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Tag 376 a.S. #668 [12.11.2015] – Konfrontation mit dem Jäger

Angst.

Eine gute Wahl für einen Jäger. Ängstliche Beute macht grobe Fehler, handelt instinktiv. Instinkte sind berechenbarer. Menschen rennen vor dem Auslöser der Angst weg, Instinkte wie Tiere.

Alligatoren sind schnell, schneller als ihr. Also nicht weglaufen.

Matt hatte Shys Worte noch im Kopf, aber die Mistviecher waren bereits am Rennen. Stehen bleiben war keine Option, außer man könnte Unsichtbar werden. Unsichtbar… das war die Lösung!

Das kann richtig schiefgehen.

Eigentlich war Matt kein Freund von Alles-oder-Nichts Entscheidungen, aber realistisch gesehen hatte er nicht genug Munition, um die Alligatoren auszuschalten, bevor sie bei der Gruppe waren. Es würden nicht alle schaffen. Kein Gedanke wurde daran verschwendet, jemanden als Ablenkung zurück zu lassen.

Er leuchtete auf den Boden, wo das gekappte Seil lag: „Orientiert euch an dem Seil. RAUS!“ Der Jäger hatte es gekappt, da war Matt sich sicher. Angst.

Sie hörten nicht auf ihn, sie rannten in die andere Richtung, weiter hinein. Aber wenigstens rannten sie gemeinsam in eine Richtung. Er hoffte, dass da drin nichts Weiteres auf sie lauerte. Oh diese Narren!

Noch ein paar Herzschläge, bis die Alligatoren bei Matt waren. Aber es musste einfach funktionieren, davon war er Überzeugt.
Injecta!“, er hatte das Bild gerade selbst vor Augen gehabt, wie sie liefen – er musste es nur in die entgegensetzte Richtung lenken. Kommt schon, eure Beute ist da lang!

Als die Alligatoren die Richtung wechselten und sein Zaubertrick funktioniert hatte, war er nicht mehr so sehr überrascht wie beim ersten Einsatz. Es war eher ein ganz großer Schub an dem Gefühl, etwas Besonderes zu sein. Der Glaube an ihn selbst hatte sich stark verfestigt. Shy hatte ihn nicht enttäuscht. Es funktionierte alles. Er hatte nie Zweifel. Die Monsterjagd hatte sich in New Orleans auf eine neue Stufe gehoben, jetzt zog er nach.

Weiter hinein, weil die Anderen dort ebenfalls in Gefahr sein könnten. Doch soweit kam Matt nicht.

Der Jäger zeigte sich ein zweites Mal an diesem Ort. Matt wurde der Fehler sofort bewusst: Er war allein und dieses Giftfroschähnliche Wesen war so verdammt schnell, dass es Matt wie ein Spielzeug zerschlagen würde.

Er hatte bereits bei der ersten Begegnung beim Boot den Gedanken gehabt, dass dieser Dämonische Jäger es auf ihn abgesehen hatte. Sie schicken Verstärkung. Sie drehen den Spieß um. Matt ist seit ein paar Tagen vom Jäger zum Gejagten geworden. Angst.

Angst macht uns menschlich. Angst lässt uns überleben. Angst macht den Wolf größer als er ist. Matt spürte die Pistole in seiner Hand, aber der Lärm könnte die Alligatoren zurückholen. Warum hatte der Jäger ihn beim ersten Mal nicht berührt? Machtdemonstration. Ein Versprechen: Das nächste Mal erwische ich dich. Angst?

Dann aber dieses schnelle Verschwinden. Warum tat er das? Wenn er so schnell war, warum pflückte er nicht einfach einen nach dem Anderen auseinander? Wollte er sie nicht töten?

„Was willst du?“, es war eine dämliche Frage auf die es eine eindeutige Antwort gab. Der dämonische Jäger schlug Matt ins Gesicht.
Dem stechenden Schmerz in seinem Gesicht nach, lag Matt mit seiner Vermutung richtig: Das Wesen hatte nicht nur das Aussehen eines Giftfrosches, es war bei Berührung giftig!

Völlig überrascht über den Schmerz presste Matt seine Hand auf seinen Mund und unterdrückte somit den Schmerzenslaut. Es hatte ihn gehört. Es hatte den Zauber gehört. Er sollte damit aufhören. Matt sollte aufhören, ihm seine Tour zu vermasseln. Das Füttern der Alligatoren hat nicht funktioniert. Dafür hatte Matt jetzt Säure im Gesicht. Hautfetzten an seiner Hand, als er sie wieder vom Mund nahm. Maßloser Schmerz, doch schlimmer noch war, dass seine Lippen verklebt waren. Er konnte nichts mehr sagen, keine Warnung ausstoßen. Wut.

Denn er sah Sofia auf das Wesen zu rennen, sie wollte ihn doch nicht etwa mit bloßen Händen schlagen?! Also schoss Matt und verfehlte erneut. Obwohl er unmittelbar vor dem Wesen stand, wich es aus. Abartig schnelles Dämonenvieh. Wut!

Aber es zeigte sich nun auch, warum der dämonische Jäger eine Konfrontation mit der gesamten Gruppe gemieden hatte. Obwohl sich nicht alle Tatkräftig beteiligten, strauchelte das Wesen nach dem Hieb von Sofia mit der Taschenlampe etwas. Es konnte sich nicht auf so viele Ziele gleichzeitig konzentrieren, um den Angriffen auszuweichen. Doch nicht so übermenschlich, wie Matt erst befürchtet hatte. Aber die Furcht war nun aus. Matt musste das Vieh zur Strecke bringen!

„Geh weg!“, Julies Stimme war gefestigt. Ansonsten sah Matt nur Licht. Aber es war stärker als jenes, dass er ihr schon zugeschrieben hatte, bevor sie von der Dämonenplage wussten. Das Pflänzchen zeigte gerade ihre wahre Kraft. Der Zeitpunkt konnte besser nicht sein.

Die Zeichnungen von Juliet – Matt hatte sich gefragt, wieso er sie angefertigt hatte. Hatte sich seine vergangenen Bilder nochmal angesehen. Es hatte immer einen Kontrast geben müssen zu seinen Monsterbildern. Zur Dunkelheit. Es gab nur zwei Menschen, die er wiederholt gezeichnet hatte. Sarah und Julie. Sie waren das Licht. Die Hoffnung inmitten dieser Hölle. Oh, Sarah…

Der Dämon war genauso gebannt von dem Licht wie die Menschen. Aber Matt konnte eines nicht vergessen: Er würde das Licht vernichten, sobald er könnte. Dieser Dämon musste getötet werden!

Nach zwei Schuss ins Leere gab Matt jedoch auf. Diese Friedlichkeit die Julie ausstrahlte war völlig in ihn gekrochen – der Dämon verschwand so schnell, wie er gekommen war.

Published inRollenspiel-Storys

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