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when an eagle cry

Stimmung
Jules betrachtete das Handy lange, nachdem Rain aufgelegt hatte. Erinnerte sie sich etwas doch an ihre füheren Leben und hatte ihn angelogen? Er konnte sich das nicht vorstellen. Nicht sie, nicht Rain. Bei den Anderen im Coven wäre er bei Lügen nicht überrascht gewesen, denn jeder hatte seine Geheimnisse und wegen dieser zu Lügen war meist zum Schutz eines Anderen.
Er steckte das Telefon in seine Reisetasche, die bereits gepackt neben dem Bett stand und legte sich dann rücklings darauf. Seine blauen Augen starrten die weiße Decke an, wo sein Geist Rains Gesicht projizierte. Mit geschlossenen Augen roch er sogar ihr Haar und spürte ihre Wärme, wenn sie sich nah waren.
Dann durschnitten wieder Rains Worte seine Gedanken. „Sie sehen dich als Gefahr. Du hast dir den falschen Reisepass besorgt!“
So viele Sorgen, so wenig Worte….arme Rain, sie wusste wahrscheinlich nicht was ihn wirklich antrieb, oder wieso die Technokratie ihn tatsächlich als Gefahr ansah. Er hätte nicht gedacht das sie in der Ukraine so weit entfernt tatsächlich solche Informationen finden würde. Nun schuldete er ihr wahrscheinlich tatsächlich eine Erklärung. Nur das er es ihr auch erzählen können musste. Das würde aber sicher nicht funktionieren, wenn er an der Grenze oder am Flughafen einfach aufgehalten wurde. Er musste also eine Andere Möglichkeit finden dorthin zu gelangen und er hatte da auch schon eine Idee. Er würde sofort aufbrechen.

„Nein du kannst doch nicht einfach…“ Verena brach, als Jules die Hand hob, und sie damit unterbrach. „Ich habe dir doch schon gesagt das du mich nicht aufhalten kannst.“ Die Vorsteherin des Covens schüttelte nur den Kopf. „Ich will dich doch nur davon abhalten eine Dummheit zu begehen. Rain ist eine erwachsene Frau, die gut für sich selbst sorgen kann, das hat sie uns in der Vergangenheit mehr als einmal bewiesen. Du musst jetzt nichts überstürzen und dich selbst, und vielleicht sie, dadurch noch mehr in Gefahr bringen. Was, wenn sie dich tatsächlich an der Grenze aufhalten?“
Jules schüttelte entschieden den Kopf. Dafür brauche ich dich.“ Er hob die Sporttasche an, in dem seine Kleidung und auch alles andere, was er brauchte, verstaut waren. „Ich kann sie nicht mitnehmen, du wirst sie mir wohl nachschicken müssen.“
Verena starrte ihn fassungslos an. „Nachschik…Jules Lefort! Du hast doch nicht etwa vor was ich denke was du vor hast oder?“ Die Unnachgiebigkeit mit der die Frau, vor der er größten Respekt hatte, sprach veranlassten Jules stehen zu bleiben und nicht einfach zu gehen. Trotzdem antwortete er mit derselben Entschiedenheit. „Doch! Ich werde mich nicht verlieren, solange ich ein Ziel habe auf das ich hinarbeiten kann und das ist Rain! Wenn ich bei ihr bin werde ich ja wieder zum Menschen. Außerdem kann mich so niemand aufhalten.“
„Du weißt genau wie gefährlich das sein kann! Du hast, wenn du da ankommst nicht einmal Magik zur Verfügung!“
„Das ist doch wohl nicht so wichtig wie Rain oder? Oder willst du mir etwa sagen das sie dir egal ist Verena?“ Das Oberhaupt des Zirkels schnappte bei diesen Worten vernehmlich nach Luft und sah Jules fassungslos an. Ihr Mund ging auf und zu, weil sie nicht wusste was sie sagen sollte, während Jules den Kopf schüttelte und die Tasche an Ort und stelle fallen lies. Mit einem „pumpf“ schlug die Tasche auf dem Rasen auf und Verena fand ihre Sprache wieder. „Du weißt sehr genau, das sie für mich, wie jedes Mitglied unsere Covens, wie ein eigenes Kind ist! Ich würde nie zulassen das ihr etwas passiert und genauso werde ich nicht zulassen das du dich in Gefahr begibst und darin umkommst! Das würde ich mir nie verzeihen und Rain würde es mir auch nie verzeihen! Weißt du eigentlich das du der wichtigste Mensch in ihrem Leben bist?“

Der Gefühlsausbruch überraschte Jules nicht, er hatte ihn sogar erwartet aber ihre Worte brachten eine Saite in ihm zum klingen, die er bisher sorgfältig daran gehindert hatte sich zu bewegen. Er schloss wieder die Augen, um noch einmal Rains Gesicht zu sehen, ihr Haar zu fühlen, ihren Geruch zu schmecken, dann blickte er Verena wieder an.
„Ich muss gehen supérieure. Ich kann nicht bleiben und lieber verliere ich mich, bevor ich sie dort allein in Gefahr schweben lasse und sie vielleicht nie wieder sehe.“
„Das verstehe ich ja auch Jules, aber wieso musst du denn bitte diesen Weg gehen? Du bist kein Meister und selbst ich mache die Selbstverwandlung nur unter äußerster Vorsicht!“
Jules hatte bereits damit begonnen sich auszuziehen und legte soeben das T Shirt beiseite und machte sich daran die Hose auszuziehen, als er Verena antwortete. „Das ist mir alles bewusst. Denkst du denn wirklich ich würde einfach so etwas unüberlegte tun? Außerdem bin ich ja nicht ganz Schutzlos, denn den Anhänger kann ich ja mitnehmen.“
Die Älteste seufzte und blickte sich im Garten um, der versteckt in der Millionenmetropole Paris lag. Nur zwei andere ihre Zirkels waren derzeit dabei den Garten zu pflegen, aber keine der Beiden hatte ihren Ausbruch länger verfolgt Jeder hier wusste, um Jules Nervosität, weil Rain in die Ukraine gegangen war und irgendetwas passiert war, worüber er nicht sprechen wollte. Sie hob seine Sachen auf und als er das einfache Lederband mit dem kunstvoll geschnitzten Lapislazuli oben drauf legte musterte sie den jungen Mann vor ihr noch einmal eingehend. Sein Körper war muskulös, was man ihm meist nicht ansah, braun gebrannt und die Haut leicht ledrig von der vielen Arbeit draußen, war er wirklich hübsch.
„Viel Glück dir!“
„Danke, das kann ich brauchen.“
Mit diesen Worten nahm Jules den Anhänger wieder an sich und schloss ihn in beide Hände, als würde er beten. Zwischen den gekreuzten Fingern trat langsam ein grünlicher Dampf aus, der sich um Jules Gliedmaßen wand, während der Körper des jungen Franzosen langsam schrumpfte. Federn sprießten aus seinem Kopf, wo eben noch die Haare gewesen waren. Die Nase krümmte sich und wurde zu einem spitzen Schnabel. Die Beine wanden sich und wurden schließlich zu messerscharfen Klauen, als sich schließlich der Majestätische Adler aus dem kleinen Innenhof erhob da blickte Verena ihm voller Stolz und Trauer hinterher.
Abschließend hob die Verbena die säuberlich zusammengelegte Kleidung empor und reckte sie so dem Himmel entgegen. Es schien, als wollte sie dem Adler einen Altar errichten und tatsächlich stieß das Tier noch einmal herab, nur um mit einem Schrei des Abschieds aus dem Blickfeld der Schwester zu verschwinden. Sie lächelte, trotz das eine Träne ihre Wangen herab rann.
„Viel Erfolg Jules!“

Published inRollenspiel-Storys

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