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Gefährliches Wissen

Stimmung

20.06.2012

Die Feuer waren gelöscht und das Metall bereits erkaltet. Trotzdem hing immer noch der Geruch von verbrannten Fleisch und kochendem Benzin. Einige waren bei dem Unglück gestorben. Eine gerissene Leitung hatte eine unheimliche Kettenreaktion ausgelöst, welche beinahe die gesamte Raffinerie in Schutt und Asche gelegt hatte. Besonders den Forschungstrakt, mit dem darin enthaltenen Archiv hatte es schwer getroffen. Eigentlich seltsam, da es hier überhaupt keine Leitungen gab die mit dem Rest der Anlage verbunden waren. Aber ein wenig Beeinflussung hier, ein paar Scheine dort. Niemand stellte Fragen. Seufzend schlenderte er durch die Trümmer des Archivs. Viel war von dem Gebäude nicht übrig geblieben, als der Mann mit der Knochenmaske gewütet hatte.

Der lange Ledermantel strich über zusammengeschmolzenes Eisen, das einmal die Regale im Keller des Archivs gewesen waren. Wie viel Zerstörung doch von einem Mann mit einer Klinge ausgehen konnte. Ein Lächeln überzog Michaels Lippen. Schon seltsam. Früher hatte auch Teshi mit einem Schwert oder besser einem Katana gekämpft und war damit unheimlich erfolgreich gewesen. Jetzt nutzte er eine goldene Desert Eagle und vertraute auf die Kugeln, die sie ausspuckte. Aber erschießen konnte er damit niemanden. Der Mann mit der Knochenmaske hatte einen Zerstörungsdrang sondergleichen. Er hatte sich einfach durch die Verteidigungslinien der Station geschlachtet, ohne sich aufhalten zu lassen. Egal was ihm entgegen geworfen wurde, alles hatte er ausgehalten oder war ihm ausgewichen.

Nun musste er einen Bericht schreiben und diesen weiterleiten. Wahrscheinlich würde er sich auch noch dafür verantworten müssen wieso das Konstrukt 01 – A zerstört worden war. Er zog seinen Tricom hervor und betrachtete das Display. Die Messwerte zeigten erhöhte Werte in der Entropiesphäre und dem Bereich der Kräfte. Er schien verschiedene Sphären zu beherrschen aber war er wirklich ein Magus? Das ist war wirklich eine gute Frage, die er eigentlich beantworten musste, bevor er den Bericht schrieb. Zu schade das er nicht in der Lage war das Wesen zu fassen zu bekommen. So konnte er ihn nicht Untersuchen und keine definitive Aussage dazu treffen.

Die Daten wertete sein kleines Spielzeug automatisch aus, aber diese Daten passten scheinbar nicht in ein Muster das das Gerät lesen konnte. Michaels Augen verengten sich, als er die Fehlermeldung las, die die Daten bei seinem Tricom verursachten. Wie konnte dieses Ding eine Fehlermeldung anzeigen? Das Teil war gegen sämtliche Wahrscheinlichkeiten abgeschirmt. Es dürfte gar nicht kaputt gehen. Er rieb sich über das Kinn, während er immer noch das Display betrachtete, welches nun vollkommen eingefroren war und auf dem immer noch die Fehlermeldung in roten Lettern prangte.

SCHALTKREISÜBERLATUNG!

BITTE GERÄT REKALIBRIEREN!

BERECHNUNGEN FEHLGESCHLAGEN!

SEQUENZ BEENDET!

Dann hielt er inne. Vor seiner Nasenspitze war etwas aufgetaucht. Er war so auf sein Spielzeug fixiert gewesen das er gar nicht gemerkt hatte das er weiter gegangen war. Zu seinem Glück war er auch instinktiv stehen geblieben, um nicht gegen das neue Hindernis zu stoßen. Das Hindernis war ein schwarzes Katana, das jegliches Licht zu absorbieren schien. Die Spitze dieser Waffe war nun nur noch Millimeter von seiner Nasenspitze entfernt und ein weiterer Schritt hätte ihn definitiv in die Klinge rennen lassen. Gleichzeitig war er sich sicher das die Klinge ohne nennenswerten Widerstand durch seine Haut gefahren wäre und er das Eindringen erst bemerkt hätte, wenn sie sein Gehirn durchbohrte.

Sein Blick glitt die Schwärze entlang, die mit Sicherheit kein Stahl war, sondern irgendetwas anderes. Über den Griff, den muskulösen Arm entlang bis zum Masken bewährten Gesicht des Trägers. Er schluckte und sein Herz begann schnell Adrenalin in seine Adern zu pumpen. Wieso war er wieder gekommen? Er hatte doch alles vernichtet was es hier gab.

In den Augen der Maske suchte er nach dem Grund aber er fand nur schwarze Pupillen mit gelben Iren darum. Absolute Finsternis und nichts was man mit Technik erklären konnte. Er schüttelte den Kopf und ging einen Schritt rückwärts. Das Wesen folgte ihm und senkte die Klinge auch nicht. Langsam hob er die Hände nach oben, um zu zeigen das er unbewaffnet war. Was natürlich nicht stimmte, aber das wusste sein Gegenüber hoffentlich nicht. Dieser bewegte auch nur seine Augen und sie folgten….folgten seinem Tricom. Deswegen war er also hier. Er hatte Daten vernichtet und sein Tricom war das Einzige was seiner Aufmerksamkeit entkommen war. Natürlich er hatte sich ja auch nicht eingemischt, sondern war kurzzeitig Anastasia, Teshi und Rain gefolgt. Dadurch war er ihm wahrscheinlich entkommen und die Daten konnte er aus unbeschädigten Fragmenten rekonstruieren. Scheinbar missfiel ihm das aber.
„Du willst die Daten hm?“
Keine Antwort. Womit hatte er eigentlich gerechnet, außer zu Brüllen schien er ja nur per Gedankenmagie kommunizieren zu können. Nur konnte er seinen Tricom unmöglich jetzt benutzen, er würde ihn wahrscheinlich einfach in Scheiben schneiden.
„Wenn du ihn willst hier!“
Die Armbewegung sah er nur verschwommen, als das Schwert den Tricom in zwei Hälften spaltete. Instinktiv lies er sich zu Boden fallen und hätte er es nicht getan dann wäre sein Kopf jetzt sicher einige Meter von seinem Körper entfernt. Er rollte sich zur Seite und entging zu der zupackenden Hand. Weiter kam er nicht, denn die Klinge bohrte sich vor ihm in den Boden. Er erstarrte und spürte die Hand nach seinem Hals greifen. Er wollte sich wegdrehen aber der Griff war unerbittlich. Michael bekam keine Luft mehr, wurde emporgehoben, auf Augenhöhe mit dem Mann hinter Maske. Die schwarzen Augen musterten ihn mit vollkommener Gleichgültigkeit und doch einer Aggressivität und einem Hass der keinem wirklichen Grund brauchte um zu brennen.

Die Klinge drang wie Butter durch seine Eingeweide, als das Wesen sie in ihn hinein rammte. Nicht langsam quälend, sondern schnell und brutal. Er zog die Luft ein, was vollkommen ohne Wirkung blieb. Die Hand des Angreifers schnürte ihm die Kehle zu, das Schwert fühlte sich an, als würde es brennen. Als würde es seine Eingeweide von innen zerfressen. Blut füllte seinen Mund und sein Blick verschwamm langsam. Die Knochenmaske wurde zu einem weißen Fleck, der Schmerz zu einem inneren Höllenfeuer und das letzte was er sah, bevor Dunkelheit seinen Geist umfing war Severedonetsk von oben. Diese Vergessene Stadt mitten in der Wüste, wie sie in der Morgensonne dalag nur auf die heißesten Stunden wartete.

Published inRollenspiel-Storys

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