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Die Camarilla

„Vincent Lehmann von Haus und Clan Tremere.“, der Kainit deutete eine Verneigung mit dem Kopf an: „Sie haben leider nicht auf meine Anrufe und eMails reagiert, weshalb ich nun persönlich erschienen bin.“

Die Gestalt auf dem Thron des Prinzen nahm die rechte Hand von der Lehne, um damit sein Kinn zu stützen. Der Raum war in Dunkelheit gehüllt, nur ein Spotlight erhellte den Platz, an dem der Tremere stand. Dieser hatte ein freundliches Lächeln aufgesetzt und suchte den Blickkontakt zu dem Prinzen, welches in Ermangelung der Sichtbarkeit dessen Augen unmöglich war.

Also räusperte Herr Lehmann sich, bevor er fortfuhr: „Verzeihen sie, wenn ich dies so offen anspreche. Die Camarilla hat Bedenken darüber geäußert, dass in ihrer Domäne einige Kainiten vernichtet wurden. Darunter befanden sich auch Angehörige meines Clanes. Sie können sich ja denken, dass auch der Clan Ventrue die Meinung vertritt, dass derartige Vergehen zwar geahndet werden müssen, wir das mit unseren Clansbrüdern und -schwestern aber vorzugsweise selbst erledigen.“, er versuchte es nicht vorwurfsvoll klingen zu lassen. Vielmehr war es warnend der kommenden Konsequenzen.

Der Prinz legte seine Hand wieder auf die Lehne und das elektrische Licht des Raumes wurde langsam heller, sodass die Lampen an der Decke langsam auch den Thron beleuchteten. Der Rabe auf der Schulter des Kainiten auf dem Thron starrte den Tremere in Grund und Boden, sodass dieser mit einem unsicheren Lächeln auch die weiteren Tiere bemerkte, welche sich um den Gangrel vor ihm geschart hatten. Da waren Fledermäuse, Krähen und ein weißer Wolf, welcher neben dem Thron lag.

Spank hatte sein bestes, tierhaft-finsteres Niederstarren aufgesetzt und sprach: „Das sowohl mein Clan und damit auch diese Domäne kein Teil der Camarilla mehr ist, können Sie sich ja denken.“ Dabei äffte er den Tonfall des Tremere nach. Dieser gab sich Mühe den Blickkontakt zu dem Gangrel im Anzug zu halten.

Spank lächelte und entblößte dabei seine Fänge: „Außerdem sind ihre Informationen falsch.“ Mit einem Schnippen der Finger rief er einen Handlanger auf den Plan, welcher aus der Dunkelheit hervorkam. Es war Vincent Fischer, welcher wortlos neben den Thron trat und in den Boden griff. Als der Tremere seinem Tun mit den blicken folgte, erkannte dieser, dass im Boden mehrere Platten eingelassen waren, die sich mit einem Zug an den entsprechenden Henkeln wie Falltüren öffnen ließen.

Der Brujah zog an einem dieser Henkel, sodass er einen gläsernen Sarg aus dem Boden ziehen konnte, welcher nach einer bestimmten Höhe einrastete, sodass er nicht zurück in den Boden rutschte, aus dem er kam. Der gläserne Sarg stand aufrecht, sodass man die Person, welche darin ruhte gut sehen konnte. Der Gast schluckte, als er darin die gepflockte Clansschwester Amanda Darleen erblickte. Mit einem weiteren Geräusch rastete dann auch der zweite, rohrförmige Sarg aus kugelischerem Glas ein. Darin befand sich Hedeonis.

Spank wartete einen kurzen Moment und gab dem Tremere genügend Zeit, die beiden stillgelegten Vampire zu betrachten, welche rechts und links vom Thron zur Schau gestellt wurden: „Wie Sie sehen können, wurden diese Kainiten nicht vernichtet. Sie müssen sich also keine Sorgen machen, dass wir – als unabhängige Domäne – ihre Traditionen missachten würden.“

„Allerdings… „, mit einer knappen Verneigung wandte der Tremere sich zum gehen. Jegliche Argumentationsbasis war zerschlagen worden. Er musste wiederkommen und sich bis dahin etwas neues überlegen.

Als die Türen des Thronsaals wieder geschlossen wurden, stieß sich der Rabe von Spanks Schulter ab und verwandelte sich im Landeanflug auf den Boden wieder in die humanoide Gestalt Cuervos. Er blickte zu Spank und Vincent Fischer zurück und nickte knapp. Das sollte anstelle eines ‚gut gemacht‘ ausreichen.

Published inRollenspiel-Storys

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