Zum Inhalt

Kapitelabschluss: Konstrukt 01B I

Die Landschaft um sie herum hatte sich kaum geändert, seit sie die Stadt verlassen hatten. Die Wüste schloss diese Stadt ein, wie ein Gürtel. Es war zwar seine Sand- oder Felswüste, aber dennoch ein ziemlich ungastlicher Ort. Vor ihnen lag eine weitere der Wetterstationen. Der Kegelförmige Betonklotz sah mit seinen Antennen aus, wie aus einem Science Fiction Film, aber Jules, wie auch Gambit wussten, dass diese Annahme nicht so falsch war. „Meinst du hier finden wir was wir suchen?“ fragte der Franzose, während Gambit bereits mit geschlossenen Augen die nähere Umgebung durchstreifte. Jules beobachtete den Magus dabei. Obwohl er noch sehr jung war, hatte er bereits eine erstaunliche Machtfülle angesammelt. Er ging seinen Weg zur Erleuchtung, aber irgendwann würde er sich entscheiden müssen. Irgendwann würde der Tag kommen, an dem er Anastasia zurücklassen müsste. Kurz fragte er sich, ob sich die Beiden darüber im Klaren waren? Er war sich nicht sicher, aber das war nun einmal der Weg den Gambit für beide eingeschlagen hatte.

 

Gambit hatte sich inzwischen zwischen zwei Dünen hingekniet und seine Hand auf den Boden gelegt. Der Verbena schloss ebenfalls kurz die Augen und sah die Energieströme aus Quintessenz, die der Traumsänger durch den Boden schickte, um das Stromkabel zu finden. Schließlich erhob er sich wieder. „Genau hier.“ Jules hob eine Augenbraue, sagte dazu aber nichts. Gambit würde kaum die ganze Operation gefährden, nur weil er unbedingt beweisen musste, einen Energiestrom finden zu können. Egal wie jung er noch war, seine Reife war beachtlich, besonders was den Einsatz seiner Macht anging.

Jules nahm die Samenkörner aus dem Lederbeutel, den er mitgebracht hatte. Immer noch konnte er nur wenige Kräfte wirklich nutzen. Ihm fehlten noch immer die Utensilien, um seine Magik wieder voll ausschöpfen zu können. Aber zumindest Leben konnte er geben. Er vergrub die Samen in der harten Erde und biss sich dann in den Finger, bis Blut kam. Er lies sein Blut über die Samen fließen und holte das Medaillon hervor, um einen leisen Singsang anzustimmen.

Gambit beobachtete unterdessen die Umgebung und natürlich Jules. Der Verbena hatte seine ganz eigene Art Magik zu wirken. Im Gegensatz zu Rain, die mehr mit Blut tat, machte er das indem er natürliche Energien der Umgebung manipulierte. Natürlich wäre eine Diskussion mit ihm oder Rain darüber müßig. Sie waren Beide Verbena und sie hatten ihre Ansichten. Ganz genau hatte er Jules nicht gefragt, was er denn nun vorhatte, um die Energiezufuhr zu unterbrechen, aber das der Boden begann zu vibrieren war wahrscheinlich ihm zu verdanken. Gambits Augenbraue rutschte auch sofort hoch, als die Oberfläche aufbrach und Wurzeln hervorkamen. Schnell wurden diese Dicker und immer mehr. Gambit musste sich bemühen auf den Beinen zu bleiben und nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Sein Blick sichte Jules, der in der Mitte dieses Lebensbrunnens stand und immer noch zu singen schien. Ihm machte das Ganze offensichtlich nichts aus. Schon nach wenigen Minuten war der erste Baum aus dem Wurzelwerk herausgewachsen und zwar mit so einer immensen Geschwindigkeit, dass Gambit nur staunen konnte. Ihm hatte die Sphäre des Lebens nie gelegen, aber das war wirklich beeindruckend. Dabei wuchsen weitere Bäume und andere Pflanzen aus dem Boden, die Wurzeln, dass spürte man bohrten sich tief ins Erdreich, um an Wasseradern zu kommen und dabei durchtrennten sie die Stromleitung. Das leichte Summen  des Stroms unter der Erde brach abrupt ab und machte einer Stille Platz, die für jemanden mit der Kraftsphäre sehr angenehm war.

Gambit atmete entspannt aus. „Und jetzt ist es still.“ flüsterte er, während Jules wieder zu ihm trat. „Jetzt warten wir.“

~*~

Die Gänge waren hell erleuchtet, wenn auch das Licht nicht grell war. So Steril hatte sie sich die Basis allerdings auch nicht vorgestellt. Jasmin hatte sich, direkt nach dem Einstieg in die Technokratiebasis, von den Anderen getrennt und schlich nun alllein durch die Gänge. Immer wieder zweigten Türen und weitere Gänge ab, aber sie hatte keine Zeit alles zu durchsuchen. Aber eine Ablenkung musste sie noch platzieren. Plötzlich blieb sie stehen. An der Tür, die nach links abging stand: „Forschungslabor für experimentelle Energien aus Organischen Stoffen“ Das Labor öffnete sich zischend vor ihr, aber es war nicht wirklich leer. Vor ihr stand ein…Mensch? Sie war sich nicht sicher, aber dieses Ding trug einen Ganzkörperpanzer mit Helm. Der Helm erinnerte an einen Nasenbären, durch den Schlauch der dort entsprang, wo der Mund hätte sein müssen und dann irgendwo im Anzug verschwand. Die Augen waren hinter dem dunklen Glas nicht zu sehen, aber sie wusste instinktiv das er sie ansah. Seine linke Hand hob sich und Jasmin machte instinktiv einen Schritt zurück. Sie wollte nicht das er sie berührte. Schnell zog sie einen Klumpen Lehm aus ihrer Umhängetasche und rannte. Hinter sich waren die schweren Schritte des Technokraten zu hören. Er macht sich nicht die Mühe sie schnell zu verfolgen, scheinbar war er sich ziemlich sicher sie fangen zu können. Aber Jasmin dachte gar nicht daran stehen zu bleiben. Noch im Laufen formte sie eine Spinne, die sie fallen lies. Ein Blick über die Schulter sagte ihr, dass sich die Spinne wie geplant, an das Bein des Ingenieurs geheftet hatte.

Die Gänge flogen nur so an ihr vorbei. Wieso nahmen die eigentlich kein Ende? Schließlich erreichte sie eine Sackgasse und bremste. Panisch schaute sie zurück. Wer baute in so einer Basis eine Sackgasse? Die Schweren Schritte folgten ihr immer noch. Wieso war der so schnell, obwohl er sich nur im Schritttempo bewegte? Als er schließlich um die Ecke bog, hatte sie bereits einen weiteren Lehmklumpen zu einem Schwarm Heuschrecken geformt. Grinsend lehnte sie sich an die Wand hinter ihr unter hob zwei Finger. Die Heuschrecken sprangen auf ihn zu und hefteten sich an die Rüstung.
„Auf wieder…..WAH!“

~*~

Gambit hechtete zur Seite, als das Druckgeschoss  neben ihm in den Boden einschlug und einen zwanzig Zentimeter Krater verursachte, wo er eben noch gestanden hatte. Sein gegenüber trug einen makellosen schwarzen Anzug, eine Sonnenbrille und schien vollkommen auf sein Ziel fixiert zu sein. In seinen Handflächen hatten sich kleine Löcher gebildet, aus denen er extrem beschleunigte Luft schoss. Entweder war das nicht dasselbe Hit Modell, welches Rain gesehen hatte, oder aber es hatten sich spontan Änderungen in der Ausrüstung ergeben. Zeit darüber nachzudenken hatte er jedenfalls nicht, er musste wieder  ausweichen. Als der Android ein weiteres Mal zum Schuss ansetzte, wickelten sich plötzlich die Wurzeln der Bäume um seine Füßen und rissen daran. Der Schuss ging den Himmel und Gambit nutzte seine Chance. Er drehte sich um und verschwand hinter dem nächsten Hügel. Außerhalb der Sichtweite des Technokratieroboters.

Jules fluchte, als das HIT Modell die Wurzeln einfach durchriss und sich nun zu ihm herumdrehte. Er stand vollkommen ohne Deckung da und dieses Ding war schnell. Zu schnell. Eben noch hatte er zehn Meter Abstand gehabt. Jetzt stand es direkt vor ihm, der Verbena stolperte mit einem überraschten Aufschrei zurück und blieb dabei an einer herausstehenden Wurzel hängen. Noch während er fiel, sah er wie in Zeitlupe die Hand des Androiden nach ihm fassen. Er konnte seine Spiegelung in der Sonnenbrille sehen, das leichte rote Glimmen, hinter dem dunklen Glas, die perfekt nachgebildete künstliche Haut, die sich über Metall spannte. Er kam nicht umhin die Perfektion dieses Werkes anzuerkennen, dass ihn nun so unwiderruflich auslöschen würde. Die Hand griff nach seinem Hemd und…wurde weggestoßen. Vor ihm war nicht mehr die dunkle Sonnenbrille, sondern ein schwarzer Ledermantel. Gambit hielt seinen Stab lässig in einer Hand. Er glühte richtig in der Dunkelheit und machte den Eindruck in weißen Flammen zu stehen. „Alles in Ordnung?“ fragte der Traumsänger ohne sich umzudrehen. Anstatt zu antworten stand Jules nur auf und trat wieder neben ihn. „Das war sehr knapp. Du hättest dich mehr beeilen können.“ Ohne eine Miene zu verziehen ging Gambit wieder auf ihren Gegner zu, der sich gerade qualmend aufrichtete. „Manche Sachen brauchen ihre Zeit, dass solltest du am Besten wissen.“

Inzwischen war das HIT Modell wieder aufgestanden und betrachtete seine Kontrahenten. Wahrscheinlich analysierte es sie gerade. Aber zu einer Auswertung sollte  es nicht kommen. Diesmal griffen beide Magi gleichzeitig an. Gambit sprang vor und lies seinen Stab herabsausen, während Jules die Erde unter dem Model lockerte und es so aus dem Gleichgewicht brachte. Die Wurzeln waren diesmal so fein das, der Roboter, durch sein Gewicht allein, einbrach und plötzlich bis zu den Knien in losem Erdreich stand. Der Stab prallte auf den zur Abwehr erhobenen Arm und lies ihn in Flammen aufgehen. Weißglühende Funken sprühten aus dem Körperteil hervor, während der Stab ein weiteres Mal traf. Diesmal den Kopf, welcher ebenfalls in Flammen aufging. Aber den Androiden schien das nicht aufzuhalten. Den dritten Schlag fing es mit dem brennenden Arm ab und hielt den Stab fest. Gambits Augen weiteten sich, als sich ihm die unverletzte Hand entgegenstreckte und einen konzentrierten Luftstoß abschoss. Ihm wurde die Luft nicht nur aus den Lungen gepresst, sondern er flog auch durch die Luft. Die reine Wucht des Angriffs, lies ihn den Stab loslassen und über den nächsten Hügel fliegen. Der Aufprall, auf dem harten Boden, raubte ihm kurzzeitig sogar das Bewusstsein.

Mit einem dumpfen Aufprall landete Jules wieder im Gras. Er hustete und schmeckte Blut. Das Ding hatte ihn voll erwischt. Neben ihm lag Gambit, der scheinbar nicht einmal bei Bewusstsein war. Jules drehte sich zur Seite und keuchte, als er seinen geschundenen Körper über den Boden bewegte. Er musste schwerer verletzt sein, als er angenommen hatte. Für eine weitere Diagnose war aber später noch Zeit. Jetzt mussten sie hier erst einmal weg. „Hey…hey Gambit wach auf.“ Seine Stimme war nicht besonders kräftig, aber er rüttelte den jungen Magus an der Schulter was dieser mit einem Stöhnen quittierte. Jules lächelte. „Gut du bist wach.“ Gambits Stöhnen ging in ein Husten über und er krümmte sich, während er wohl versuchte sich aufzurichten. „Verdammte Scheiße, wieso steht das Ding noch?“ „Das will ich eigentlich nicht wissen. Wir sollten verschwinden. Komm ich helfe dir hoch.“ Jules zog Gambit auf die Beine, der Traumsänger sah übel aus. Schmutzig und gestaucht, aber auf seinem Gesicht lag grimmige Entschlossenheit. „Ok, danke dir….warte….ich….dann wurde es plötzlich dunkel.

~*~

Die Aufzugtüren vor Jasmin glitten zischend zur Seite. Sie saß immer noch wie erstarrt auf dem Boden und starrte die Schiebetür an. Wieso hatte sie die nicht gesehen? Und wieso war sie aufgegangen, als sie sich dagegen gelehnt hatte? Gut sie hatte den Fluchtweg akzeptiert, und der Maschinenmensch war oben zurückgeblieben. Aber die Bomben hatte sie nicht mehr zünden können.
Die Schiebetüren waren auch auf halber Strecke stehen geblieben. Wieso? Wieso war das Licht aus? Dann schloss sie kurz die Augen. Natürlich. Gambit und Jules. Keuchend stand sie auf und stützte sich an der Fahrstuhlwand ab, um wenigstens wieder ein bisschen zu Atem zu kommen. Erst im Anschluss quetschte sie sich durch die Türen des Lifts und betrat die dahinter liegende Halle. Die schiere Größe war überwältigend. Wie konnten die nur so riesige Hallen bauen, ohne das es jemand mitbekam? Kopfschüttelnd bewegte sie sich durch die gelagerten Kisten, Geräte und Müll. Das Ganze bildete ein unübersichtliches Labyrinth aus Gängen, überhängen, Passagen und Sackgassen. Glücklicherweise war ihr Orientierungssinn sehr gut. Was man hier unten wohl finden mochte?

Published inRollenspiel-Storys

Schreibe den ersten Kommentar

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.