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[y? Blood!]: I – Our Sins

Ich erinnere mich nicht mehr genau wann alles begann, aber für mich ist dieser eine Moment noch sehr gut in meinem Gedächtnis geblieben. Damals konnte ich meine eigene, schluchzende Stimme vernehmen, welche die Worte sprach: „Warum kann es nicht einfach alles aufhören?“ Aber es klang fremd, obwohl ich es selbst ausgesprochen hatte.

Auch, wenn die Frage nach dem Warum selten eine Antwort bekommt, stellte ich sie. Ich war verzweifelt – und fühlte mich allein. Mein Zwillingsbruder lag vor mir auf dem Boden, sein Hals war aufgerissen und es quoll noch immer etwas Blut daraus hervor. Eben noch hatten wir uns gestritten und nun hatte ich ein schlechtes Gewissen – als hätte ich ihn selbst getötet. Ich hatte ihn allein gelassen, hatte ihm den Tod gewünscht…

Es war eingetreten, sein Körper lag schlaff auf dem kalten Betonboden. Ich hätte mir niemals so etwas wünschen dürfen!

Da saß ich nun also und betrauerte mich und die Welt, die vor die Hunde ging. Die alte Fabrik in der ich auf dem Boden saß spiegelte bloß das wieder, was war. Die Fenster waren zerstört, es hing noch etwas von dem milchigen Glas an der Mauer. Der Backstein war rissig und bröselte bereits ab, ganz zu schweigen von dem großen Loch in einer der Außenwände.

Am Boden lag Asche und schwärzliches Blut, seltsame Symbole hatten sich über den Boden verteilt und glimmten noch schwach nach. Aber auch sie verschwanden mit der Zeit – die Energie verblasste. Es blieb nur noch das stete aufblinken einer kleinen Lampe, welche an der Maschinerie angebracht war. Die Maschine wirkte klobig, obwohl mehrere Bildschirme daran befestigt waren. Ziffern und Buchstaben ratterten in unterschiedlichen Geschwindigkeiten über die Displays und ergaben für mich überhaupt keinen Sinn. Aber ich hatte zugehört, dieses Code-Monster war ein großes Projekt. Es wurde zusammengetragen von drei Individuen und es fehlte nur noch ein kleiner Teil um das Projekt abzuschließen. Zu blöd, das die drei Beteiligten jetzt tot waren. Projekt Genesis war gestorben. Diese Variante zur Rettung der Welt fiel also weg.

Es ließ mich kalt. Es interessierte mich nicht. Vielleicht, weil ich es nicht verstand. Vielleicht, weil mir die Welt egal geworden war. Mein Bruder war tot. Meinetwegen. Es gab nichts, was das wieder gut machen konnte. Aber ich war nicht bereit ihm zu folgen. Das war kein Ausweg für mich.

Ich musste die Dinge zu Ende bringen.

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