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Kategorie: Kurzgeschichten

Alles was kürzer als ein Roman ist

Kaminari – Gedanken

Mit einem letzten kräftigen Schlag zerteilte Tao das Holzscheit und legte beide Hälften auf den Stapel, den er schon geschlagen hatte, bevor er die Axt an den Gürtel hängte und sich das Holzgestell auf den Rücken wuchtete. Er ächzte unter dem Gewicht, lief aber trotzdem schwankend los. Nach kurzer Zeit hatte er eine Haltung gefunden in der er das Holz bequem tragen konnte und dabei einen recht Schnellen Schritt am Leibe hatte.
Während er durch das Wäldchen stapfte aus dem er Holz für Miris Wintervorrat geholt hatte, dachte er über die letzten Zwei Tage nach.

Kaminari – Reue

Ein Keuchen erklang und der Schemen taumelte zurück. Ohne weiter nachzudenken rollte sie sich von der Matratze, auf der sie lag, und wollte aufspringen. Allerdings machte ihr eine weitere Gestalt einen Strich durch die Rechnung, indem er sie auf den Boden drückte. „Ayoun bleib liegen!“ drang eine Stimme in ihren Verstand, die sie eigentlich kennen sollte. Aber sie wusste nicht woher. Sie fühlte sehnige Muskeln an den Armen, die sie hielten und kräftige Hände, die sie zu Boden drückten. Sie wehrte sich weiter und versuchte nach dem neuen Angreifer zu treten aber dieser nagelte ihre Beine am Boden fest.
„Hör auf was soll das? Wir sind es!“ zischte der Mann auf ihr. „Ayoun hör zu. Du hast ganz schön was abgekriegt. Du musst liegen bleiben verstehst du?“ redete die Stimme weiter auf sie ein, allerdings drangen die Worte nur langsam in Ayouns Bewusstsein.

Kaminari – Schmerz

Leise schloss Sorae die Schiebetür ihres kleinen Hauses. Sofort stand sie wieder im Stockdunkeln, aber sie kannte ihr Reich in und auswendig und stolperte deswegen nicht einmal über den niedrigen Tisch, der in der Mitte des Raumes stand, als sie die Kerzen anzündete die in einem eisernen Ständer in der Ecke steckten. Nachdem die Kerzen die Dunkelheit vertrieben hatten wurde der Rest der spartanischen Einrichtung sichtbar. Mehr als eine Strohmatte, der niedrige Tisch und eine Teeschale aus feinem Porzellan war nicht zu sehen. Sorae nahm die Schale und ging ins Nebenzimmer, das einzige, welches neben dem Vorraum noch existierte. Hier lag ihr Bett auf dem Holzboden und hier war auch der zweite Ausgang, der auf eine kleine Terrasse und schließlich zum Brunnen führte, aus dem sie ihr Wasser schöpfte.

Kaminari – Hinterhalt

Die Drei standen im Schatten einer kleinen Gasse und vor ihnen lag ein kleiner, vom Mondschein erhellter halbrunder Platz, an dessen flacher Seite ein großes Lagerhaus stand. Der rechteckige Flachbau wurde von zwei dunklen Gassen flankiert, die auf der einen Seite von der Stadtmauer und von der Anderen durch eine ausgebrannte Ruine begrenzt wurden.
„Das gefällt mir nicht“, bemerkte Tao leise „es ist viel zu ruhig hier!“
„Wir sind am Stadtrand. Und das Viertel ist tot. Was erwartest du?“ fragte Ayoun gereizt. „Zumindest ein paar Bettler oder Ratten. Ich weiß auch nicht, aber nicht diese Totenstille.“
antwortete Tao genervt.
„Ich weiß was du meinst“, warf Kyo ein. „Mir stellen sich auch die Nackenhaare auf, aber wir können schlecht auf das Honorar verzichten. Außerdem will ich unseren Auftraggeber auch kennen lernen“, stellte Kyo fest. „Mich würde nämlich interessieren, wer ihm unseren Aufenthaltsort verraten hat, weil außer uns und Miri kennt das Haus doch keiner oder?“
„Irgendwo hat er ja Recht. Mich interessiert das genauso“, sagte Tao nachdenklich. „Auch, wenn ich nicht glaube das uns überhaupt einer verraten hat. Der müsste uns ja dann dort gesehen haben“, fügte er murmelnd hinzu und ging Kyo hinterher. Ayoun folgte den Beiden leise.