal genau um, er wurde unsicher. Das hier war doch anders als damals, oder?

„Das heißt… ich bin tot?“

„Wenn du hier bist… vielleicht? „, gab auch Donovan nur eine Vermutung ab.

Sein Bruder war tot und man konnte ihm ansehen, dass er ertrunken war. Murphy brauchte Gewissheit. Er blickte an sich herab und sah die Blutflecken auf seinem Hemd. Diese breiteten sich langsam darauf aus. An diesen Stellen waren die Kugeln in seinen Brustkorb eingeschlagen. Er spürte das warme Blut auf seiner Haut hinab laufen. Murphy war sich nicht sicher, ob das hier einen Unterschied machte, aber er konnte die Wärme spüren und das war ein Zeichen dafür, dass er nicht tot war, oder?

„Willst du wieder gehen?“, durchbrach Donovan die Gedanken seines Bruders.

„Kann ich das denn?“, fragte Murphy unsicher.

„…oder willst du mitkommen?“

Murphy hatte geahnt, dass diese Frage kommen würde. Aber er konnte das nicht so leichtfertig entscheiden. Sein älterer Bruder stand vor ihm! Murphy hatte jahrelang nach ihm gesucht, nachdem auch sein Geist ihn verlassen hatte. Er hatte Angst gehabt, ihn doch endgültig zu verlieren und jetzt stand er da! Murphy fühlte sich zerrissen. Irgendwie wollte er mit ihm mitgehen, aber war er schon bereit zu sterben?

„Sieht… einsam aus hier.“, sprach Murphy nachdenklich.

„Es ist nicht einsam. Es ist nur hier einsam. Du musst dir diesbezüglich um mich keine Sorgen machen.“

„Du warst weg.“, Murphy wusste nicht warum.

„Ja.“, war die einzige Reaktion von Donovan. Es gab keine Erklärung.

„Wenn ich gehe, sehe ich dich dann wieder?“

„Ich denke schon. Irgendwann…Früher oder Später.“

„Ja, wenn ich sterbe.“

„Du stirbst offenbar ein bisschen öfter.“

„Ja. Ich habe dich gesucht. Nur… jetzt habe ich dich gefunden und weiß gar nicht so recht, was ich damit anfangen soll.“

„Wir werden uns wiedersehen.“

Irgendwie hatte Murphy Angst, dass dies nun ein endgültiges Lebewohl war. Er konnte nicht mehr widerstehen und umarmte seinen Bruder. Donovan brachte gerade noch die Worte „Du hast-“ hervor, als Murphy seinen eiskalten Körper in die Arme schloss. Sein Bruder erwiderte die Umarmung. Es fühlte sich an, als würde Murphy eine Figur aus Eis umarmen. Die Kälte kroch ihm bis in die Knochen.

Mit einem Mal verlor Murphy den Boden unter den Füßen und die beiden Brüder fielen rasch wie ein Stein in die Tiefen des Wassers hinab. Zudem nahm es die Kälte an, die Donovan ausstrahlte. Eine todbringende Kälte, die Murphy komplett einschloss.

Da war sie wieder, die Todesangst. Murphy verfiel in Panik, presste den größten Teil der Luft in seiner Lunge direkt in einem ungehörten Schrei heraus. Er ruderte mit den Armen, um wieder nach oben zu gelangen, doch sein Bruder hielt ihn weiterhin fest. Sein Gewicht zog Murphy weiter abwärts. Er war wie ein Ertrinkender, der zusätzlichen Ballast bedeutete. Der winzige Gedanke war zu einem reinen Überlebensinstinkt geworden, welcher Murphy mit Adrenalin, aber auch weiterer Panik versorgte. Klares Denken wurde zur Unmöglichkeit.

Zwischen Donovan und Murphy sammelte sich Wärme, gebündelt an einem Punkt. Es war das Amulett, welches Murphy um den Hals trug. Rasch wurde die Wärme zu einer unangenehmen Hitze. So unangenehm, dass Donovan Murphy schließlich losließ und allein weiter hinab sank.

Murphy hingegen hatte Mühe, in der Panik koordiniert zu schwimmen und ruderte weiter mit Armen und Beinen, um zurück an die Wasseroberfläche zu gelangen. Aber ohne Donovan sah er eine echte Chance wieder nach oben zu gelangen.

Die Wasseroberfläche veränderte ihre Farbe in einen kalten, bläulichen Ton. Vielleicht ging die Sonne jetzt auf? Murphy spürte, wie Finger seine Füße streiften. Irgendjemand versuchte, ihn zu packen. Er ruderte weiter, bis er die Wasseroberfläche erreichen konnte.

Published inRollenspiel-Storys

Schreibe den ersten Kommentar

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.