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Schlagwort: Ronjas Tagebuch

Die Erschaffung (17.05/18.05) – 650 – Teil 1

Silbernes Mondlicht brach sich auf dem Wasser des großen Sees und erhellte die verzerrte Fratze Christophs auf dem Weg zu seiner Bestimmung. Es wurde Zeit, ich sollte mich beeilen, die Leiche begann schon zu stinken. Moment! Sie ist zu frisch, Leichen riechen erst später.

Ichhhh bin daa zischte es und in diesem Augenblick riss der Tote die Augen auf und starrte mich an. Vollkommen erschrocken ließ ich ihn los und….wachte auf, saß kerzengerade im Bett und sah mich um. Der Mond schien durchs Fenster und erhellte in seinem kalten fahlen Licht. Das Ticken meines Weckers, war das einzige Geräusch in diesem Raum und ein schneller Blick sagte mir 23:04 Uhr. Ansonsten…es…Ich zog vorsichtig die Luft durch die Nase, süßlich, faulig…und erstarrte.

17.05.2010 – 649 – Teil 3

Der Tag brach an. Die Sonne, die zu Beginn meines Marsches noch fahl am Himmel gestanden hatte, halb verdeckt vom Morgendunst des Frühlings, begann nun ihre wahre Kraft zu entfalten und mit ihr erwachte ach die Stadt. Die Straßen füllten sich mit immer mehr Autos, immer mehr Lärm und Gestank. Und mit ihnen kamen die Menschen. Zuerst die Hundebesitzer mit ihren Tieren. Überall halb verschlafene Roboter die sich von ihren vierbeinigen Besitzern spazieren führen ließen. Alle Formen und Farben. Ich habe immer einen recht guten Bezug zu Hunden gehabt, zu Tieren allgemein. Mit ihnen konnte ich weit mehr anfangen als mit ihren Besitzern. Oft war es so, dass mich ein Tier umso mehr mochte, je stärker sein Besitzer mich verabscheute. Diese Korrelation ist seltsam aber vorhanden, ich hab es schon oft beobachtet. Diese kleinen Viehcher, die sich Hunde schimpfen, sind jedoch nicht mein Fall. Kleine Kläffer ohne Sinn und Verstand.

17.05.2010 – 649 – Teil 2

Ich öffnete die Zimmertür und blieb überrascht stehen. Dort stand jemand. Ein junger Mann, an die Wand gelehnt, die Arme vor der Brust verschränkt und den Blick gesenkt. Er war ein gutes Stück größer als ich, was zugegebenermaßen nicht sonderlich schwer ist. Seine Statur war eher feingliedrig und zart, das Gesicht leicht feminin, genauso wie die Hände.

Misstrauen breitete sich in mir aus. So wie er dastand, blickte…eine merkwürdige Aura ging von ihm aus. Hatte ich etwas zu befürchten, hatte er letzten Endes etwas mit den Vorgängen von vorhin zu tun? Es war eindeutig zu spät, bzw. mittlerweile wohl eher zu früh für Besucher. Egal was er wollte, es war eindeutig nicht die passende Zeit. Seine Ausstrahlung war seltsam, irgendwie gedrückt, unsicher…ich kann es kaum in Worte fassen.

17.05.2010 – 649 – Teil 1

Piep…Piep….Piep….Es passt nicht, nicht ins Bild, nicht in meine Welt. Leichen piepsen nicht. Sie machen keine Geräusche wobei, gelegentlich singen sie, doch nur unter ganz speziellen Umständen.

Piep…Piep. Warum? Als ich die Augen öffnete…es war dunkel.  Neben mir nahm ich ein grünes Flackern wahr. Regelmäßige Linien flogen über ein schwarzes Feld. 90 zu 60, 99%….Was? Ach…die Werte, ein Herzmonitor.Langsam aber sicher sollte ich es doch wissen. Im Augenblick war es jedoch unwichtig, meine Umgebung war interessanter. Ein dunkler Raum, größer als der letzte, ein Krankenzimmer offensichlich. Die Gardienen waren zugezogen, nur der schwache grüne Schimmer des Gerätes neben mir spendete ein wenig Licht.  Mein Bett scheint das einzig besetzte zu sein.  Sonst neigen Krankenhäuser nicht zu solch einer Verschwendung, womit hatte ich ein Einzelzimmer verdient?

16.05.2010 – 648

Schmerzen….Langsam fand ich einen Weg durch die Dunkelheit…aus der warmen wohligen Stille die mich umgeben hatte, zurück in eine furchtbare Realität, herausgerissen aus dem Frieden zerrte der Schmerz mich unbarmherzig zurück in ein Licht das keines war.

Piep…Piep….Piep… was war das? Was war passiert? Es fiel mir schwer zu mir selbst zu finden…Eindrücke von überall die ich nicht verarbeiten konnte, die einfach auf mich einprasselten und mich zerrissen.

Langsam….Ronja…Piep..Piep… regelmäßig. Genau! Das Krankenhaus, die Operation, das Piepsen war der Herzmonitor. Mit dieser Erkenntnis fiel es mir leichter durch den Nebel zu blicken, der meinen Geist umgab. Aber die Schmerzen…langsam öffnete ich die Augen. Ich befand mich in einem Aufwachraum wie schon die beiden Male zuvor. Nicht weit entfernt eine angelehnte Tür durch die ein Lichtschimmer zu erkennen war.