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Was will ich…wirklich?

Stimmung

Der Abend hatte gut angefange, der Sturm beeindruckte mich wenig. Auch der Stromausfall war irgendwie etwas, mit dem ich gerechnet hatte. War vielleicht nicht ganz günstig gewesen dies auch auszusprechen, bevor es passierte – der Zusammenhang erschloss sich mir erst später. Alles war gut, bis Eve und Ronja das Haus verlassen wollten, weil sie irgendetwas gesehen hatten. Ein kurzer Gedanke meinerseits, aber nein um die Anwesenden musste ich mir keine Sorgen machen: „Ihr seid ja schon große Jungs.“, scherzte ich noch, bevor ich den beiden Frauen folgte. Ich redete mir ein, dass da wahrscheinlich gar nichts war, aber sie könnten Begleitung bestimmt gebrauchen – bei dem Scheißwetter.

Draußen hörte ich zwischen dem Lärm, den der Sturm verursachte meine Autoalarmanlage. Ich sollte aufhören solche Dinge auszusprechen, Michael wollte mich noch auf die Schippe nehmen, dass die Buche neben meinem Wagen ein guter Blitzfänger sei und doch darauf einschlagen könnte. Ich fluchte, vielleicht hatte er Recht gehabt… wäre dann aber auch egal gewesen, ich hatte wenig Lust bei dem Wetter zu gucken, ob der Wagen noch heil war, was hätte ich schon tun können?

Ronja legte vor, ich wusste nicht, was sie gesehen hatte, aber sie wollte es unbedingt herausfinden. Noch immer dachte ich mir nichts dabei – außer das es eine ziemlich blöde Idee war, bei dem Sturm jetzt draußen herum zu laufen. Das änderte sich schlagartig, als ich eine Gestalt erkannte, die sich beim Licht des nächsten Blitzes wieder ins hohe Gras drückte. Verdammt! Es war zu laut, als das Ronja mich gehört hätte – also sprintete ich los. Eve reagierte darauf einen Augenblick später und folgte mir.

Ich ratterte meine Möglichkeiten durch, das was mir am meisten fehlte war Zeit. Wir waren zu weit von Ronja entfernt und der Typ hielt sich nicht lange mit Zielen auf – er zog die Desert Eagle und drückte ab, Ronja reagierte zu spät. Das Krachen des Donners verschluckte den Knall des Schusses, nicht aber den Effekt. Ronja stürzte zu Boden, er hatte sie voll erwischt! Ich schaltete auf Magick um, beschleunigte mich noch mehr.

Er drehte sich zu mir herum und stampfte auf den Boden, einen Herzschlag später stolperte ich. Die Aufgebaute Geschwindigkeit riss mich unglücklich zu Boden und ein Schmerz durchzuckte meinen Fuß. Warum musste ausgerechnet an dieser Stelle eine Erdmulde sein?! Die Angst um Ronja, die mich eben noch angetrieben hatte wechselte schlagartig zu Wut. Zornerfüllt stemmte ich mich wieder auf und konnte gerade noch sehen, wie er einen Schwenk machte, um die Waffe auf Eve zu richten. Ich wollte mich vom Boden abstoßen und ihn umrennen – und trat komplett falsch auf. Der Schmerz im Fuß wurde noch heftiger und zischte durch das Bein nach oben bis er in meinem Kopf in Sternchen explodierte. Die Welt um mich wurde schwarz…

Irgendetwas rüttelte mich wieder wach. Das schlimmste befürchtend stieß ichd ie Person von mir. Dann bemerkte ich, dass es Eve war. Sie lebte noch – gut.

„Ronja?“, fragte ich als erstes. Ich wollte aufspringen, aber meinen Fuß konnte ich tatsächlich vergessen. Meine Gedanken überschlugens ich nicht, genausowenig meine Gefühle: Es war überraschend klar. Ich hatte Angst um sie… und noch nie so stark das Bedürfnis jemanden zu töten – aber nicht irgendwen, nicht unkontrolliert um dem Zorn ein Ventil zu geben. Es gab nurnoch ein Ziel. Er würde dafür bluten!

„Sie ist verwundet, Ben kümmert sich gerade um sie.“, war Eves Antwort. Sie war selbst voller Blut, bewegte sich aber fließend und uneingeschränkt, es schien also nicht so schlimm zu sein. Irgendwas schlich um uns herum, Eve eilte wieder zu Ronja und Ben.

Mir wurde aufgeholfen, sodass ich zumindest wieder stand – zwar mehr schlecht als Recht, da ich den Fuß nicht mehr belasten konnte, aber das war gerade meine kleinste Sorge.

„Dummes Teshi!“, fauchte Omega mich an. Das letzte mal, als sie mir so nah war, hatte ich keinen Herzschlag und ihre Krallen hätten mich beinahe zerissen. Vorsicht war geboten. Dennoch… irgendwo freute ich mich auch, sie nochmal zu sehen. Die Umstände waren nicht die besten – aber wann waren sie das je?

„Danke.“, ein Blick in die immernoch vom Sturm gepeinigten Umgebung. Stimmt, ich hatte den Bär noch gesehen… Ben und sie mussten ihn verjagt haben… er war nicht länger nur ein Schatten oder eine Kopie. Er war längst mehr geworden und hatte uns das gerade gut demonstriert. Also gab ich dem Problem einen Namen, denn er handelte als eigenständige Person. Ryuo. Ich war nicht wie er!
Omnias Worte kamen in einem Fauchen:“Wieso rennt ihr in den Sturm, wenn ihr nichts seht?“

Warum? Das hatte ich mich auch gefragt. Ronja…
„Sie hat sich wahrscheinlich Sorgen gemacht, dass da jemand Hilfe braucht….“, war meine logische Erklärung.

Er hatte genau gewusst, wie er uns rauslocken konnte: „Natürlich…was auch sonst…“, ich schrie wütend auf. Er hatte gewußt wie er Ronja dazu bekommt rauszukommen… er hatte gewußt das Eve und ich folgen würden… weil er die beiden kannte – so gut wie ich sie kannte. All das Wissen was ich über die zwei hatte – richtig eingesetzt, konnte es sie zerstören. Töten. Was hatte ich nur für ein Monster erschaffen… in mir kochte der Zorn – ich wusste nur noch nicht so genau ob er mir selbst galt oder Ryuo… was egal war, denn es kam alles von mir.

„Wer war das?“, zischte die Gangrel.
„Mein persönliches Problem…“, das war es. Es war etwas ziemlich persönliches.
„Er riecht wie du!“, fauchte sie wieder. Das auchnoch… gleiche Magick-Signatur, gleicher Geruch… ich fühlte mich irgendwie meiner Individualität beraubt.
„Er ist eine Kopie von mir….eine bösartige.“, das sollte sie verstehen.
„Sein Weg ist ein anderer als deiner…“
Mir schoss eigentlich nur ein Gedanke durch den Kopf: „Aber sein Weg ist auch nicht wie deiner!“
„Nein… sein Weg ist ganz anders als der von uns.“
Nachdem Omnia verschwunden war, kam Eve wieder und stützte mich. Ich wollte zu Ronja, ich musste sie sehen. Ich musste sehen was ich angerichtet hatte. Die Schuldzuweisung verschwamm, ich nahm die Verantwortung für seine Taten auf mich – weil er mein Spiegelbild war. Eine verzerrte Teshi-Version. Wäre ich wirklich dazu fähig gewesen? Ronja war nicht bei bewußtsein und blutete, das Ben mit einem Messer in ihrer Wunde herumstach schmerzte mich. Ich ließ mich neben ihr auf die Knie fallen – meinen Fuß entlastend.

Mir war zum Heulen zumute. Ronjas Kleid war blutgetränkt und ich musste unweigerlich daran denken, wie ich sie als Vampir gebissen hatte. Nichts hat sich verändert, absolut garnichts. Ich tat ihr immer noch weh!

Ben versuchte sie wach zu rütteln, vergeblich. Eve verzweifelte daran, dass sie Ronja nicht heilen konnte – sie war noch nicht soweit. Ich musste irgendwas tun… also versuchte ich mich in der Geisterwelt. Doch die Engelskreatur dort war mir auch keine Hilfe. Er war nutzlos für mich. Verflucht, was sollten wir tun? Meine Hände fingen an zu zittern. Die Kugel, die Ben aus ihr heraushohlte war aus Gold. Er ließ sie selbst schnell fallen, Werbären hatten da scheinbar ein Problem… das beunruhigte mich nur noch mehr. Ryuo war kreativ. Das mit dem Gold war nur eine Vermutung gewesen und er hat einfach mal herumexperimentiert. Ich hatte mich selbst unterschätzt – das Potential das in mir ruhte. Ryuo nutzte es… ich nicht. Konnte ich tatsächlich so ein gefährlicher Gegner sein? Ich musste in anderen Bahnen denken… sonst würde das niemals funktionieren. Ich musste mich beizeiten nochmal von außen betrachten – von einem anderen Standpunkt aus. Aber nicht jetzt. Die Sorge um Ronja und das intensive schlechte Gewissen nahmen mich schon genug ein.

Auf dem Weg zurück zum Haus dachten Eve und ich darüber nach, was wir den Anderen erzählen sollten. Nicht alle von ihnen waren übernatürlich – aber auf das einfachste kamen wir natürlich nicht. Dazu waren wir auch viel zu eingenommen von den Geschehnissen. Ben trug Ronja ins Haus, während Eve irgendetwas vor sich hinbrabbelte. so hatte ich mir die Ausrede mit dem vom Sturm umgeworfenen Baum nicht vorgestellt. Ich lenkte ein, aber es war letztlich auch egal. Das nächste Problem stand schon parat. Ronja brauchte einen Arzt, es gab aber weder Empfang noch Strom. Als Bens Kreislauf sich gerade verabschiedete, schickten wie die Anderen raus – sie sollten nachsehen, ob irgendeiner der Wagen noch fahrbereit war. Ich wusste aber bereits, dass dies nicht der Fall sein würde.

Moment… ich hatte alles vorausgeahnt und einfach den Fehler gemacht, nicht auf diese Ahnung zu hören. Warum nicht? Weil ich mir eingeredet hatte, diese Paranoia würde sowieso nichts bringen. Ich war so paranoid, dass ich abgestumpft bin bis ich schließlich zu leichtfertig war, als es dann tatsächlich passiert ist… ich hatte mich selbst ausgetrickst! Verflucht… Ryuo wusste natürlich nicht nur, wie er Ronja und Eve vernichten konnte, ich selbst war die Person, die er am besten kannte. Deswegen hatte er so lange gewartet! Ich hatte nicht schlecht Lust mir über meine Dummheit selbst den Schädel einzuschlagen.

Gambit war gar nichts im Vergleich zu ihm! Ich versuchte den Gedanken zu vertreiben, dass Ryuo mit ihm, Omega oder sonstwem paktieren könnte, um seine Ziele zu erreichen.

Published inRollenspiel-Storys

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