Zum Inhalt

Kapitel 5 – Das Vermächtnis der Jeanne d’Arc

Stimmungsmusik

Niklas lehnte an der blutgetränkten Kellerwand, den Blick starr auf Markus, der vor ihm am Boden lag – einen Holzpflock im Herzen und Blut um die Augen. Am rechten Ohr hielt Niklas sein Handy und obwohl Spice am anderen Ende der Leitung schluchzte und schniefte, war sein Gesicht fern von jeglicher Emotion. Er hörte ihr einfach nur zu, hatte einen dicken Kloß im Hals, wusste nicht was er sagen sollte. Er fand keine Worte für sie. Die Ereignisse hatten sich überschlagen. War das alles Schicksal?

Vor zwei Monaten hatten irgendwelche Vampire seine Mutter und seine Schwester hingerichtet, er hatte von seinem Vater kurz zuvor erfahren, dass dieser ein Vampirjäger und Markus ein Vampir sei. Jetzt endlich hatte er ihn gefunden, inmitten eines Schlachtfeldes – eines Krieges der Vampire. Immer hatte Niklas seinen Vater dafür verachtet, dass er ihn in diese Hirngespinste einweihen  wollte und auf einmal steckte er selbst mitten drin. Viel tiefer, als er es je gewollt hatte.

Er wusste nicht, was hier passiert war, aber er wusste das es nicht gut war. Nicht nachdem was passiert war, was er mitbekommen hatte. Es gab keine Hoffnung mehr für das Licht. Die letzte nahm Spice ihm gerade. Sie war zerbrochen und er konnte ihr keinen Halt geben, war er selbst längst am Rande der Klippe angelangt.

„Ich werde heute Abend nach Orleans fliegen, das ist der früheste Flieger den ich bekommen kann.“, schluchzte Spice in das Handy. Niklas schloß die Augen. „Mein Beileid.“ Mehr brachte er nicht hervor. Sie so zu hören war Gift für ihn. Er hatte erst gerade selbst seine Familie verloren, mochte das Band noch so locker gewesen sein. Es waren seine Wurzeln, ebenso wie Markus ein Teil davon war. Jetzt hatte jemand Spice entwurzelt. Ihre Mutter war gestorben, wie Niklas gleichzeitig erfuhr war sie die letzte Familienagehörige von Spice gewesen, die noch existierte. Sie waren im Streit auseinander gegangen und jetzt plagte sie das schlechte Gewissen. Sie wollte nur noch zur Beerdigung, dann sollte sie hinfliegen. Er konnte ihr nicht helfen, war nicht fähig ihr zur Seite zu stehen.

Nicht jetzt wo er Antworten bekommen könnte. Es hieß warten, der Tag brauchte noch viele Stunden bis er vorüber war und er war sich noch nciht sicher ob es ein Fehler sein könnte den Holzpflock zu entfernen. Er wurde gewarnt vor der alles vernichtenden Raserei der Vampire… aber war das jetzt noch wichtig? Eine Leere erfüllte ihn, als war etwas gestorben, das ihn immer begleitet hatte, seit…

Das Handy klingelte abermals, es war nicht nochmal Spice, sondern Stefan. Seine Stimme klang aufgewühlt, fast so wie die von Spice eben. Niklas öffnete die Augen wieder und starrte auf die Wand ihm gegenüber. Das schlechte Gefühl war wieder da.

„Irgendein Irrer, sag ich dir. Die ganze Wohnung war voller Blut. Fuck, mir ist immer noch schlecht, Niklas. Du hättest Sascha sehen sollen, kreidebleich, sag ich dir. Er steht auch noch unter Schock und wird gerade im Krankenhaus durchgecheckt.“

Niklas flüsterte, es war ein bedrohliches Flüstern einer Zeitbombe: „WER, Stefan. Komm zum Punkt.“

„Kai ist tot, Niklas. Irgendein Killer hat ihn in Scheiben geschnetzelt und sein Blut gesoffen. Sascha hat ihn gefunden, als er ihn besuchen wollte. Wegen der Probe wie du weißt. Das war ein Massaker, sag ich dir. Wer tut sowas?“, Stefans Stimme sackte ab, die Verzweiflung konnte man deutlich heraushören.

Um Niklas herum bildeten sich Risse in Wänden und Boden, sogar die Plastikschale des Handys platzte auseinander, Markus durchzogen schwarze Linien und teile des Holzpflocks fielen auf seinen Körper, als dieser splitterte. Die Umgebung vibrierte und es brökelte Putz von der Decke, alles zog sich in einem Strudel langsam zusammen und die Energie die sich in Niklas konzentrierte war greifbar. Die Stimme von Stefan dehnte sich zu einem einzigen tiefen Ton, während Niklas zeitlupenartig die linke Hand zur Faust ballte.

Die Quintessenz, die aus seiner Umgebung in ihn floß, fing an zu pulsieren, sich seinem zornigem Herzen anzupassen und im Takt zu schlagen. Mit einem mal stand die Luft und es schien als wäre die Schwerkraft aufgehoben worden. Niklas Blick war vor Zorn verklärt, welcher ihn einnahm. Er war trunken von der Macht die ihn durchflößte und hob den linken Arm, öffnete die Hand… er wollte einfach nur noch alles Zerstören. Vernichten was ihn vernichten wollte. Ein Ventil finden und diese Vampirbrut auslöschen.

…doch alles verpuffte, als er auf die Spielkarte vor sich blickte. Die Welt drehte sich, dann fiel er in den Staub.

Tarot seufzte und steckte die Karte wieder weg. Dann machte er sich daran die beiden Freunde aus dem Keller zu bekommen. Er würde den Hut flicken müssen, dieser Magus hatte ein Loch hineingerissen.

Published inAllgemein

Schreibe den ersten Kommentar

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.