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Was kostet die Welt?

Ich sitze vorm Rechner und starre auf den grünen Balken, der sich langsam nach rechts bewegt. Noch eine Minute, dann bin ich stolzer Besitzer der neusten Windows Version. War ja ganz einfach denke ich mir und nippe an meinen Tee.
Mal sehen, was das neue Betriebssystem so bietet. Alles soll schneller gehen. Es wird so viel einfacher und gut aussehen tut es auch noch. Klasse, denke ich mir. Nach einer halben Stunde ist es installiert und eingerichtet.
Ich sitze vorm Rechner und starre auf den grünen Balken, der sich langsam nach rechts bewegt. Noch eine Minute, dann bin ich stolzer Besitzer der neusten Windows Version.

War ja ganz einfach, denke ich mir und nippe an meinen Tee.
Mal sehen, was das neue Betriebssystem so bietet. Alles soll schneller gehen. Es wird so viel einfacher und gut aussehen tut es auch noch. Klasse, denke ich mir. Nach einer
So, was mache ich jetzt. Ach ja, ich brauche noch ein paar Programme. Was zum Musik hören, meine Quelltexte müssen bearbeitet werden, ich brauche meine Dropbox und noch so einiges andere. Also starte ich die Installationen, neuste Treiber werden herunter geladen und ich freue mich auf ein sauber aufgesetztes System,
mit dem ich toll arbeiten kann.

Ich klicke nun zum vierten mal auf den Installationsbutton und werde von einer großen, aufdringlichen Fehlermeldung überrascht: „Sie haben das Kontingent an kostenlosen Installationen erreicht, bitte besuchen sie den Windows Shop und erwerben sie einen Installationspass für nur 2,99€! Jede weitere Einzelinstallation ist bereits für 19 Cent zu haben. Heute mit 10% Preisnachlass!“

Ich werde stutzig, aber na gut, drei Euro sind nicht die Welt und ich werde noch einiges mehr installieren müssen. Also ab in den Shop und den Pass gekauft. Kurz im Kleingedruckten nachgeschaut, der Pass gilt für 14 Tage. Das sollte reichen, um alles Notwendige zu installieren und Updates aufzuspielen.

Wieder frohen Mutes bin ich in der Stimmung ein wenig Musik zu hören. Also suche ich den Datei-Explorer um an mein Netzwerklaufwerk zu gelangen. Wieder eine Fehlermeldung:“ Heute der Dateiexplorer für 15 Cent!“ Ich rümpfe die Nase, aber was soll’s, es sind nur ein paar Cent. Dafür war die Installation des Betriebssystems ja kostenlos. Also drücke ich wieder den Kaufen-Button und kann endlich loslegen. Zum Glück habe ich den Installationspass gekauft, denn so kann ich mir ein externes Medienwiedergabe Tool installieren und muss nicht 50 Cent für den Windows Media Player ausgeben.

Während meine Ohren von wohlklingender Musik gestreichelt werden, fällt mir ein, dass ich noch etwas bei Amazon bestellen wollte. Also ab ins Internet, der Chrome ist ja installiert.

„Die Verbindung zum Netzwerk konnte nicht hergestellt werden. Ihnen fehlt die Berechtigung, erwerben sie die Lizenz zum Surfen noch heute im Windows Shop mit 10% Rabatt!“

Okay, die Bestellung kann warten. Mehr brauche ich heute nicht. Ich betrachte meine Windowsinstallation und bin dennoch zufrieden. Es läuft und ich habe kaum etwas dafür bezahlt. Die wenigen zusätzlichen Gimmicks, kaufe ich morgen. Heute steht spielen auf dem Programm.

Zum Glück kann ich mir jedes Spiel aussuchen, sie kosten ja nichts. Nur ein paar Cent für zusätzliche Waffen, eine neue Quest in meinem Lieblings MMO wollte ich mir noch im Ingame Shop besorgen. Ich gestalte mir die Spiele, wie ich mag.

Zukunftsmusik oder Horrorszenario?

Ist das, was bei Spielen zu funktionieren scheint übertragbar auf andere Software und Dienstleistungen? Bestimmt.

In vielen Bereichen kennen wir die Zusatzzahlungen. Bestimmen das Produkt, wie wir es möchten. Aber ist es wirklich immer sinnvoll?

In MMORPGS wird das F2P System nach wie vor verpönt, schnell kommt der Begriff „Pay 2 Win“ auf. Publisher und Entwickler sind auf Einnahmen aus, dass ist klar. Aber um jeden Preis? Wäre es sinnvoll um jeden Preis, das Geld auch bei anderer Software aus dem Kunden zu quetschen?

Spiele wie es dir gefällt. Frei und nichts wird dir aufgezwungen! So lautet der allgemeine Aufruf der Spielepublisher. Es kann durchaus sinnvoll sein, Spiele häppchenweise zu verkaufen, wenn ich mir Inhalte dazu kaufe oder es eben sein lassen kann, wenn mich diese Quest und der Handlungsstrang nicht sonderlich interessiert. So lange ich das große Ganze mitbekomme. Keine Einbußen habe. Auf nichts verzichten muss, wenn ich genügend Zeit habe.

Ich weiß noch nicht, was ich von den Ankündigungen der Ubisofts und EAs halten soll, dass F2P die Zukunft ist und auch auf Konsolen Einzug halten wird. Wo bleiben die AAA Blockbuster dabei? Ist F2P so vielversprechend, um große Titel damit vorzufinanzieren? Gibt es bei solchen Titeln sinnvolle F2P Vertriebswege? Ich bin skeptisch. So lange alles in einem annehmbaren Rahmen bleibt, werden sich Spieler und Publisher bestimmt irgendwo annähern können. Mein beschriebenes Szenario von oben wäre für mich eine Grenze, die nicht überschritten werden darf.

Dann bleibt nämlich die Frage wieder, wo ist es noch vertretbar und wo fängt eiskaltes Kalkül an?

Published inStorieschnipsel

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