Zum Inhalt

Autor: Nadine Posny

[Kristin] Kirschgrün

Musik

Scott kippte seinen Kopf in den Nacken und den Inhalt des kleinen Glases den Rachen herunter. Als er das Glas mit einem krachen auf den Tisch schlug, sog er die Luft scharf ein. Sein Gegenüber lachte, Scott blinzelte einmal und grinste dann: „Noch so einen!“
„Jetzt übertreibs nicht gleich.“
Aber Scott fuchtelte mit der Magnum, als er mit der Hand eine wegscheuchende Geste machte, sodass der Andere sich erhob und Scotts Glas mitnahm.

[Michael] Sternenstaub

„Wenn in L.A. die Sonne aufgeht ist es als würde man auf den Ruinen eines besseren Lebens stehen.“  Michael sah die 8 Stufen des Hauseingangs runter bis auf die unterster Stufe, wo ein etwa sechzig jähriger, schwarzer, Obdachloser stand und philosophierte. Er grinste den alten Mann an: „Oscar das klingt so gar nicht nach Dir.“
„Danke Sir, das ist es auch nicht.“ Oscar sah zu dem jungen Deutschen auf und betrachtete seine hagere Gestalt. Seine blauen Augen wirkten wach und unruhig, wie auf etwas gerichtet, dass man auf den asphaltierten Straßen der Stadt nicht wahrnehmen konnte. Seine dunklen Haare umrahmten sein Gesicht und gaben Michael eine mysteriöse, anziehende Aura.
„Ist nicht viel passiert hier in der Gegend. Die üblichen verdächtigen und Mrs. Dreyfuss aus der 118 ist ins Krankenhaus eingeliefert worden. Wohl ein Herzinfarkt.“ Er zuckte mit den Schultern, als würde er es bedauern, sich aber dem Schicksal beugen, dass Leuten aus dieser Gegend nunmal widerfährt.
„Naja, man kann nicht immer Glück haben!“ Michael warf dem alten Mann eine Orange zu und bestätigte Oscars Schicksalsergebenheit. „Hier, ein paar Vitamine.“ Dann überreichte er ihm drei Dollar. Er war seine beste Quelle in diesem Viertel und lebte direkt unter der Treppe zum Hauseingang.

[Hardy] Danke für den Fisch

Es klang beinahe wie ein Krachen, als Eliol die Wohnungstür von innen aufdrückte. Irgendwann musste er Geld zurücklegen, um das reparieren zu lassen. Später.
Er lehnte die Tür an, um gleich wieder herein zu kommen. Die Tür war so verzogen, dass sie auch so irgendwie zu war. Seine Schritte führten ihn die Treppe hinauf, rauf auf das Flachdach des Wohngebäudes. Von hier hatte man gerade mal einen Überblick über die Betonwüste dieses Blocks und er zeigte sich Nachts, so wie jetzt, mit langen Schatten und herumirrenden Seelen, die heute kein Dach über dem Kopf haben würden.

in & sane I: Meine erste Erinnerung

Meine erste Erinnerung ist schwarzweiß und es ist nur ein Bild. Keine Situation, nur ein paar Gefühle und Eindrücke. Ich habe mich vor über zwei Jahrzehnten versucht, zurück zu erinnern. Was ist das erste, woran ich mich erinnere? Dieses Bild habe ich gespeichert und es ist, weil ich mich bewusst um diese Erinnerung bemüht habe, so geblieben. Auch wenn ich mir jetzt nicht mehr sicher bin, ob es nur ein Traum war. Ich habe entschieden, dass dies meine erste Erinnerung ist.