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Trough Destiny

Adama schloss die Augen und zwang sich, ruhig durch zu atmen, aber sein schneller Herzschlag pochte so nur umso stärker durch seine Adern. Er hatte das Gefühl sein Hals würde gleich platzen. Kalter Schweiß perlte auf seiner Stirn und als er die Augen wieder öffnete hatte er Babylon vor sich. Sie lächelte ihn an, aber er hatte das Gefühl als läge Spott in ihren Augen.

„Du bist noch nie geflogen… jedenfalls nicht in einem Flugzeug wie diesem.“, sie wollte ihm durchs Haar streichen, aber er wehrte ihre Hand ab. Überhaupt war ihm ihre Nähe gerade unangenehm: „Lass‘ mich in Ruhe.“, murrte er und wedelte mit der Hand, als wolle er sie wie eine Fliege verscheuchen. Babylon setzte sich wieder hin, auf den Stuhl neben ihm, und blickte in den Gang des Flugzeuges.

Vor den Beiden an der Fensterseite saß Raziel. Sie hatte den Kopf gegen das Fenster gelehnt und schlief, eine Reihe weiter das gleiche Bild von Hypolo. Niklas war gerade vorne auf der Toilette, also musste Babylon umso aufmerksamer sein. Denn auf der anderen Seite des Ganges saßen die Wachleute von Cassiopaia, eine Hälfte schlief, die andere saß am Gang und hielt die ‚Lage unter Kontrolle‘. Sechs bis an die Zähne bewaffnete Männer und weitere sechs die man zur Not aufwecken könnte. Die Kainiten lagen alle im Frachtraum und harrten dort den Tag aus, ein paar mit Pflock im Herzen, ein paar in der Tagesstarre. Einer von Cassiopaias Leuten saß im Cockpit, zusammen mit Benett. Der Jäger schien kaum Schlaf zu benötigen und war dennoch sehr aufmerksam, aber auch angespannt.

Es war nicht so gelaufen, wie sie es geplant hatten. Sie hatten nicht auf die anderen warten können, nicht nur Cassiopaia hatte sie vorangetrieben, es waren auch die Örtlichkeiten gewesen. Auf einmal war der Krieg vollkommen ausgebrochen, die Stadt wurde bombadiert. Es war zu gefährlich geworden. Sie mussten fliehen. Ohne die Überzeugungskünste Cassiopaias hätte man gewiss auch den Jet abgeschossen.

Niklas kam zurück, setzte sich neben Raziel und wandte sich zu Adama und Babylon nach hinten um, dabei mit einem Arm auf der Rückenlehne des Flugzeugsessels gestützt. Leise sprach er die Zwei an: „Hey, alles in Ordnung?“

Adama starrte angestrengt aus dem Fenster, er wirkte etwas blass. Babylon schüttelte sacht den Kopf, als Niklas sie mit einem fragenden Blick bedachte. Sie antwortete ihm so leise, dass er fast nur anhand ihrer Lippenbewegung erahnen konnte was sie sagte: „Flugangst.“

Es dauerte nur einen kurzen Augenblick, bis Niklas in Babylons Kopf war und sie die Unterhaltung still weiterführten. Er setzte sich dabei wieder hin, wandte sich damit von ihr ab und schloss die Augen, als würde auch er ein Nickerchen machen.

‚Ich fürchte, mein Verdacht bestätigt sich, wir fliegen nicht nach Los Angeles.‘, fing Niklas an.
‚Die Wache war während deiner Abwesenheit 5mal im Frachtraum, wir werden ohne unsere Blutsaugenden Verbündeten durchhalten müssen. Sie wurden bestimmt mit Holz bestückt.‘, antwortete Babylon.
‚Bestimmt? Seit wann bist du dir nicht mehr sicher?‘
‚Das… ist kompliziert. Mein Symbol wird schwächer. Unsere Lage verschlechtert sich.‘
‚Allerdings, mir gefällt es überhaupt nicht, diesen Konzernaffen ausgeliefert zu sein.‘, Niklas verschränkte die Arme hinter dem Kopf.
‚Es sind allesamt Ghule, sie sind zu stark in dieser großen Gruppe. Außerdem ist keiner von uns bewaffnet, wir haben kaum eine andere Wahl.‘, Babylons Blick wanderte zu Adama, dem man ziemlich gut ansehen konnte, wie unwohl er sich fühlte.
‚Wir haben noch zwei Stunden bis zur Nacht, irgendwelche brauchbaren Vorschläge, Superhirn?‘
‚Ich warte eigentlich nur darauf, dass unser Schatten in Aktion tritt.‘
‚Hä?‘
‚Du hast es immer noch nicht verstanden, oder? Wir drei sind nur stark, wenn wir beieinander bleiben und die Dinge zusammen erledigen – ob du nun willst oder nicht.‘
‚Soein Quatsch, so zerbrechlich wie du bist, bist du mir überhaupt keine Hilfe… und wer ist der Dritte?‘
‚Belzebub.‘
‚Oh… ja, da war was…‘

Es dauerte ein paar Herzschläge, bis Niklas die Augen aufriss, als die Erkenntnis ihn erreichte und er nur ein: „Fuck!“, ausstieß.

Die Schemenhafte Gestalt auf dem Sitz vor ihm – neben Hypolo – wandte sich zu ihm herum. Das unschuldige Lächeln, dass sich die getarnte Dämonin aufgelegt hatte, kaufte er ihr nicht wirklich ab. Demonstrativ legte er seine Hand auf die Rückenlehne von Hypolos Sitz, sodass sein Arm zwischen Belzebub und Raziel war. Allein sein Blick sollte ihr Warnung genug sein. Belzebub legte ihr Kinn auf de Rücklehne ihres Sitzes und schaute Niklas wie ein treuer Hund an.

‚Du kannst beruhigt sein, Raziel ist nicht mehr von Interesse für Belze.‘, erklang Babylons Stimme in seinem Kopf. Die Gedankenverbindung hatte immer noch bestand.
‚Wie kannst du da so sicher sein?‘
‚Oh, es gibt Dinge an Belzebub die sehr einfach zu verstehen sind… sie hat einen neuen Muskelmann den sie für sich beansprucht.‘
‚Och nö…‘
‚Tut mir leid, aber ich musste ihr ein Angebot machen, damit sie keinen Unsinn anstellt…‘
Niklas drehte den Kopf zu Babylon und warf ihr einen strafenden Blick zu: ‚Fragst du mich vielleicht mal, bevor du mich verscherbelst?!‘
‚Nein.‘, Babylon grinste ihn an. ‚Du gehörst mir, ich kann mit dir machen was ich will.‘
‚DAS wollen wir ja mal sehen!‘, aber Niklas‘ gedanklicher Ausspruch wurde von dem zärtlichen entlang streichen Belzebubs Fingerkuppen über seinen Arm jäh unterwandert. Er zog den Arm weg, als Reaktion auf die aufwallende Gänsehaut seines Körpers.

„Lass das!“, zischte er die Dämonin an.

Die Ghule hoben aufmerksam ihre Köpfe in Niklas‘ Richtung. Durch diese Interaktion bröckelte die Tarnung und sie wurde sichtbar.

‚Na das hast du ja wieder toll hinbekommen.‘, klang Babylons ironischer Gedanke in seinem Kopf, ehe er die Verbindung mit einem empörten ‚Hey, das war nicht meine Schuld!‘ beendete.

Adama nahm den Blick vom Fenster, als er vor sich den Tumult bemerkte. Die Ghule versuchten verzweifelt die aufgetauchte Dämonin zu ergreifen, nachdem die Elektroschocker keine Wirkung an Belzebub gezeigt hatten. Mit ihren Schusswaffen gingen sie vorsichtig um, damit der Jet keine Schäden davontrug – aber ein paar Mal konnte man die Schüsse hören. Raziel und Hypolo wurden dadurch aus ihrem wohlverdienten Schlaf gerissen und das Chaos war perfekt.

Für Adama geschah alles, als wäre er nur ein Beobachter, der nicht nur den Arm ausstrecken musste, um eine der beteiligten Personen zu berühren. Es wirkte alles irgendwie unwirklich und verzerrt. Niklas hatte alle Hände voll zutun, um die Ghule von Raziel fern zu halten, die beiden Dämoninnen setzten sich ebenfalls lange zur Wehr und sogar Hypolo verschaffte sich kurzzeitig Luft mit einem gezielten Tritt in die des Mannes empfindlichsten Teile.

Irgendjemand rief Adamas Namen, wahrscheinlich seine Mutter, aber er saß einfach da und fühlte sich unglaublich unbeweglich. Die Welt um ihn herum war leiser geworden, er fühlte sie nicht mehr, nahm sie weniger wahr. Sie fühlte sich so fremd an, er war kein Teil mehr von ihr…

Was er dann endlich spürte, war der Schlag gegen seinen Kopf. Der Schmerz fühlte sich viel intensiver an als früher, es war das Gefühl nie dagewesener Verletzlichkeit. Sein Geist schaltete ab, bevor sein Kopf gegen die Sitzlehne vor ihm fiel.

Published inRollenspiel-Storys

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