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I kill you until you die!

Stimmung

Inoue blickte in den Trainingsraum. Nur eine Person war darin und wirbelte mit dem Shinai durch die Luft. Die Bewegungen wurden immer schneller. Am Anfang noch kraftsammelnd und beherrscht veränderte sich die gesamte Bewegung zu einer Triade des kalten Hasses. Angriffsschläge und schützende Verwirbelungen kombinierten sich zu einem flirren in der Luft. Das war nicht der erste Anlauf, die anderen Trainingsgeräte lagen verstreut im Raum herum. Viele davon waren ihm einfach aus den Händen gerutscht oder von seinem Körper abgeprallt, als er sich durch einen Fehler selbst getroffen hatte. Der Schweiß ließ seine Haut glänzen und man konnte selbst unter dem indigofarbenem Trainingsanzug deutlich sehen, dass er mittlerweile am Ende seiner Lungenkapazität war.

„Wie lange macht er das schon?“, fragte Adrian den älteren Inoue, als er dazu kam.

„Seit einer Stunde etwa.“, antwortete der Japaner, während beide weiterhin in den Trainingsraum blickten.

Teshi beendete die rasenden Bewegungen mit einem Frontalstoß nach vorn. Dabei kanalisierte er das Chi in die Bewegung, schickte es durch das Shinai und entlud es dort mit einem gezielten „Ki!“. Die Waffe zersprang, die Bambusstäbe rissen auseinander und segelten durch die Luft. Teshi ließ die Reste der Übungswaffe fallen und sackte runter auf ein Knie, sein Atem ging schwer. Endlich hatte er es geschafft…

Er unterdrückte gerade noch einen Schmerzenslaut als ein stechender Schmerz durch seinen rechten Arm schoss.

„Hey, alles klar bei dir?“, Adrian war zu Teshi gegangen. Die Antwort war nur ein knappes Nicken, das einzige, was Mann in dieser Situation als Antwort geben konnte.

Wenig später standen die beiden draußen. Adrian scherzte noch darüber, dass die Strohpuppen bestimmt aus einem dieser schlechten Kungfu-Filme geklaut waren. Teshi konzentrierte sich aufs Bogenschießen.

„Wenn dein Gegner zuweit von dir entfernt ist und du genau weißt, das du ihn nicht einholen kannst, brauchst du eine Waffe für die Entfernung.“, hatte Teshi kühl erwähnt. „Das Problem des Bogens ist nicht die Geschwindigkeit des Schusses, die modernen Waffen jagen dir allerdings gleich mehrere Kugeln um die Ohren… ich muss also kalkulieren nur einen einzigen Schuss zu haben.“

„Manchmal bist du echt gruselig, Teshi. Mal sehen wann ich dich wegen Mord verklage.“, Adrians Stimme sagte mal wieder nicht aus, ob er das ernst meinte oder nicht. Aber Teshi schien das auch gar nicht zu interessieren. Er feilte daran, schnell hintereinander die Pfeile in die Strohpuppen zu jagen, aber so recht zufrieden war er damit nicht.

Irgendwann senkte er den Bogen wieder und blickte Adrian ernst an: „Hör zu, es gibt Leute, die kann man nicht vor ein Gericht schleppen und einfach einsperren lassen. Diese Kreaturen sind schlimmer als irgendein Massenmörder oder Sexualverbrecher. Hannibal Lecter ist ein Lamm gegen die Leute, die ich meine… hab ich dir eigentlich mal von der Leiche an meiner Garage erzählt? Der Typ, der dahinter steckt hats auf Ronja abgesehen…“

Teshi atmete einmal tief durch und schloss dabei seine Augen, bevor er weitersprach: „Er macht sich offensichtlich einen Spaß daraus sie zu foltern und das kann erst aufhören, wenn der Typ Asche ist. Dir muss ich wohl nicht erzählen, dass überlebende Opfer von irgendwelchen Psychopathen immer in der Angst leben, das der Peiniger zurückkehren kann, solange er noch lebt. Das klingt jetzt zwar ein bisschen krass und ich weiß auch gar nicht genau was er mit ihr zu tun hat. Aber er hat es geschafft ihre Seele zu erschüttern…“, er sprach nicht weiter, seine Augen erledigten dies für ihn.

Teshi war schonwieder auf der Jagd.

…Ich habe es in ihren Augen gesehen.

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き- ki, jap.: zerbrechen

Published inRollenspiel-Storys

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